Luftwaffe - Urkundennachlass von einem Feldwebel, Kampf Geschwader 76

Verleihungsurkunde zur Frontflugspange für Kampfflieger in Gold, für den Feldwebel Nimmow, ausgestellt 4. Juli 1942, Stempel: Kampfgeschwader 76, unterzeichnet vom Oberst und Geschwaderkommodore Ernst Bormann,- Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (5. Oktober 1941),- Eichenlaub (3. September 1942). Verleihungsurkunde zur Frontflugspange für Kampfflieger in Silber, ausgestellt 6. März 1942, unterzeichnet vom Geschwaderkommodore Ernst Bormann. Verleihungsurkunde zur Frontflugspange für Kampfflieger in Bronze, ausgestellt 6. Februar 1942, ebenfalls unterzeichnet vom Geschwaderkommodore Ernst Bormann. Verleihungsurkunde zum Eisernen Kreuz 1. Klasse, ausgestellt am 6. März 1942, unterzeichnet vom Generaloberst Wolfram von Richthofen,- Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (10. Mai 1940),- Eichenlaub (17. Juli 1941). Verleihungsurkunde zum Fliegerschützenabzeichen, in DinA4, ausgestellt am 7. November 1940, unterzeichnet vom Generalleutnant. Verleihungsurkunde zum Eisernen Kreuz 2. Klasse, ausgestellt am 16. Februar 1942, unterzeichnet vom General der Flieger Wolfram von Richthofen. Verleihungsurkunde zur Ostmedaille - Winterschlacht im Osten, ausgestellt am 1. August 1942, unterzeichnet vom Major. Besitzzeugnis zum Verwundetenabzeichen in Schwarz, ausgestellt am 1.7.1942. Bestallungsurkunde, Din A4; vom Unteroffizier zum Feldwebel, datiert 31. März 1942, unterzeichnet vom Hauptmann und Gruppenkommandeur Freiherr Riedesel,- Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes (7. Oktober 1942),-  Eichenlaub (14. Januar 1945). Alle Urkunden sind gelocht, Zustand 2
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Luftwaffe - Urkundennachlass von einem Feldwebel, Kampf Geschwader 76

Dieser außergewöhnliche Urkundennachlass dokumentiert die militärische Laufbahn eines Feldwebels im Kampfgeschwader 76 (KG 76) der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs. Die Sammlung umfasst neun offizielle Verleihungsurkunden und Besitzzeugnisse aus den Jahren 1940 bis 1942 und bietet einen faszinierenden Einblick in das Auszeichnungssystem der Luftwaffe sowie in die operativen Einsätze dieser wichtigen Bombereinheit.

Das Kampfgeschwader 76 war eine der bedeutendsten Kampfverbände der Luftwaffe und nahm an nahezu allen großen Feldzügen des Krieges teil. Die Einheit wurde 1939 aufgestellt und flog zunächst mit Dornier Do 17 und später mit Junkers Ju 88 Bombern. Das Geschwader war an der Invasion Polens, dem Westfeldzug, der Luftschlacht um England und ab 1941 intensiv an der Ostfront beteiligt. Die hier dokumentierten Auszeichnungen aus den Jahren 1942 zeigen deutlich die Teilnahme an den schweren Kämpfen der ersten Kriegsjahre.

Die Verleihungsurkunden zur Frontflugspange für Kampfflieger in Bronze, Silber und Gold (Februar bis Juli 1942) dokumentieren die zunehmende Anzahl operativer Einsätze. Diese Auszeichnung wurde am 30. Januar 1941 gestiftet und in drei Stufen verliehen: Bronze für 20 Einsätze, Silber für 60 Einsätze und Gold für 110 Einsätze. Die zeitliche Abfolge von Februar bis Juli 1942 zeigt die hohe Einsatzfrequenz der Besatzungen während der intensiven Luftoperationen an der Ostfront. Alle drei Urkunden sind vom Oberst Ernst Bormann unterzeichnet, der von Mai 1941 bis Juni 1942 als Geschwaderkommodore des KG 76 fungierte. Bormann, selbst Träger des Ritterkreuzes des Eisernen Kreuzes (5. Oktober 1941) und später des Eichenlaubes (3. September 1942), war ein erfahrener Kampfflieger und führte das Geschwader während kritischer Operationen.

