Luftwaffe Innenfutter für den schweren Ledermantel für Offiziere

Aus schwarzen Filz und graublauen Tuch, innen im Nacken mit Herstelleretikett "Verkaufsabteilung der Luftwaffe" und in der Seitentasche mit Trägeretikett "Trepte, Radebeul". Gesamtlänge ca. 135 cm, Brustumfang ca. 110 cm. Zustand 2.
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200,00

Luftwaffe Innenfutter für den schweren Ledermantel für Offiziere

Das Innenfutter für den schweren Ledermantel der Luftwaffen-Offiziere

Der hier beschriebene Gegenstand repräsentiert ein wichtiges, aber oft übersehenes Element der militärischen Ausrüstung der deutschen Luftwaffe während des Zweiten Weltkriegs: das Innenfutter für den schweren Ledermantel der Offiziere. Diese Ausstattung war nicht nur funktional, sondern spiegelte auch die organisatorische Struktur und Versorgungssysteme der Luftwaffe wider.

Der schwere Ledermantel war ein charakteristisches Kleidungsstück der Luftwaffenoffiziere und wurde besonders von Flugzeugbesatzungen getragen. In der kalten Umgebung hochfliegender Flugzeuge, wo die Temperaturen weit unter den Gefrierpunkt fallen konnten, war warme Bekleidung überlebenswichtig. Der Ledermantel mit seinem herausnehmbaren Innenfutter bot eine flexible Lösung für unterschiedliche Witterungsbedingungen und Einsatzzwecke.

Die Konstruktion aus schwarzem Filz und graublauen Tuch folgte den präzisen Vorgaben der Luftwaffe für Offiziersausrüstung. Das graublau (offiziell als “fliegerblau” bezeichnet) war die charakteristische Farbe der Luftwaffe und unterschied sie von Heer und Marine. Die Verwendung von Filz war sowohl praktisch als auch ökonomisch sinnvoll, da dieses Material hervorragende isolierende Eigenschaften besaß und gleichzeitig relativ leicht war.

Besonders interessant ist das Herstelleretikett der Verkaufsabteilung der Luftwaffe. Die Luftwaffe unterhielt ein eigenes Beschaffungs- und Verteilungssystem für Uniformen und Ausrüstung. Die Verkaufsabteilung war Teil dieses Systems und stellte sicher, dass Offiziere die standardisierten Ausrüstungsgegenstände erwerben konnten. Im Gegensatz zu Mannschaftsdienstgraden, die ihre Ausrüstung zugeteilt bekamen, mussten Offiziere ihre Uniformen und Mäntel oft selbst erwerben, wobei sie Zuschüsse erhielten.

Das Trägeretikett “Trepte, Radebeul” gibt uns Aufschluss über den ursprünglichen Besitzer. Radebeul ist eine Stadt in Sachsen, nahe Dresden gelegen. Die Personalisierung von Ausrüstungsgegenständen war üblich und half bei der Identifizierung und Verwaltung persönlicher Gegenstände, besonders in militärischen Einrichtungen wie Kasinogarderober oder bei Stationierungen.

Die Dimensionen des Futters – eine Gesamtlänge von circa 135 cm und ein Brustumfang von etwa 110 cm – verdeutlichen, dass es sich um einen großzügig geschnittenen Mantel handelte. Diese Größe ermöglichte es, das Futter über der regulären Uniform und möglicherweise über zusätzlichen Schichten zu tragen. Die Länge bis etwa zur Wade bot maximalen Schutz gegen Kälte und Wind, was besonders für Bodenpersonal auf Flugplätzen wichtig war.

Die Herstellung solcher Ausrüstungsgegenstände war während des Krieges zunehmend von Materialmangel betroffen. Leder wurde knapp, und die Qualität der Ersatzmaterialien variierte. Das Innenfutter konnte jedoch relativ einfach aus heimischen Materialien hergestellt werden, was seine Verfügbarkeit auch in späteren Kriegsjahren sicherte.

Die Organisation der Luftwaffenversorgung war komplex und umfasste zahlreiche Zulieferer und Hersteller im gesamten Deutschen Reich. Die zentrale Kontrolle durch die Verkaufsabteilung gewährleistete theoretisch einheitliche Standards, obwohl in der Praxis regionale Unterschiede und kriegsbedingte Improvisationen üblich waren.

Nach Kriegsende wurden viele dieser Ausrüstungsgegenstände von alliierten Truppen als Souvenirs mitgenommen oder gelangten auf andere Weise in private Sammlungen. Das Überleben eines solchen Innenfutters über fast acht Jahrzehnte ist bemerkenswert, da textile Gegenstände besonders anfällig für Verschleiß, Motten und andere Schäden sind.

Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse der Militärgeschichte und der Materialkultur des Zweiten Weltkriegs. Sie dokumentieren nicht nur die technischen Aspekte militärischer Bekleidung, sondern auch die logistischen Herausforderungen, die industrielle Organisation und die alltäglichen Realitäten des Militärdienstes. Für Sammler und Historiker bieten die Etiketten und Markierungen wertvolle Informationen über Herstellung, Vertrieb und individuelle Verwendung.