NSKOV - 2. Bad. Frontsoldaten-und Kriegsopfer-Ehrentag 20./21. Juni 1936 Freiburg i/B.
Das NSKOV-Abzeichen für den 2. Badischen Frontsoldaten- und Kriegsopfer-Ehrentag vom 20./21. Juni 1936 in Freiburg im Breisgau stellt ein bedeutendes zeithistorisches Dokument der nationalsozialistischen Veteranen- und Sozialpolitik dar. Dieses Aluminiumabzeichen dokumentiert die Instrumentalisierung ehemaliger Frontsoldaten und Kriegsversehrter des Ersten Weltkriegs durch das NS-Regime.
Die Nationalsozialistische Kriegsopferversorgung (NSKOV) wurde 1933 als Nachfolgeorganisation verschiedener Weimarer Veteranenverbände gegründet. Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme wurden alle bestehenden Kriegsopfer- und Frontkämpferverbände gleichgeschaltet und in die NSKOV überführt. Unter der Leitung von Hanns Oberlindober entwickelte sich die Organisation zu einer der größten NS-Massenorganisationen mit über 1,5 Millionen Mitgliedern bis 1939.
Die NSKOV verfolgte mehrere Ziele: Einerseits sollte sie die Versorgung und Betreuung von Kriegsbeschädigten, Kriegshinterbliebenen und Frontkämpfern des Ersten Weltkriegs organisieren. Andererseits diente sie der ideologischen Mobilisierung dieser Gruppen für die nationalsozialistische Weltanschauung und die Vorbereitung auf einen neuen Krieg. Die Organisation propagierte den “Frontgeist” und den Opfermythos, um die Gesellschaft auf künftige militärische Auseinandersetzungen einzustimmen.
Der Badische Frontsoldaten- und Kriegsopfer-Ehrentag in Freiburg 1936 fand in einer Phase statt, in der das NS-Regime seine Macht bereits konsolidiert hatte und zunehmend aggressiver nach außen auftrat. Das Jahr 1936 war geprägt von der Remilitarisierung des Rheinlands im März und den Olympischen Spielen in Berlin im Sommer, bei denen das Regime sich international zu präsentieren suchte.
Solche regionalen Ehrentage waren zentrale Elemente der NS-Propaganda und Selbstdarstellung. Sie dienten der Demonstration von Stärke, der Mobilisierung der Bevölkerung und der Ehrung der “alten Kämpfer”. Die Veranstaltungen umfassten typischerweise Aufmärsche, Kranzniederlegungen, Propagandareden und gesellige Zusammenkünfte. Die Teilnehmer erhielten als Andenken und zur Legitimation ihrer Teilnahme solche Abzeichen, die gleichzeitig als Erkennungszeichen und Eintrittsberechtigung dienten.
Das Material Aluminium war in den 1930er Jahren für solche Massenabzeichen üblich. Es war kostengünstig, leicht zu bearbeiten und korrosionsbeständig. Die Abzeichen wurden in großen Stückzahlen hergestellt und an die Teilnehmer ausgegeben oder verkauft. Für viele Träger symbolisierten sie Zugehörigkeit zur “Volksgemeinschaft” und Anerkennung ihrer Kriegsdienste.
Die Stadt Freiburg im Breisgau hatte als traditionsreiche Universitäts- und ehemalige Garnisonstadt eine besondere Bedeutung für militärische Veranstaltungen. Baden als Region hatte im Ersten Weltkrieg erhebliche Opfer gebracht, und die Erinnerung an die Gefallenen wurde vom NS-Regime für seine Zwecke instrumentalisiert.
Die NSKOV-Ehrentage dienten auch der Vorbereitung der psychologischen Mobilmachung für den kommenden Krieg. Durch die Glorifizierung des Fronterlebnisses und die Heroisierung der Kriegsteilnehmer sollte eine positive Einstellung zum Militärischen in der Gesellschaft verankert werden. Die Integration der Kriegsversehrten in diese Veranstaltungen sollte demonstrieren, dass selbst schwerste Opfer für das “Vaterland” ehrenvoll und erstrebenswert seien.
Nach 1945 wurden die NSKOV und alle ihre Symbole verboten. Die Abzeichen wurden zu Sammlerobjekten und historischen Quellen, die heute die Propaganda- und Mobilisierungsstrategien des NS-Regimes dokumentieren. Sie erinnern an die systematische Instrumentalisierung von Kriegsopfern für politische und militaristische Zwecke.
Für die militärhistorische Forschung sind solche Abzeichen wichtige Zeugnisse der nationalsozialistischen Erinnerungskultur und Veteranenpolitik. Sie zeigen, wie das Regime die Erfahrungen des Ersten Weltkriegs für seine Zwecke umzudeuten versuchte und wie es durch Massenveranstaltungen und symbolische Gegenstände gesellschaftliche Integration und ideologische Indoktrination betrieb.