Kriegsmarine Schiffchen für Mannschaften

Dunkelblaues Tuch, komplett mit Bevo-gewebtem Schiffchenadler und Kokarde. Innen schwarzes Futter mit Trägeretikett "Siegmund", Kopfgröße ca. 57 1/2. Innen das Futter mit diversen Mottenschäden, Zustand 2-.
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600,00

Kriegsmarine Schiffchen für Mannschaften

Die Kriegsmarine-Schiffchenmütze für Mannschaften stellt eines der charakteristischsten Kopfbedeckungsstücke der deutschen Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese funktionale und zugleich symbolträchtige Uniform­komponente wurde von Matrosen, Maaten und Obermaaten der deutschen Kriegsmarine von 1935 bis 1945 getragen.

Die offizielle Einführung der Schiffchenmütze erfolgte mit der Kleiderordnung der Kriegsmarine vom 1. September 1935, als das nationalsozialistische Deutschland die Wiederaufrüstung vorantrieb und die Kriegsmarine als Nachfolgerin der Reichsmarine etabliert wurde. Die Schiffchenmütze, auch als “Bordmütze” bezeichnet, war Teil der Bordkleidung und wurde alternativ zur traditionellen Tellermütze getragen, insbesondere bei Arbeiten an Bord oder in geschlossenen Räumen.

Das hier beschriebene Exemplar zeigt die typischen Merkmale einer authentischen Mannschafts-Schiffchenmütze: Das dunkelblaue Tuch entspricht der vorgeschriebenen Uniform­farbe der Kriegsmarine, die sich deutlich von den feldgrauen Tönen des Heeres oder dem Blaugrau der Luftwaffe unterschied. Die Farbgebung wurde durch präzise Reichsmarine- und Kriegsmarine-Vorschriften reglementiert und musste bestimmten Farbmustern entsprechen.

Besonders bemerkenswert sind die beiden Hoheitsabzeichen: Der Bevo-gewebte Schiffchenadler und die Kokarde. Die Firma BeVo (Bandeinfassung Vormals), mit Sitz in Wuppertal-Barmen, war einer der Hauptlieferanten für gewebte Abzeichen der Wehrmacht. Die BeVo-Webtechnik ermöglichte die maschinelle Herstellung detaillierter Insignien in hoher Qualität. Der Schiffchenadler der Kriegsmarine zeigte den nationalsozialistischen Adler mit Hakenkreuz, blickend nach links (vom Träger aus gesehen nach rechts). Die Kokarde in den Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot wurde direkt darunter angebracht und symbolisierte die Kontinuität zur kaiserlichen Marine.

Das Trägeretikett “Siegmund” im Inneren der Mütze gibt Aufschluss über den Hersteller oder Vertreiber. Während der NS-Zeit existierten zahlreiche Zulieferfirmen für Militärbekleidung, die nach strengen Vorgaben des Oberkommandos der Kriegsmarine (OKM) produzierten. Die angegebene Kopfgröße von etwa 57 1/2 entspricht dem damals üblichen metrischen System für Kopfbedeckungen und liegt im durchschnittlichen Bereich.

Das schwarze Innenfutter war Standard bei Kriegsmarine-Kopfbedeckungen und diente sowohl praktischen Zwecken (Schweißabsorption, Komfort) als auch der Haltbarkeit. Die erwähnten Mottenschäden sind typisch für textile Militaria aus dieser Epoche, da die verwendeten Wollstoffe anfällig für Insektenfraß sind, insbesondere wenn die Stücke über Jahrzehnte unsachgemäß gelagert wurden.

Die Schiffchenmütze unterschied sich grundlegend von der repräsentativen Tellermütze (auch “Donald Duck” genannt), die bei offiziellen Anlässen und beim Landgang getragen wurde. Während die Tellermütze mit ihren flatternden Bändern ein ikonisches Symbol der deutschen Marinesoldaten darstellte, war die Schiffchenmütze die praktische Arbeitskopfbedeckung für den Dienst an Bord von Kriegsschiffen, U-Booten und in Landeinrichtungen.

Im Kontext der Kriegsmarine-Geschichte diente diese Kopfbedeckung Angehörigen aller Schiffstypen: von den großen Schlachtschiffen wie der Bismarck und Tirpitz über Kreuzer und Zerstörer bis hin zur berüchtigten U-Boot-Waffe, die unter Führung von Großadmiral Karl Dönitz im Atlantik operierte. Die Schiffchenmütze war auch bei Landeinheiten der Kriegsmarine wie Marineartillerie-Abteilungen und Küstenbatterien üblich.

Aus sammlerischer und historischer Perspektive sind authentische Kriegsmarine-Schiffchenmützen heute gesuchte Zeitdokumente. Sie dokumentieren nicht nur die Uniformgeschichte der deutschen Marine, sondern stehen auch symbolisch für das Schicksal hunderttausender junger Männer, die in der Kriegsmarine dienten. Von den etwa 1,5 Millionen Angehörigen der Kriegsmarine während des Zweiten Weltkriegs fielen etwa 138.000, darunter überproportional viele U-Boot-Fahrer mit einer Verlustrate von über 70 Prozent.

Die Bewahrung solcher Objekte in Sammlungen und Museen dient der historischen Dokumentation und Aufarbeitung dieser dunklen Epoche deutscher Geschichte, ohne die Verbrechen des NS-Regimes zu glorifizieren.