Reichskriegerbund - 2. Reichskriegertag d.D.R.K.B.K. Berlin 2.-3.10.1927
Das vorliegende Blechabzeichen dokumentiert den 2. Reichskriegertag des Deutschen Reichskriegerbundes Kyffhäuser (D.R.K.B.K.), der am 2. und 3. Oktober 1927 in Berlin stattfand. Als von der Firma Rob. Neff Berlin W 30 hergestelltes Teilnehmerabzeichen repräsentiert es eine bedeutende Phase der deutschen Veteranenorganisation in der Weimarer Republik.
Der Kyffhäuserbund, wie er auch genannt wurde, entstand 1900 aus dem Zusammenschluss verschiedener deutscher Kriegervereine und entwickelte sich zur größten Veteranenorganisation des Deutschen Reiches. Nach dem Ersten Weltkrieg musste sich der Bund den neuen politischen Realitäten der Weimarer Republik anpassen. Die Reichskriegertage waren zentrale Veranstaltungen, die der Pflege der Kameradschaft, dem Gedenken an die Gefallenen und der Demonstration der organisatorischen Stärke dienten.
Der 2. Reichskriegertag von 1927 fand in einem politisch aufgeladenen Klima statt. Die Weimarer Republik befand sich in einer Phase relativer Stabilisierung, doch die Veteranenverbände bewegten sich in einem Spannungsfeld zwischen republikanischer Loyalität und monarchistischer Nostalgie. Mit mehreren Millionen Mitgliedern stellte der Kyffhäuserbund eine bedeutende gesellschaftliche Kraft dar, die von verschiedenen politischen Lagern umworben wurde.
Derartige Abzeichen erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten als Teilnahmenachweis, als Erinnerungsstück und als sichtbares Zeichen der Zugehörigkeit zur Veteranengemeinschaft. Die Herstellung durch spezialisierte Firmen wie Rob. Neff in Berlin-Schöneberg (W 30 bezeichnete den Postbezirk) zeugt von der professionalisierten Organisation solcher Großveranstaltungen. Die Firma Neff gehörte zu den etablierten Herstellern von Orden, Ehrenzeichen und Vereinsabzeichen in der Weimarer Zeit.
Technisch handelt es sich um ein Blechabzeichen mit Nadelhalterung, eine typische und kostengünstige Produktionsweise für Massenveranstaltungen. Die Gestaltung solcher Abzeichen folgte oft traditionellen militärischen Motiven und inkorporierte häufig patriotische Symbolik, Reichsadler oder Bezüge zum Kyffhäuser-Denkmal, dem Namensgeber des Bundes.
Die Reichskriegertage umfassten üblicherweise Festumzüge, Gedenkveranstaltungen, Kranzniederlegungen und Versammlungen. Sie waren pompöse Manifestationen mit Zehntausenden Teilnehmern, die das öffentliche Bild prägten. Der Berliner Reichskriegertag von 1927 fiel in eine Zeit, in der die Reichshauptstadt Schauplatz zahlreicher politischer Demonstrationen unterschiedlichster Couleur war.
Historisch bedeutsam ist die Rolle des Kyffhäuserbundes im Übergang zur NS-Zeit. Obwohl ursprünglich überparteilich konzipiert, wurde die Organisation nach 1933 gleichgeschaltet und in die nationalsozialistische Organisationsstruktur eingegliedert. Die Abzeichen und Memorabilien aus der Weimarer Zeit dokumentieren somit eine Übergangsepoche der deutschen Militärgeschichte.
Für Sammler und Historiker bieten solche Objekte wichtige Einblicke in die Veteranenkultur der Zwischenkriegszeit. Sie zeigen die Kontinuität militärischer Traditionsbildung über politische Systembrüche hinweg und illustrieren die materielle Kultur paramilitärischer Organisationen. Die Erhaltung und Dokumentation solcher Zeitzeugnisse trägt zum Verständnis der komplexen gesellschaftlichen Dynamiken der Weimarer Republik bei.