NSKK / DDAC - nichttragbare Siegerplakette - " Orientierungsfahrt rund um Nürnberg 1934 - Alfred Richter auf Ford Beste Zeit aller Kraftwagen u. Motorräder 28.10.34 "
Historischer Kontext: NSKK/DDAC Orientierungsfahrt-Siegerplakette Nürnberg 1934
Die vorliegende Siegerplakette dokumentiert ein bedeutendes motorsportliches Ereignis aus der frühen NS-Zeit: die Orientierungsfahrt rund um Nürnberg am 28. Oktober 1934. Dieses nicht tragbare Erinnerungsstück aus vergoldetem Buntmetall mit partieller Emaillierung wurde vom renommierten Hersteller Lauer aus Nürnberg gefertigt und ehrt Alfred Richter, der auf einem Ford die beste Zeit aller Kraftwagen und Motorräder erzielte.
Das Nationalsozialistische Kraftfahrkorps (NSKK) entstand 1931 als motorisierte Einheit der SA und wurde 1934 unter der Führung von Korpsführer Adolf Hühnlein zu einer eigenständigen Organisation der NSDAP erhoben. Das NSKK übernahm dabei auch die Funktionen des Deutschen Automobil-Clubs (DDAC), der 1933 gleichgeschaltet worden war. Beide Organisationen spielten eine zentrale Rolle bei der Motorisierung Deutschlands und der wehrsportlichen Ertüchtigung der Bevölkerung.
Die Verbindung zwischen NSKK und DDAC im Jahr 1934 war besonders eng. Der DDAC, gegründet 1924, hatte sich als größter deutscher Automobilclub etabliert, wurde jedoch nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten in die NS-Strukturen eingegliedert. Das NSKK übernahm die Organisation und Durchführung motorsportlicher Veranstaltungen, die sowohl sportlichen als auch politisch-propagandistischen Zwecken dienten.
Orientierungsfahrten waren in den 1930er Jahren eine beliebte Form des Motorsports. Im Gegensatz zu reinen Geschwindigkeitsrennen erforderten sie von den Teilnehmern nicht nur fahrerisches Können, sondern auchNavigationsgeschick, präzises Zeitmanagement und technisches Verständnis. Die Fahrer mussten vorgegebene Strecken nach Kartenmaterial und Streckenhinweisen absolvieren und dabei bestimmte Kontrollpunkte in festgelegten Zeitfenstern erreichen.
Die Wahl Nürnbergs als Austragungsort war 1934 von besonderer symbolischer Bedeutung. Die Stadt hatte sich zur “Stadt der Reichsparteitage” entwickelt und stand im Zentrum der NS-Propaganda. Motorsportveranstaltungen in und um Nürnberg erhielten dadurch zusätzliches politisches Gewicht und dienten der Darstellung deutscher technischer Leistungsfähigkeit.
Der Sieger Alfred Richter fuhr interessanterweise einen Ford, was bemerkenswert ist, da in dieser Zeit deutsche Fabrikate wie Mercedes-Benz, Auto Union, BMW oder Opel stark gefördert wurden. Ford hatte jedoch seit 1931 ein Werk in Köln und war trotz amerikanischer Herkunft fest im deutschen Markt etabliert. Die Tatsache, dass Richter mit seinem Ford sowohl alle Kraftwagen als auch alle Motorräder hinter sich ließ, unterstreicht seine außergewöhnliche Leistung.
Die Fertigung durch die Firma Lauer in Nürnberg entspricht der üblichen Praxis bei offiziellen NSKK- und DDAC-Auszeichnungen. Lauer war einer der führenden Hersteller für Abzeichen, Plaketten und Ehrenzeichen in der NS-Zeit und fertigte zahlreiche offizielle Auszeichnungen für verschiedene Organisationen. Die handwerkliche Qualität mit Vergoldung und Emaillierung sowie die präzise Gravur kennzeichnen die hochwertigen Produkte dieser Manufaktur.
Die Ausführung als nichttragbare Plakette mit drei Bohrungen deutet darauf hin, dass sie zur dauerhaften Anbringung, vermutlich an einer Wandtafel oder in einer Vitrine, bestimmt war. Solche Plaketten dienten als bleibende Erinnerung an sportliche Erfolge und wurden oft in privaten Sammlungen oder Vereinsräumen ausgestellt. Die Größe von 60 x 95 mm ermöglichte eine detaillierte Gestaltung mit allen relevanten Informationen zum Ereignis.
Im Kontext der NS-Motorisierungspolitik waren solche Veranstaltungen Teil eines umfassenden Programas zur Förderung des Kraftfahrwesens. Das NSKK organisierte nicht nur Sportveranstaltungen, sondern auch Fahrerschulungen, technische Lehrgänge und wehrsportliche Übungen. Der Motorsport diente dabei als Mittel zur Popularisierung der Kraftfahrzeugtechnik und zur Vorbereitung auf eine künftige Motorisierung der Wehrmacht.
Diese Plakette dokumentiert einen spezifischen Moment in der Geschichte des deutschen Motorsports und der NS-Organisationen. Sie steht exemplarisch für die enge Verflechtung von Sport, Technik und Politik in den 1930er Jahren und zeigt, wie das Regime alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens für seine Zwecke instrumentalisierte.