Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ( NSDAP ) - Mitgliedsabzeichen
Das NSDAP-Mitgliedsabzeichen (Parteiabzeichen) gehört zu den bekanntesten politischen Hoheitszeichen des Dritten Reiches und wurde von Millionen Mitgliedern der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei getragen. Dieses spezielle Exemplar trägt die Herstellermarkierung RZM M1/72, die es eindeutig einem autorisierten Produzenten innerhalb des staatlich kontrollierten Systems zuordnet.
Die NSDAP wurde 1920 gegründet und entwickelte sich unter Adolf Hitler zur alleinherrschenden Partei in Deutschland. Das Parteiabzeichen wurde offiziell am 20. Mai 1920 eingeführt und basierte auf einem Entwurf, der das charakteristische Hakenkreuz als zentrales Symbol verwendete. Das Abzeichen bestand aus einem roten emaillierten Kreis mit weißem Zentrum, in dem sich das schwarze Hakenkreuz befand – eine direkte Übertragung der Parteifahne in tragbare Form.
Die Reichszeugmeisterei (RZM) wurde 1929 unter der Leitung von Franz Xaver Schwarz, dem Reichsschatzmeister der NSDAP, gegründet. Diese Organisation hatte die zentrale Aufgabe, sämtliche Uniformen, Abzeichen und Ausrüstungsgegenstände der Partei und ihrer Gliederungen zu standardisieren und deren Herstellung zu kontrollieren. Das RZM-System sollte sowohl die Qualität sicherstellen als auch unautorisierten Nachbildungen vorbeugen und gleichzeitig eine Einnahmequelle für die Partei darstellen.
Die Herstellercodierung M1/72 folgt dem systematischen RZM-Kennzeichnungssystem. Der Buchstabe “M” steht für “Metall” und kennzeichnet Metallabzeichen, während die Zahl “1” die Kategorie der Parteiabzeichen bezeichnet. Die Zahl “72” identifiziert den spezifischen Hersteller innerhalb des RZM-Verzeichnisses. Dieses Codesystem ermöglichte eine lückenlose Nachverfolgung der Produktion und verhinderte Fälschungen, die besonders bei der wachsenden Mitgliederzahl problematisch geworden wären.
Die emaillierte Ausführung des Abzeichens war technisch aufwendiger als einfache gestanzte Versionen. Der Emaillierprozess erforderte spezialisierte Handwerkskunst: Das Grundmetall wurde gestanzt, dann wurden die Vertiefungen mit farbigem Emaillepulver gefüllt und bei hohen Temperaturen gebrannt. Dieser Prozess musste oft mehrfach wiederholt werden, um die charakteristische glatte, glänzende Oberfläche und die intensiven Farben zu erzielen. Die Qualität der Emaillierung variierte je nach Hersteller und Produktionsperiode, wobei frühere Stücke oft eine höhere handwerkliche Qualität aufwiesen.
Das Tragen des Parteiabzeichens war für NSDAP-Mitglieder in der Öffentlichkeit Pflicht, besonders nach der Machtergreifung 1933. Es wurde typischerweise am linken Revers getragen und demonstrierte die politische Zugehörigkeit des Trägers. Die Nadelbefestigung auf der Rückseite ermöglichte ein einfaches Anbringen an Zivilkleidung. Nach verschiedenen Parteibestimmungen durfte das Abzeichen nur von eingetragenen Mitgliedern getragen werden, und der Missbrauch konnte strafrechtlich verfolgt werden.
Die Mitgliedschaft in der NSDAP wuchs von etwa 27.000 im Jahr 1925 nach der Neugründung auf über 8,5 Millionen im Jahr 1945. Dies führte zu einer massiven Produktion von Parteiabzeichen durch zahlreiche autorisierte Hersteller im gesamten Reichsgebiet. Die Qualität und Ausführung variierten entsprechend, wobei frühe Stücke aus der “Kampfzeit” (vor 1933) heute als besonders bedeutsam für Sammler gelten.
Nach dem Zweiten Weltkrieg verbot das Kontrollratsgesetz Nr. 1 vom 20. September 1945 die NSDAP und alle ihre Gliederungen. Das öffentliche Zeigen von Parteiabzeichen wurde untersagt. In Deutschland regelt heute das Strafgesetzbuch (§ 86a) das Verbot der Verwendung von Kennzeichen verfassungswidriger Organisationen, wobei Ausnahmen für historische, wissenschaftliche und aufklärerische Zwecke bestehen.
Heute besitzen solche Abzeichen ausschließlich historischen Dokumentationswert. Sie werden in Museen, Archiven und wissenschaftlichen Sammlungen verwahrt und dienen der historischen Forschung und Aufklärung über die Zeit des Nationalsozialismus. Die Beschäftigung mit solchen Objekten erfordert stets eine kritische historische Einordnung und dient dem Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft, der Propaganda und der Massenorganisation in der NS-Zeit.