Nichttragbare Teilnehmerplakette: "DDAC 2.Westfalen-Lippe-Fahrt 1936"
Historischer Kontext: DDAC Westfalen-Lippe-Fahrt 1936 Teilnehmerplakette
Die vorliegende Teilnehmerplakette dokumentiert die 2. Westfalen-Lippe-Fahrt des DDAC (Der Deutsche Automobil-Club) im Jahr 1936, einem bedeutenden motorsportlichen Ereignis in der nationalsozialistischen Ära. Hergestellt von der renommierten Firma Carl Poellath in Schrobenhausen aus Feinzink, repräsentiert dieses Objekt die enge Verflechtung von Automobilkultur, Sport und politischer Propaganda im Dritten Reich.
Der DDAC und seine Rolle im NS-Staat
Der Deutsche Automobil-Club wurde 1933 durch die Zwangsvereinigung mehrerer Automobilclubs gegründet und dem Nationalsozialistischen Kraftfahrkorps (NSKK) unterstellt. Unter der Führung von Korpsführer Adolf Hühnlein entwickelte sich der DDAC zu einer Massenorganisation mit über 1,3 Millionen Mitgliedern bis 1939. Der Club diente nicht nur der Förderung des Automobilsports, sondern auch der politischen Gleichschaltung und Mobilisierung der deutschen Bevölkerung im Sinne der nationalsozialistischen Ideologie.
Die Organisation war verantwortlich für die Durchführung zahlreicher motorsportlicher Veranstaltungen, Zuverlässigkeitsfahrten und Orientierungsfahrten, die sowohl sportliche als auch propagandistische Zwecke verfolgten. Diese Veranstaltungen sollten die technische Überlegenheit deutscher Automobilproduktion demonstrieren und gleichzeitig die Volksgemeinschaft stärken.
Die Westfalen-Lippe-Fahrt
Regionale Automobilfahrten wie die Westfalen-Lippe-Fahrt waren charakteristische Veranstaltungen der 1930er Jahre. Sie führten durch die landschaftlich reizvolle Region zwischen Westfalen und dem Fürstentum Lippe und kombinierten sportliche Herausforderungen mit touristischen Aspekten. Die Tatsache, dass 1936 bereits die zweite Auflage stattfand, deutet auf eine erfolgreiche Etablierung der Veranstaltung im Jahr 1935 hin.
Solche Regionalfahrten dienten mehreren Zwecken: Sie förderten den regionalen Tourismus, demonstrierten die Qualität deutscher Straßen und Fahrzeuge und boten der lokalen Bevölkerung ein Spektakel. Die Teilnehmer mussten bestimmte Strecken in vorgegebener Zeit bewältigen, wobei Pünktlichkeit und technische Zuverlässigkeit der Fahrzeuge bewertet wurden.
Das Jahr 1936 im Kontext
1936 war ein besonders bedeutsames Jahr für den deutschen Motorsport und die NS-Propaganda. Die Olympischen Spiele in Berlin im August 1936 boten dem Regime eine Weltbühne zur Selbstdarstellung. Im Automobilsport errangen deutsche Rennwagen bei internationalen Wettbewerben spektakuläre Erfolge. Die Silberpfeile von Mercedes-Benz und Auto Union dominierten die Grand-Prix-Rennen und wurden als Symbol deutscher technischer Überlegenheit gefeiert.
In diesem Kontext gewannen auch regionale Motorsportveranstaltungen an Bedeutung. Sie sollten das Interesse breiter Bevölkerungsschichten am Automobil wecken und die Motorisierung als Zeichen von Modernität und Fortschritt propagieren, obwohl tatsächlich nur eine Minderheit der Deutschen ein eigenes Kraftfahrzeug besaß.
Die Herstellung: Carl Poellath Schrobenhausen
Die Firma Carl Poellath in Schrobenhausen, Bayern, gehörte zu den führenden Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und Plaketten im Deutschen Reich. Das 1778 gegründete Unternehmen hatte sich auf die Produktion hochwertiger Metallwaren spezialisiert und belieferte sowohl staatliche Stellen als auch Vereine und Verbände.
Die Verwendung von Feinzink als Material war typisch für Teilnehmerplaketten dieser Zeit. Zink bot den Vorteil, dass es kostengünstig in größeren Stückzahlen produziert werden konnte, gleichzeitig aber detaillierte Prägungen ermöglichte. Die Maße von etwa 80x70 mm entsprechen der Standardgröße für nichttragbare Plaketten, die zur Aufbewahrung oder Präsentation in Vitrinen gedacht waren.
Funktion und Bedeutung der Teilnehmerplakette
Teilnehmerplaketten wie diese dienten als Erinnerungsstücke und Nachweis der Teilnahme an motorsportlichen Veranstaltungen. Im Gegensatz zu tragbaren Abzeichen, die an der Kleidung befestigt wurden, waren nichttragbare Plaketten als Sammlerobjekte konzipiert. Motorsportenthusiasten sammelten solche Plaketten als Dokumentation ihrer sportlichen Aktivitäten.
Die Gestaltung solcher Plaketten folgte typischen ikonographischen Mustern der Zeit und enthielt meist Symbole wie Automobile, Landschaftsmotive der durchfahrenen Region, Wappen und nationalsozialistische Embleme. Sie dokumentieren heute die visuelle Kultur und Symbolsprache des Dritten Reiches im Bereich des Motorsports.
Sammlerwert und historische Bedeutung
Heute sind solche Plaketten wichtige Zeugnisse der Alltags- und Sportgeschichte der NS-Zeit. Sie dokumentieren die Organisationsstrukturen, die propagandistische Durchdringung des Freizeitbereichs und die Rolle des Automobils in der nationalsozialistischen Gesellschaftsvision. Für Historiker bieten sie Einblicke in regionale Veranstaltungen und lokale NS-Strukturen, die in offiziellen Dokumenten oft nur am Rande erwähnt werden.
Der Erhaltungszustand dieser Plakette (2-3) deutet auf normale Gebrauchsspuren hin, was für ein fast 90 Jahre altes Objekt typisch ist und seine Authentizität unterstreicht.