Hessen Jubiläumsabzeichen der ehemaligen Angehörigen im Leibgarde-Infanterie-Regt. Nr. 115, 1921
Das Jubiläumsabzeichen der ehemaligen Angehörigen des Leibgarde-Infanterie-Regiments Nr. 115 aus dem Jahr 1921 stellt ein bedeutendes Erinnerungsstück an eine der traditionsreichsten militärischen Formationen Hessens dar. Dieses Steckabzeichen wurde zur Feier des 300-jährigen Jubiläums der Regiment geschaffen und verkörpert die tiefe Verbundenheit ehemaliger Soldaten mit ihrer Einheit, auch nach dem Zusammenbruch der deutschen Monarchie und dem Ende des Ersten Weltkriegs.
Das Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 hatte seine Wurzeln im Jahr 1621, als während des Dreißigjährigen Krieges in Hessen militärische Verbände aufgestellt wurden. Die Geschichte dieses Regiments spiegelt die komplexe politische und militärische Entwicklung Hessens über drei Jahrhunderte wider. Als Leibgarde-Regiment stand die Einheit in besonders enger Beziehung zum hessischen Fürstenhaus und genoss hohes Ansehen innerhalb der deutschen Militärhierarchie.
Die Gestaltung des Abzeichens in Form des Hessischen Sterns ist von besonderer symbolischer Bedeutung. Der hessische Stern war ein traditionelles heraldisches Symbol des Großherzogtums Hessen und später des Volksstaats Hessen. Im Zentrum des Abzeichens befindet sich die gekrönte Regimentsziffer “EL”, die für “Ernst Ludwig” steht, den letzten Großherzog von Hessen und bei Rhein, der von 1892 bis 1918 regierte. Die Umschrift “Gott Ehre Vaterland 1621 . 1921” verweist auf die preußisch-deutschen Militärtraditionen und markiert das dreihundertjährige Bestehen der militärischen Tradition.
Nach dem Ersten Weltkrieg und der Novemberrevolution von 1918 wurden die deutschen Streitkräfte gemäß dem Versailler Vertrag drastisch reduziert. Die alten kaiserlichen Regimenter wurden aufgelöst, und die Reichswehr als neue, deutlich kleinere Armee geschaffen. Für viele ehemalige Soldaten bedeutete dies das Ende ihrer militärischen Laufbahn und den Verlust ihrer Identität als Angehörige traditionsreicher Einheiten.
In dieser Zeit der Umbrüche entstanden zahlreiche Veteranenvereinigungen und Regimentsvereine, die die Erinnerung an die alten Einheiten wach hielten. Diese Organisationen pflegten Kameradschaft, organisierten Treffen und gedachten gefallener Kameraden. Das Jahr 1921, in dem dieses Jubiläumsabzeichen geschaffen wurde, war eine Zeit intensiver Erinnerungskultur in Deutschland. Trotz der Niederlage im Weltkrieg und der politischen Umwälzungen hielten viele Veteranen an ihren militärischen Traditionen fest.
Die Herstellung solcher Erinnerungsabzeichen war in der Weimarer Republik weit verbreitet. Sie dienten nicht nur als persönliche Erinnerungsstücke, sondern auch als Erkennungszeichen bei Veteranentreffen und als Symbol der Zugehörigkeit zu einer bestimmten militärischen Tradition. Die Abzeichen wurden typischerweise von spezialisierten Firmen hergestellt, die sich auf militärische Auszeichnungen und Erinnerungsstücke spezialisiert hatten.
Das Steckabzeichen konnte an der Zivilkleidung getragen werden und ermöglichte es den ehemaligen Soldaten, ihre militärische Vergangenheit auch im zivilen Leben zu demonstrieren. Dies war besonders bei Gedenkveranstaltungen, Regimentstreffen und nationalen Feiertagen üblich. Die Verwendung der Krone in der Regimentsziffer, obwohl die Monarchie bereits abgeschafft war, zeigt die bewusste Bewahrung monarchistischer Symbole in Veteranenkreisen.
Das Leibgarde-Infanterie-Regiment Nr. 115 hatte während seiner Existenz an zahlreichen Kriegen und Feldzügen teilgenommen, darunter die deutschen Einigungskriege des 19. Jahrhunderts und schließlich der Erste Weltkrieg. Die Regimentsgeschichte war geprägt von militärischen Ehrungen, aber auch von schweren Verlusten, besonders in den Materialschlachten des Ersten Weltkriegs an der Westfront.
Aus heutiger Sicht sind solche Jubiläumsabzeichen wichtige historische Quellen für die Erforschung der deutschen Militärgeschichte und der Erinnerungskultur der Weimarer Republik. Sie dokumentieren, wie ehemalige Soldaten mit dem Verlust ihrer alten Ordnung umgingen und wie militärische Traditionen in der neuen demokratischen Gesellschaft weitergelebt wurden. Die Abzeichen sind auch Zeugnisse der handwerklichen Kunst der Metallverarbeitung und des Designs militärischer Insignien in der Zwischenkriegszeit.
Sammler und Historiker schätzen heute solche Objekte als materielle Überreste einer vergangenen Epoche. Sie helfen, die komplexen sozialen und kulturellen Dynamiken der Weimarer Republik zu verstehen, in der alte Traditionen auf eine neue politische Realität trafen.