Vaterländischer Frauenverein St.Wendel 1914-1917 - nichttragbare Verdienstplakette " Für verdienstvolle Arbeit in ernster Zeit "
Die Verdienstplakette des Vaterländischen Frauenvereins St. Wendel aus der Zeit von 1914 bis 1917 repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Heimatfront während des Ersten Weltkriegs. Diese nichttragbare Auszeichnung mit der Inschrift "Für verdienstvolle Arbeit in ernster Zeit“ würdigt die außerordentlichen Leistungen von Frauen, die sich in den Kriegsjahren für die Unterstützung von Soldaten und deren Familien einsetzten.
Der Vaterländische Frauenverein wurde 1866 als Nachfolgeorganisation verschiedener Sanitäts- und Hilfsvereine gegründet und stand unter dem Protektorat der deutschen Kaiserin. In St. Wendel, einer Stadt im heutigen Saarland, die damals zum Königreich Preußen gehörte, spielte der lokale Zweig eine entscheidende Rolle bei der Bewältigung der humanitären Herausforderungen des Krieges. Die Organisation war Teil eines umfassenden Netzwerks von Frauenvereinen, die dem Deutschen Roten Kreuz angeschlossen waren und dessen Grundsätze in die Praxis umsetzten.
Während des Ersten Weltkriegs übernahmen die Mitglieder des Vaterländischen Frauenvereins vielfältige Aufgaben: Sie organisierten die Krankenpflege in Lazaretten, fertigten Verbandsmaterial und Kleidung für Soldaten an, sammelten Spenden, betreuten Kriegsversehrte und kümmerten sich um die Familien gefallener Soldaten. Die "ernste Zeit“, auf die die Plakette Bezug nimmt, war geprägt von zunehmenden Entbehrungen, Lebensmittelknappheit und der wachsenden Zahl von Verwundeten und Gefallenen.
Die vorliegende Plakette wurde aus Feinzink gefertigt, einem Material, das während des Krieges zunehmend verwendet wurde, da wertvolle Metalle wie Bronze und Kupfer für die Rüstungsproduktion benötigt wurden. Das rot lackierte Kreuz auf der Plakette verweist deutlich auf die Verbindung zum Roten Kreuz und symbolisiert humanitäre Hilfe und Nächstenliebe. Mit einem Durchmesser von 60 Millimetern handelt es sich um eine repräsentative Auszeichnung, die aufgrund ihrer Größe und ihres Gewichts nicht als tragbare Medaille konzipiert war, sondern als Ehrenzeichen zur Aufbewahrung und Erinnerung diente.
Die Tatsache, dass diese Plakette in ihrem originalen braunen Verleihungsetui erhalten ist, erhöht ihren historischen und dokumentarischen Wert erheblich. Solche Etuis wurden speziell für die würdige Überreichung der Auszeichnungen angefertigt und unterstreichen die Bedeutung, die man der Anerkennung dieser Leistungen beimaß. Die Verleihung erfolgte vermutlich bei feierlichen Anlässen durch führende Mitglieder des Vereins oder lokale Honoratioren.
Die Zeitspanne von 1914 bis 1917 auf der Plakette ist bemerkenswert, da sie die ersten drei Kriegsjahre umfasst – eine Phase, die von anfänglicher Kriegsbegeisterung über zunehmende Ernüchterung bis hin zu wachsender Not reichte. Das Jahr 1917 markierte einen Wendepunkt mit verschärfter Blockade, dem "Steckrübenwinter“ und zunehmenden sozialen Spannungen in der deutschen Gesellschaft.
St. Wendel selbst, als Garnisonsstadt mit militärischer Bedeutung, war direkt von den Auswirkungen des Krieges betroffen. Die lokale Bevölkerung musste nicht nur mit den üblichen Entbehrungen fertig werden, sondern auch die Versorgung und Betreuung durchziehender und stationierter Truppen gewährleisten. Die Frauen des Vaterländischen Frauenvereins trugen dabei eine immense Last und arbeiteten oft bis zur Erschöpfung.
Solche lokalen Auszeichnungen waren nicht staatlich autorisiert im Sinne königlicher oder kaiserlicher Orden, sondern wurden von den Vereinen selbst gestiftet. Dies macht sie zu interessanten Zeugnissen bürgerschaftlichen Engagements und lokaler Erinnerungskultur. Sie dokumentieren, wie Gemeinschaften versuchten, die Leistungen ihrer Mitglieder anzuerkennen und für die Nachwelt festzuhalten.
Die Erhaltung dieser Plakette im Zustand 2 (nach numismatischer Bewertungsskala) bedeutet, dass sie sehr gut erhalten ist, mit nur geringfügigen Gebrauchsspuren. Dies lässt darauf schließen, dass die Auszeichnung von ihrer Empfängerin in Ehren gehalten und sorgfältig aufbewahrt wurde – ein stilles Zeugnis persönlicher Geschichte und individuellen Opfers in einer der dunkelsten Perioden der deutschen Geschichte.