Preußen Schirmmütze für einen Offizier der Feuerwehr

Um 1900. Hohe Schirmmütze aus blauem Stoff mit karmesinroten Vorstößen und blauem Mützenbund, vorne die preußische  Kokarde für Offiziere, darüber der gekrönte preußische Beamtenschild,  schwarzer Mützenschirm aus Vulkanfiber. Innen mit braunem Lederschweißband und dunkelblaues Futter mit Herstelleretikett. Größe ca. 55. Leicht getragen. Zustand 2.
Nur selten zu finden.
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450,00

Preußische Schirmmütze für einen Offizier der Feuerwehr – Ein seltenes Zeugnis des Kaiserreichs

Die hier vorgestellte preußische Schirmmütze für einen Offizier der Feuerwehr aus der Zeit um 1900 ist ein außergewöhnlich seltenes Sammlerstück, das in eindrucksvoller Weise die Verbindung zwischen militärischer Tradition, staatlicher Beamtenkultur und dem öffentlichen Dienst im Deutschen Kaiserreich widerspiegelt. Als Teil der Dienstuniform preußischer Feuerwehroffiziere verkörpert dieses Stück eine Epoche, in der uniformierte Staatsdiener eine sichtbare und repräsentative Rolle im öffentlichen Leben spielten.

Das Feuerwehrwesen im preußischen Kaiserreich

Die preußischen Feuerwehruniformen entwickelten sich im Laufe des 19. Jahrhunderts aus militärischen Vorbildern. Diese Anlehnung an militärische Muster war kein Zufall, sondern Ausdruck des besonderen Status, den Feuerwehroffiziere in Preußen innehatten: Sie waren Beamte des Staates und trugen Uniformen, die zwar an militärische Schnitte angelehnt waren, sich aber durch dienstspezifische Abzeichen und Farbgebung von den eigentlichen Streitkräften unterschieden.

Die Standarduniform der preußischen Feuerwehr bestand aus einem blauen Uniformrock mit schwarzem Kragen und Aufschlägen sowie der charakteristischen karmesinroten Biese (Vorstöße). Diese Farbkombination war das Erkennungszeichen der preußischen Feuerwehrdienste und verlieh den Trägern ein paramilitärisches Erscheinungsbild, das ihrem zivilen Beamtenstatus angemessen war. Die Zeit um 1900 stellte den Höhepunkt des Kaiserreichs dar, und uniformierte Zivilbeamte – einschließlich der Feuerwehroffiziere – waren fester Bestandteil des öffentlichen Lebens in Preußen.

Die Schirmmütze als Rangabzeichen

Die Schirmmütze (Visor Cap) war ursprünglich zu Beginn des 19. Jahrhunderts ausschließlich Offizieren vorbehalten gewesen, bevor sie sich als allgemeine Kopfbedeckung durchsetzte. Das vorliegende Exemplar zeigt die für die Zeit um 1900 typische hohe Form, die diesem Mützentyp sein markantes, aufrechtes Profil verleiht.

Die Mütze ist aus blauem Stoff gefertigt und weist karmesinrote Vorstöße sowie einen blauen Mützenbund auf – die klassische Farbkombination der preußischen Feuerwehr in der Kaiserzeit. Der schwarze Mützenschirm aus Vulkanfiber ergänzt das Gesamtbild. Im Inneren finden sich ein braunes Lederschweißband und ein dunkelblaues Futter mit Herstelleretikett.

Besonders bemerkenswert sind die Abzeichen an der Vorderseite: Die preußische Kokarde für Offiziere sitzt mittig an der Front, darüber befindet sich der gekrönte preußische Beamtenschild. Letzterer ist von besonderer Bedeutung, denn er identifizierte den Träger unmissverständlich als Staatsbeamten. Das vorliegende Stück repräsentiert die Offiziersausführung, die sich von der Mannschaftsversion durch die offiziersübliche Kokarde und die hochwertigere Verarbeitung unterschied.

Organisation und Beschaffung

Die preußischen Feuerwehren waren auf kommunaler und provinzialer Ebene organisiert. Die Offiziere bekleideten häufig professionelle Positionen innerhalb dieser Strukturen. Die Beschaffung der Mützen erfolgte durch die einzelnen Gemeinden und Feuerwehrbrigaden gemäß den preußischen Vorschriften, wobei verschiedene kommerzielle Hersteller die Produktion übernahmen. Das im Inneren dieser Mütze vorhandene Herstelleretikett bezeugt diese gewerbliche Fertigung.

Verwendung und Tragepraxis

Die Schirmmütze war Bestandteil sowohl der Dienst- als auch der Paradeuniform preußischer Feuerwehroffiziere. Sie wurde bei offiziellen Dienstverrichtungen, Paraden und zeremoniellen Anlässen getragen. Die Mütze war damit ein alltäglicher Begleiter des Feuerwehroffiziers und zugleich Ausdruck seines gesellschaftlichen Rangs und seiner Autorität als Staatsbeamter.

Das Ende einer Epoche

Mit dem Ende des Ersten Weltkriegs und dem Sturz der Monarchie 1918 endete auch die Ära der monarchistischen Insignien. Die preußischen Feuerwehruniformen wurden während der Weimarer Republik (1919–1933) schrittweise ersetzt. Der gekrönte Beamtenschild und andere monarchistische Abzeichen wurden abgeschafft. In der Weimarer Zeit wurden neue Feuerwehrvorschriften eingeführt, darunter auch neue Abzeichen und Auszeichnungen, wie etwa das 1922 gestiftete Preußische Landesfeuerwehr-Ehrenzeichen. Die traditionellen blauen Uniformen blieben mit Modifikationen weiterhin in Gebrauch, bis sie in den 1930er Jahren unter dem nationalsozialistischen Regime vereinheitlicht wurden.

Bedeutung für Sammler

Diese Schirmmütze ist ein äußerst seltenes Sammlerstück, wie bereits in der Objektbeschreibung betont wird. Ihre Seltenheit erklärt sich aus der begrenzten Zahl preußischer Feuerwehroffiziere, dem über ein Jahrhundert hinweg natürlichen Schwund solcher Stücke und dem Umstand, dass nach 1918 monarchistische Uniformteile häufig entsorgt oder umgearbeitet wurden. Als authentisches Zeugnis der preußischen Beamtenkultur und des Feuerwehrwesens im Kaiserreich bietet dieses Stück einen faszinierenden Einblick in eine Welt, in der staatliche Ordnung, militärische Formen und ziviler Dienst untrennbar miteinander verwoben waren.