Kriegsmarine Dolch für Beamte.

Späte Kriegsfertigung, saubere Klinge mit Herstellerstempel von "Original Eickhorn Solingen" und beidseitiger Zierätzung, weißer Zelluloidgriff, intakte Drahtwicklung, vergoldetes Messinggefäß, beulenfreie Blitzscheide, komplett mit dem original Portepee und dem 2-teiligen Gehänge, schwarzes Ripsband mit Samtfutter, die versilberte Beschläge für Marinebeamte aus Buntmetall, dazu der blaue Unterschnallriemen. Getragen, Zustand 2
479925
1.950,00

Kriegsmarine Dolch für Beamte.

Der Kriegsmarine-Dolch für Beamte stellt ein bedeutendes Beispiel der deutschen Marineausrüstung während der Zeit des Nationalsozialismus dar. Dieser spezielle Dolchtyp wurde für Marinebeamte entwickelt, die im zivilen Verwaltungsdienst der Kriegsmarine tätig waren und unterschied sich in mehreren wesentlichen Details von den Dolchen der aktiven Seeoffiziere.

Die Kriegsmarine, die am 1. Juni 1935 offiziell aus der Reichsmarine hervorging, entwickelte ein komplexes System von Uniformen und Ausrüstungsgegenständen, das die verschiedenen Dienstränge und Funktionen innerhalb der Marine widerspiegelte. Der Dolch für Beamte wurde gemäß der Anzugordnung für die Kriegsmarine als Bestandteil der Galauniform für höhere Marineverwaltunsbeamte vorgeschrieben.

Die hier beschriebene späte Kriegsfertigung von Original Eickhorn Solingen ist besonders bemerkenswert. Die Firma Eickhorn, gegründet 1865, zählte zu den renommiertesten Herstellern von Blankwaffen in Deutschland. Das Unternehmen erhielt zahlreiche Aufträge zur Fertigung von militärischen Dolchen und Säbeln. Der Herstellerstempel auf der Klinge diente sowohl zur Qualitätskennzeichnung als auch zur Erfüllung der militärischen Beschaffungsvorschriften.

Die beidseitige Zierätzung der Klinge war typisch für Marine-Dolche und zeigte üblicherweise maritime Motive wie Anker, Tauwerk oder maritime Embleme. Diese Ätzungen wurden in einem aufwendigen chemischen Verfahren aufgebracht und demonstrierten die handwerkliche Qualität der Solinger Klingenproduktion.

Der weiße Zelluloidgriff war ein charakteristisches Merkmal der Marinebeamten-Dolche und unterschied sie deutlich von den Dolchen der Seeoffiziere, die über einen Griff aus weißem Elfenbein oder Bein verfügten. Die Verwendung von Zelluloid, einem frühen Kunststoff, ermöglichte eine kostengünstigere Produktion, besonders in den späteren Kriegsjahren, als Materialknappheit zu Vereinfachungen in der Fertigung führte.

Die Drahtwicklung um den Griff diente sowohl dekorativen als auch praktischen Zwecken. Sie verbesserte den Halt und war typischerweise aus versilbertem oder vergoldetem Metalldraht gefertigt. Das vergoldete Messinggefäß mit seinen charakteristischen Komponenten - Parierstange und Knauf - folgte den vorgeschriebenen Designrichtlinien der Kriegsmarine.

Die Blitzscheide, so genannt wegen ihrer charakteristischen Form, die an einen stilisierten Blitz erinnerte, war aus Metall gefertigt und mit einem Lederbezug versehen. Die Scheide schützte die Klinge und war integraler Bestandteil des Gesamtensembles. Die versilberten Beschläge aus Buntmetall waren spezifisch für Marinebeamte vorgeschrieben und unterschieden sich von den vergoldeten Beschlägen der Seeoffiziere.

Das Portepee und das zweiteilige Gehänge waren wesentliche Bestandteile der Trageweise. Das Portepee, eine dekorative Schlaufe mit Quaste, diente zur Kennzeichnung des Rangs und der Zugehörigkeit. Das schwarze Ripsband mit Samtfutter war charakteristisch für Marineangehörige. Der blaue Unterschnallriemen komplettierte die Tragevorrichtung und ermöglichte das Befestigen des Dolches am Koppel.

Die Unterscheidung zwischen verschiedenen Dienstgraden und Funktionen durch spezifische Details der Ausrüstung war im deutschen Militärwesen traditionell von großer Bedeutung. Marinebeamte waren Zivilbeamte im Marinedienst, die administrative, technische oder medizinische Funktionen ausübten. Ihre Dolche spiegelten ihren besonderen Status wider - sie waren Teil der Marine, aber keine aktiven Seeoffiziere.

Die späte Kriegsfertigung ist an bestimmten Merkmalen erkennbar. Ab 1943 führten Materialknappheit und die Konzentration der Produktion auf kriegswichtige Güter zu Vereinfachungen und Qualitätsminderungen bei zeremoniellen Ausrüstungsgegenständen. Dennoch behielten die renommierten Hersteller wie Eickhorn ihre grundlegenden Qualitätsstandards bei.

Heute sind solche Dolche bedeutende militärhistorische Sammlungsobjekte, die Einblick in die Organisationsstruktur, Hierarchie und materielle Kultur der Kriegsmarine geben. Sie dokumentieren nicht nur militärische Traditionen, sondern auch die handwerkliche Kunstfertigkeit der deutschen Klingenproduktion in Solingen, einem Zentrum der Schneidwarenindustrie mit jahrhundertelanger Tradition.

Der Erhaltungszustand “Zustand 2” nach dem in Sammlerkreisen üblichen Bewertungssystem deutet auf ein getragenes, aber gut erhaltenes Exemplar hin, bei dem alle wesentlichen Komponenten vorhanden und funktionsfähig sind, was für ein über 75 Jahre altes militärisches Ausrüstungsstück bemerkenswert ist.