Die Verleihungsurkunden zum Eisernen Kreuz 2. und 1. Klasse (Februar und März 1942) dokumentieren weitere militärische Verdienste. Das Eiserne Kreuz, 1813 gestiftet und 1939 von Hitler erneuert, war Deutschlands wichtigste Tapferkeitsauszeichnung. Die 2. Klasse wurde für einzelne Taten der Tapferkeit verliehen, während die 1. Klasse wiederholte außergewöhnliche Leistungen voraussetzte. Besonders bemerkenswert ist die Unterschrift von Generaloberst Wolfram Freiherr von Richthofen auf der Urkunde zum Eisernen Kreuz 1. Klasse. Von Richthofen, ein Cousin des berühmten “Roten Barons” aus dem Ersten Weltkrieg, war ab 1942 Oberbefehlshaber der Luftflotte 4 und selbst hochdekoriert mit dem Ritterkreuz (10. Mai 1940) und Eichenlaub (17. Juli 1941). Seine Unterschrift verleiht der Urkunde zusätzliche historische Bedeutung.

Das Fliegerschützenabzeichen, verliehen am 7. November 1940, identifiziert den Empfänger als Besatzungsmitglied in einer Position wie Bordschütze, Bordfunker oder Beobachter. Dieses Abzeichen wurde am 19. Januar 1936 gestiftet und an Flugzeugbesatzungen verliehen, die nicht Pilot oder Beobachter waren, nach Erfüllung bestimmter Einsatz- und Ausbildungsanforderungen.

Die Ostmedaille oder “Winterschlacht im Osten 1941/42”, verliehen am 1. August 1942, dokumentiert die Teilnahme am ersten katastrophalen Winter an der Ostfront. Diese Auszeichnung wurde am 26. Mai 1942 gestiftet und an alle Soldaten verliehen, die zwischen dem 15. November 1941 und dem 15. April 1942 mindestens 14 Tage (bzw. 60 Einsätze für Flugzeugbesatzungen) im Osten im Einsatz waren. Die Medaille wurde im Volksmund oft zynisch als “Gefrierfleischorden” bezeichnet und symbolisiert die extremen Bedingungen dieses Winters.

Das Verwundetenabzeichen in Schwarz, verliehen am 1. Juli 1942, dokumentiert eine oder zwei Verwundungen im Kampf. Diese Auszeichnung wurde bereits im Ersten Weltkrieg eingeführt und 1939 erneuert. Sie existierte in drei Stufen: Schwarz (1-2 Verwundungen), Silber (3-4 Verwundungen) und Gold (5 oder mehr Verwundungen oder schwere Invalidität).

Die Bestallungsurkunde vom 31. März 1942 dokumentiert die Beförderung vom Unteroffizier zum Feldwebel. Diese Beförderung zum Unteroffiziersdienstgrad mit Portepee war bedeutsam und erfolgte nur nach bewährter Leistung. Die Unterschrift stammt von Hauptmann Freiherr von Riedesel, einem Gruppenkommandeur innerhalb des KG 76, der selbst später hochdekoriert wurde mit dem Ritterkreuz (7. Oktober 1942) und dem Eichenlaub (14. Januar 1945).

Die Tatsache, dass alle Urkunden gelocht sind, deutet darauf hin, dass sie in einer Mappe oder einem Album aufbewahrt wurden, eine übliche Praxis zur Dokumentation der militärischen Karriere. Der angegebene “Zustand 2” weist auf einen sehr guten Erhaltungszustand hin. Dieser Urkundennachlass ist ein authentisches historisches Zeugnis des Luftkrieges und der Auszeichnungspraxis der Wehrmacht und dokumentiert die intensive Einsatztätigkeit eines Flugzeugbesatzungsmitglieds während einer der kritischsten Phasen des Zweiten Weltkriegs.