Hängematte der Mannschaften

, weißes Nesseltuch Tuch, Textilwerke Karl Anton Henschel Kassel  datiert November 42, ca. 75 x 185 cm, mit Schnüren.
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€ 250,00

Hängematte der Mannschaften

Die Hängematte der Mannschaften aus den Textilwerken Karl Anton Henschel in Kassel, datiert auf November 1942, repräsentiert ein bedeutendes Ausrüstungsstück der deutschen Wehrmacht während des Zweiten Weltkriegs. Dieses aus weißem Nesseltuch gefertigte Objekt mit den Maßen von circa 75 x 185 cm samt zugehörigen Schnüren verkörpert die praktische Militärausrüstung jener Zeit und gibt Einblick in den Alltag der einfachen Soldaten.

Technische Beschaffenheit und Material

Das verwendete Nesseltuch, auch als Nessel bekannt, war ein grobes, leinwandbindiges Baumwollgewebe, das sich durch seine Robustheit und Strapazierfähigkeit auszeichnete. In der militärischen Verwendung bot dieses Material mehrere Vorteile: Es war vergleichsweise kostengünstig in der Herstellung, widerstandsfähig gegen mechanische Belastungen und konnte bei Bedarf gewaschen werden. Die weiße Färbung entsprach den militärischen Vorschriften für Bettwäsche und Hygieneartikel, da sie eine einfache Kontrolle der Sauberkeit ermöglichte.

Historischer Kontext der Produktion

Die Textilwerke Karl Anton Henschel in Kassel gehörten zu den zahlreichen deutschen Textilunternehmen, die während des Zweiten Weltkriegs zur Produktion von Militärausrüstung herangezogen wurden. Im November 1942, dem Herstellungsdatum dieser Hängematte, befand sich das Deutsche Reich in einer kritischen Phase des Krieges. Die Schlacht um Stalingrad erreichte ihren Höhepunkt, und die Wehrmacht war an allen Fronten im Einsatz. Die Mobilisierung der zivilen Industrie für militärische Zwecke hatte längst alle Bereiche der deutschen Wirtschaft erfasst.

Die Hängematte in der militärischen Verwendung

Hängematten waren seit Jahrhunderten fester Bestandteil militärischer Ausrüstung, insbesondere bei Marine-Streitkräften. In der Wehrmacht fanden sie vor allem bei der Kriegsmarine Verwendung, wo sie auf Schiffen eine platzsparende Schlafgelegenheit für die Mannschaften boten. An Bord von U-Booten, Zerstörern, Kreuzern und anderen Kriegsschiffen waren Hängematten unverzichtbar, da sie es ermöglichten, den knappen Raum optimal zu nutzen. Während der Wachzeiten konnten die Hängematten zusammengerollt und verstaut werden, wodurch die beengten Wohnräume multifunktional genutzt werden konnten.

Auch bei Heereseinheiten, insbesondere in Feldunterkünften, Lazaretten und temporären Quartieren, wurden Hängematten gelegentlich eingesetzt. Sie boten den Vorteil, dass sie schnell auf- und abgebaut werden konnten und die Soldaten vom oft feuchten oder verschmutzten Boden fernhielten.

Regulierungen und Vorschriften

Die Herstellung und Ausgabe von Ausrüstungsgegenständen in der Wehrmacht unterlag strengen Vorschriften und Qualitätskontrollen. Die Heeres-Verordnungsblätter (HVBl) und entsprechende Dienstvorschriften regelten detailliert Material, Abmessungen und Kennzeichnung solcher Gegenstände. Jedes Stück musste mit Herstellerangaben und Produktionsdatum versehen sein, um Qualität und Herkunft nachvollziehen zu können. Die Kennzeichnung durch den Hersteller und das Datum ermöglichte auch eine lückenlose Dokumentation der Materialverwendung, was im Rahmen der kriegswirtschaftlichen Planung von Bedeutung war.

Kriegswirtschaft und Textilproduktion

Die Textilproduktion im Deutschen Reich während des Zweiten Weltkriegs stand unter enormem Druck. Rohstoffe wurden zunehmend knapp, und die Industrie musste sich auf die Herstellung kriegswichtiger Güter konzentrieren. Die Reichsstelle für Textilien überwachte die Zuteilung von Rohstoffen und die Produktionsmengen. Baumwolle, die für die Herstellung von Nesseltuch benötigt wurde, musste importiert werden und war besonders nach der Blockade durch die Alliierten nur noch begrenzt verfügbar. Dies führte zunehmend zum Einsatz von Ersatzstoffen und zur Wiederverwertung von Textilien.

Sozialgeschichtliche Bedeutung

Für den einzelnen Soldaten war die Hängematte mehr als nur ein funktionales Ausrüstungsstück. Sie bot einen kleinen privaten Rückzugsraum in der sonst streng reglementierten militärischen Gemeinschaft. In den Erzählungen und Tagebüchern von Soldaten, insbesondere von U-Boot-Fahrern, findet die Hängematte häufig Erwähnung als Ort der Ruhe, aber auch der Enge und Unbequemlichkeit bei längeren Einsätzen.

Nachkriegszeit und museale Bedeutung

Heute sind solche Hängematten wichtige Zeugnisse der Alltagsgeschichte des Zweiten Weltkriegs. Sie ergänzen das Bild jenseits der großen militärischen Ereignisse und zeigen die materielle Kultur und die Lebensbedingungen der einfachen Soldaten. In militärhistorischen Sammlungen helfen sie, ein vollständigeres Verständnis dieser Epoche zu vermitteln. Die Erhaltung solcher Textilien ist konservatorisch herausfordernd, da Stoffe besonders anfällig für Zerfall sind. Daher sind gut erhaltene Exemplare wie diese von besonderem musealen Wert.