Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Generaloberst Dr. von Hindenburg vernichtet die russische Narew-Armee bei den Masurischen Seen - 26 bis 28 August 1914"

Um 1914. Seide, Länge ca. 39,5 cm. Zustand 2.

Die Vivat-Bänder wurden im 1. Weltkrieg zu vielen militärischen Siegen hergestellt, der Erlös aus dem Verkauf ging an das Rote Kreuz.
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Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Generaloberst Dr. von Hindenburg vernichtet die russische Narew-Armee bei den Masurischen Seen - 26 bis 28 August 1914"

Dieses seidene Lesezeichen aus der Zeit des Ersten Weltkriegs gehört zur bedeutenden Tradition der Vivat-Bänder, die zwischen 1914 und 1918 im Deutschen Kaiserreich hergestellt wurden. Das etwa 39,5 cm lange Band erinnert an einen der wichtigsten deutschen Siege der Anfangsphase des Krieges: die Schlacht bei Tannenberg und die anschließenden Kämpfe an den Masurischen Seen vom 26. bis 28. August 1914.

Die Inschrift würdigt Generaloberst Paul von Hindenburg, der durch diesen militärischen Erfolg zu einer der bekanntesten Persönlichkeiten des Deutschen Kaiserreichs aufstieg. Die Bezeichnung “Dr. von Hindenburg” verweist auf seinen Ehrendoktortitel. Der Sieg über die russische Narew-Armee unter General Paul von Rennenkampf und die gleichzeitige Niederlage der russischen Armee unter General Alexander Samsonow markierten einen entscheidenden Wendepunkt im Ostfeldzug.

Historischer Hintergrund der Schlacht

Im August 1914 drangen zwei russische Armeen schneller als erwartet in Ostpreußen ein. Die militärische Lage erschien zunächst bedrohlich für das Deutsche Reich, das den Großteil seiner Streitkräfte im Westen gegen Frankreich eingesetzt hatte. Die 8. Armee unter zunächst Generaloberst von Prittwitz schien überfordert. Kaiser Wilhelm II. ernannte daraufhin den aus dem Ruhestand zurückgeholten Paul von Hindenburg zum neuen Kommandeur, mit Erich Ludendorff als Stabschef.

Die Schlacht bei Tannenberg (26.-30. August 1914) endete mit der nahezu vollständigen Vernichtung der russischen 2. Armee unter Samsonow. Unmittelbar danach, in der Ersten Schlacht an den Masurischen Seen (7.-14. September 1914), wurde auch die russische 1. Armee unter Rennenkampf, hier als “Narew-Armee” bezeichnet, geschlagen und aus Ostpreußen vertrieben.

Vivat-Bänder als Phänomen des Ersten Weltkriegs

Die Vivat-Bänder (von lateinisch “vivat” = es lebe) stellten eine besondere Form der Kriegspropaganda und des patriotischen Gedenkens dar. Diese meist aus Seide gefertigten Bänder wurden in großer Zahl produziert und verkauft. Sie dienten mehreren Zwecken: Sie waren Erinnerungsstücke, Propagandamittel und zugleich Instrumente der Kriegsfinanzierung. Der Erlös aus dem Verkauf ging typischerweise an wohltätige Organisationen, insbesondere an das Rote Kreuz, um die Versorgung verwundeter Soldaten zu unterstützen.

Die Bänder wurden zu verschiedenen Anlässen hergestellt: militärische Siege, Geburtstage von Herrschern und Feldherren, Jahrestage bedeutender Schlachten oder zur Ehrung einzelner Regimenter. Sie trugen Portraits von Kaisern, Königen, Generälen und Admirälen, militärische Symbole, patriotische Sprüche und Darstellungen von Kriegsschauplätzen.

Herstellung und Verbreitung

Die Produktion dieser Seidenbänder erfolgte in spezialisierten Manufakturen, vor allem in Krefeld, Wuppertal und anderen Zentren der deutschen Textilindustrie. Die Seide wurde im Jacquard-Verfahren gewebt, das komplexe Muster und Schriftzüge ermöglichte. Die Farbgebung war oft mehrfarbig und beinhaltete die deutschen Reichsfarben Schwarz-Weiß-Rot sowie die Farben einzelner deutscher Bundesstaaten.

Die Bänder wurden als Lesezeichen verwendet, aber auch in Bücher eingeklebt, gerahmt oder in Alben gesammelt. Sie waren ein wichtiges Element der Heimatfront-Kultur und dienten der Aufrechterhaltung der Moral in der Zivilbevölkerung. Durch den Kauf dieser Artikel konnten sich Menschen, die nicht an der Front kämpften, mit der Kriegsanstrengung identifizieren und einen konkreten Beitrag leisten.

Paul von Hindenburg – Vom General zur Legende

Der Sieg an den Masurischen Seen machte Hindenburg quasi über Nacht zum Nationalhelden. Seine Popularität überstieg bald sogar die des Kaisers. Die Propaganda nutzte seinen Erfolg intensiv, und sein Konterfei erschien auf zahllosen Gegenständen – von Postkarten über Tassen bis eben zu Vivat-Bändern. 1916 wurde er zum Chef der Obersten Heeresleitung ernannt und faktisch zum militärischen Diktator des Deutschen Reichs. Nach dem Krieg wurde er 1925 zum Reichspräsidenten der Weimarer Republik gewählt.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Heute sind Vivat-Bänder begehrte Sammlerobjekte, die einen authentischen Einblick in die Mentalitätsgeschichte des Ersten Weltkriegs bieten. Sie dokumentieren, wie militärische Erfolge propagandistisch verwertet wurden und wie die Heimatfront mobilisiert wurde. Der Zustand dieser textilen Objekte ist für ihren Wert entscheidend; Seide ist ein empfindliches Material, das durch Licht, Feuchtigkeit und mechanische Beanspruchung leidet. Ein Zustand 2 (nach gängiger Sammlerskala von 1-6, wobei 1 neuwertig ist) deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit nur geringen Gebrauchsspuren hin.

Diese Lesezeichen sind wichtige Quellen für die Erforschung der Alltagskultur im Ersten Weltkrieg, der visuellen Propaganda und der Verehrung militärischer Führer. Sie zeigen, wie der moderne Massenkrieg auch eine Mobilisierung der gesamten Gesellschaft bedeutete und wie kommerzielle Interessen, patriotische Gefühle und wohltätige Zwecke miteinander verflochten waren.