Württemberg Säbel für Infanterie Offiziere M 1817 .
Klingenlänge etwa 770mm
Gesamtlänge etwa 910mm
Der württembergische Infanterieoffizierssäbel Modell 1817 repräsentiert eine bedeutende Epoche in der militärischen Ausrüstungsgeschichte des Königreichs Württemberg im frühen 19. Jahrhundert. Nach den napoleonischen Kriegen und dem Wiener Kongress von 1815 befanden sich die deutschen Staaten in einer Phase militärischer Reorganisation und Modernisierung, die auch eine Standardisierung der Offiziersbewaffnung mit sich brachte.
Das Modell 1817 wurde im Rahmen umfassender Heeresreformen eingeführt, die das württembergische Kriegsministerium nach den Erfahrungen der napoleonischen Kriege durchführte. Die leicht gekrümmte Klingenform war ein Kompromiss zwischen der traditionellen geraden Infanteriewaffe und den praktischen Erfordernissen des Nahkampfes. Mit einer Klingenlänge von etwa 770 mm und einer Gesamtlänge von circa 910 mm entsprach dieser Säbel den zeitgenössischen Standards für Infanterieoffiziere.
Die Klinge trägt das Herstellerzeichen “Knecht” aus Solingen, was auf die enge Verbindung zwischen württembergischen Militärbehörden und den renommierten Klingenschmieden im bergischen Raum hinweist. Solingen hatte sich seit dem Mittelalter als europäisches Zentrum der Klingenherstellung etabliert und belieferte im 19. Jahrhundert zahlreiche deutsche und europäische Armeen. Die Firma Knecht gehörte zu den angesehenen Solinger Manufakturen, die für ihre Qualitätsarbeit bekannt waren.
Das Stahlgefäß mit einfachem Parierbügel und angeschraubtem zweiten Nebenbügel zeigt die funktionale Gestaltung dieser Waffe. Der zusätzliche Nebenbügel bot dem Offizier im Gefecht zusätzlichen Handschutz, während die schlichte Ausführung die praktische Orientierung der württembergischen Militärverwaltung widerspiegelte. Das einteilige Griffstück aus schwarzem Holz war robust und kostengünstig in der Herstellung, gleichzeitig aber zweckmäßig und langlebig.
Die schwarze Lederscheide mit Stahlbeschlägen entspricht der typischen Machart württembergischer Militärscheiden dieser Periode. Das Mundblech mit dem charakteristischen Trageknopf in Eichelform ist ein typisches Merkmal deutscher Säbel des frühen 19. Jahrhunderts. Die Eichel hatte symbolische Bedeutung und verwies auf Stärke und Beständigkeit. Die seitliche Aufhängung ermöglichte das Tragen des Säbels am Wehrgehänge, wobei der fehlende Tragering auf die intensive Nutzung oder spätere Beschädigung hinweist.
Das Königreich Württemberg war im Deutschen Bund eine mittlere Macht mit einer stehenden Armee von etwa 10.000 bis 15.000 Mann in Friedenszeiten. Die Offiziere stammten überwiegend aus dem Adel oder dem gehobenen Bürgertum und waren verpflichtet, ihre Ausrüstung, einschließlich des Säbels, selbst zu beschaffen, wobei sie sich an vorgeschriebene Muster halten mussten. Der Offizierssäbel war dabei nicht nur Waffe, sondern auch Standesabzeichen und Symbol militärischer Autorität.
In der militärischen Praxis der 1820er bis 1840er Jahre diente der Infanterieoffizierssäbel primär als Kommandoinstrument und Verteidigungswaffe. Mit ihm führte der Offizier seine Befehle aus, dirigierte Truppenbewegungen und konnte im Nahkampf seine Person verteidigen. Die taktische Bedeutung von Blankwaffen nahm jedoch mit der Verbesserung der Feuerwaffen kontinuierlich ab.
Die Erhaltung dieses Säbels mit seiner originalen Lederscheide ist bemerkenswert, da viele dieser Waffen im Laufe der Zeit ausgemustert, eingeschmolzen oder durch spätere Modelle ersetzt wurden. Die leichten Altersspuren zeugen von der authentischen Überlieferung und unterstreichen den historischen Wert des Objekts als Zeugnis württembergischer Militärgeschichte.
Der württembergische Infanterieoffizierssäbel M 1817 steht exemplarisch für die Militärausrüstung der deutschen Mittelstaaten in der Zeit zwischen Wiener Kongress und den Revolutionen von 1848. Er dokumentiert die Standardisierungsbestrebungen, die handwerkliche Qualität deutscher Waffenproduktion und die militärische Kultur des frühen 19. Jahrhunderts im deutschen Raum.