Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Vivat die schlesische Landwehr und ihr Generaloberst v. Woyrsch"

Um 1914 Seide, Länge ca. 40 cm. Zustand 2.

Die Vivat-Bänder wurden im 1. Weltkrieg zu vielen militärischen Siegen hergestellt, der Erlös aus dem Verkauf ging an das Rote Kreuz.
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45,00

Preußen 1. Weltkrieg Patriotika Lesezeichen "Vivat die schlesische Landwehr und ihr Generaloberst v. Woyrsch"

Das vorliegende Vivat-Band aus dem Ersten Weltkrieg repräsentiert eine faszinierende Facette der deutschen Kriegspatriotikaproduktion zwischen 1914 und 1918. Diese aus Seide gefertigten Bänder, die häufig als Lesezeichen oder dekorative Erinnerungsstücke dienten, wurden zu einem charakteristischen Phänomen der deutschen Heimatfront während des Großen Krieges.

Das konkrete Exemplar ehrt die schlesische Landwehr und ihren Kommandeur Generaloberst Remus von Woyrsch (1847-1920), eine bedeutende militärische Figur des Ersten Weltkriegs. Von Woyrsch, ein preußischer Kavallerieoffizier adliger Herkunft, kommandierte während des Krieges verschiedene Armeeverbände, insbesondere an der Ostfront. Seine Beförderung zum Generaloberst erfolgte 1915, und er führte zeitweise die nach ihm benannte Woyrsch-Armee, die vor allem in den Kämpfen in Polen und an der russischen Front eingesetzt wurde.

Die schlesische Landwehr rekrutierte sich aus der preußischen Provinz Schlesien, einem strategisch wichtigen Gebiet an der Grenze zu Österreich-Ungarn und Russland. Die Landwehr bildete die zweite Linie der preußischen Wehrkraft nach der aktiven Armee und bestand aus älteren Reservisten zwischen 27 und 39 Jahren. Im Ersten Weltkrieg spielten Landwehrverbände eine weitaus aktivere Rolle als ursprünglich vorgesehen und wurden oft direkt an der Front eingesetzt.

Die Produktion von Vivat-Bändern begann unmittelbar nach Kriegsausbruch im August 1914 und erreichte ihren Höhepunkt in den ersten Kriegsjahren. Der Begriff “Vivat” stammt aus dem Lateinischen und bedeutet “es lebe” – ein traditioneller Jubelruf. Diese Bänder wurden in großen Mengen hergestellt, meist von Textilmanufakturen in deutschen Städten, insbesondere in Wuppertal, Krefeld und anderen Zentren der Seidenproduktion.

Die typische Länge dieser Bänder betrug zwischen 35 und 45 Zentimetern, wobei die Breite meist zwischen 4 und 8 Zentimetern lag. Sie wurden in verschiedenen Techniken hergestellt: gewebt, bedruckt oder gestickt. Die hochwertigeren Exemplare, wie das vorliegende aus Seide, zeigten oft aufwendige Webmuster mit eingearbeiteten Porträts, Wappen, militärischen Symbolen und patriotischen Sprüchen.

Ein wesentlicher Aspekt der Vivat-Bänder war ihre wohltätige Funktion. Der Erlös aus dem Verkauf dieser patriotischen Devotionalien floss überwiegend an das Deutsche Rote Kreuz und andere Kriegshilfsorganisationen. Dies verband den persönlichen Patriotismus mit praktischer Unterstützung für verwundete Soldaten und deren Familien. Die Bänder wurden an Sammelstellen, in Geschäften, bei patriotischen Veranstaltungen und durch Frauenvereine verkauft.

Die Motive der Vivat-Bänder spiegelten die Kriegspropaganda und den Zeitgeist wider. Neben Heerführern wie von Woyrsch wurden Kaiser Wilhelm II., Hindenburg, Ludendorff und andere militärische Führer geehrt. Auch bedeutende Schlachten wie Tannenberg (1914), die Eroberung belgischer Festungen oder Siege an verschiedenen Fronten wurden thematisiert. Die frühen Bänder aus 1914 und 1915 zeigten oft triumphalistischen Optimismus, während spätere Exemplare zunehmend defensivere und durchhaltebezogene Botschaften trugen.

Die Verwendung dieser Bänder war vielfältig: als Lesezeichen in Büchern und Gesangbüchern, als Dekoration in Wohnungen, als Andenken in Briefen an die Front oder als Sammelobjekte. Sie dienten der Aufrechterhaltung der Moral an der Heimatfront und schufen eine emotionale Verbindung zwischen Zivilbevölkerung und kämpfenden Truppen.

Nach Kriegsende 1918 verloren diese patriotischen Erinnerungsstücke schnell ihre offizielle Bedeutung. Viele wurden entsorgt oder vergessen, was überlebende Exemplare heute zu gesuchten militärhistorischen Sammlerstücken macht. Sie dokumentieren nicht nur militärische Ereignisse, sondern auch die Mentalitätsgeschichte der deutschen Gesellschaft während des Ersten Weltkriegs.

Aus heutiger historischer Perspektive sind Vivat-Bänder wertvolle Quellen für die Erforschung der Kriegspropaganda, der Alltagskultur im Ersten Weltkrieg und der Mechanismen der Mobilisierung der Zivilgesellschaft für den Krieg. Sie zeigen, wie durch kommerzielle Produkte patriotische Gefühle kanalisiert und gleichzeitig materielle Unterstützung für den Krieg generiert wurde.

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