Württemberg Artillerie Säbel für Offiziere .

Leicht gekrümmte Klinge mit beidseitigen Hohlkehlen, ohne Herstellermarke, schön erhaltene Zierätzung, Messinggefäß mit Parderkopf, auf dem Parierlappen gekreuzte Kanonenrohre, Rochenhautgriff mit intakter Drahtwicklung, brünierte Scheide mit zwei Ringbändern aus Messing, der untere Ring vorschriftsmäßig entfernt, zum Ort hin etwas bestoßen, anhängend das württembergische Offiziersportepee, kommt im hellbraunen Stoff-Futteral, normale Alters- und Gebrauchsspuren. Zustand 2
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980,00

Württemberg Artillerie Säbel für Offiziere .

Der württembergische Artilleriesäbel für Offiziere repräsentiert einen bedeutenden Typus der Blankwaffen des Königreichs Württemberg, der im 19. Jahrhundert bis zum Ende der Monarchie 1918 in Gebrauch war. Als Teil der militärischen Ausrüstung der Artillerieoffiziere des württembergischen Heeres spiegelt dieser Säbel sowohl die technische Entwicklung der Blankwaffenherstellung als auch die spezifischen Traditionen und Identitätsmerkmale der württembergischen Streitkräfte wider.

Historischer Kontext und Entwicklung

Das Königreich Württemberg, das von 1806 bis 1918 Bestand hatte, verfügte über ein eigenständiges Heer, das zwar Teil des Deutschen Bundes und später des Deutschen Kaiserreiches war, aber eigene Uniformen, Rangabzeichen und Bewaffnung beibehielt. Die württembergische Armee war in verschiedene Waffengattungen unterteilt, wobei die Artillerie eine besonders wichtige Rolle einnahm. Die Artillerieoffiziere trugen als Rangabzeichen und Funktionswaffe speziell gestaltete Säbel, die sie von Offizieren anderer Waffengattungen unterschieden.

Die Gestaltung der Offizierssäbel folgte präzisen militärischen Vorschriften, die in den württembergischen Armeeverordnungen niedergelegt waren. Diese Regelungen betrafen nicht nur die funktionalen Aspekte der Waffe, sondern auch ihre dekorativen Elemente, die die Zugehörigkeit zur Artillerie deutlich machten.

Technische Merkmale und Symbolik

Die charakteristische leicht gekrümmte Klinge mit beidseitigen Hohlkehlen entspricht dem typischen Design der Offizierssäbel des 19. Jahrhunderts. Die Hohlkehlen dienten der Gewichtsreduzierung bei gleichzeitiger Beibehaltung der Klingenstabilität. Die Zierätzung auf der Klinge war ein Merkmal von Offizierswaffen und konnte florale Muster, militärische Symbole oder Widmungen enthalten.

Das Messinggefäß mit Parderkopf stellt ein besonders charakteristisches Element dar. Der Parderkopf (auch als Leopardenkopf bezeichnet) war ein traditionelles Motiv auf württembergischen Waffen und verwies auf das württembergische Wappentier. Auf dem Parierlappen befinden sich gekreuzte Kanonenrohre, das universelle militärische Symbol der Artillerie, das diese Waffe eindeutig als Artillerieoffizierssäbel kennzeichnet.

Der Rochenhautgriff (auch Rochenleder oder Galuchat genannt) mit Drahtwicklung war Standard bei hochwertigen Offizierswaffen. Die raue Oberfläche der Rochenhaut bot auch bei Feuchtigkeit sicheren Halt, während die Drahtwicklung zusätzliche Griffsicherheit und Haltbarkeit gewährleistete.

Die Scheide und ihre Trageweise

Die brünierte Scheide mit zwei Ringbändern aus Messing war typisch für Offizierssäbel des 19. Jahrhunderts. Die Brünierung, ein chemisches Verfahren zur Oberflächenbehandlung von Metall, bot Korrosionsschutz und reduzierte unerwünschte Lichtreflexe. Die beiden Ringbänder dienten der Befestigung des Säbels am Bandalier oder Portepee.

Bemerkenswert ist das Detail, dass der untere Ring vorschriftsmäßig entfernt wurde. Dies war eine gängige Praxis bei Offizierssäbeln, die im Alltag oder bei bestimmten Anlässen getragen wurden, wo eine vereinfachte Trageweise gewünscht war. Diese Modifikation erfolgte nach militärischen Vorschriften und war keine Beschädigung, sondern eine reguläre Anpassung.

Das württembergische Offiziersportepee

Das Portepee (von französisch porte-épée, “Schwertträger”) war ein wesentlicher Bestandteil der Offiziersausrüstung. Es handelte sich um eine dekorative Schlaufe mit Troddel, die am Säbelgriff befestigt wurde und sowohl praktische als auch repräsentative Funktionen erfüllte. Das Portepee diente einerseits dazu, den Säbel am Handgelenk zu sichern, andererseits war es ein wichtiges Rangabzeichen. Die Farben, Materialien und Ausführung des Portepees variierten je nach Rang und Waffengattung.

Das württembergische Offiziersportepee folgte eigenen landesspezifischen Gestaltungsrichtlinien, die sich von denen anderer deutscher Staaten unterschieden. Dies unterstreicht die Eigenständigkeit der württembergischen Militärtradition innerhalb des Deutschen Bundes und späteren Kaiserreiches.

Herstellung und Qualität

Württembergische Offizierssäbel wurden sowohl von lokalen Waffenschmieden als auch von renommierten Herstellern aus anderen deutschen Städten wie Solingen produziert. Solingen war seit Jahrhunderten das Zentrum der deutschen Klingenproduktion und belieferte Militärs in ganz Europa. Offiziere erwarben ihre Säbel in der Regel bei spezialisierten Militäreffektenhändlern oder direkt bei Hoflieferanten.

Das Fehlen einer Herstellermarke auf diesem Exemplar ist nicht ungewöhnlich, da nicht alle Hersteller ihre Werke kennzeichneten, besonders wenn es sich um Auftragsarbeiten für das Militär handelte.

Ende einer Ära

Mit dem Ende des Ersten Weltkrieges 1918 und der Abdankung König Wilhelms II. von Württemberg endete auch die Tradition der königlich-württembergischen Armee. Die Monarchie wurde abgeschafft, und Württemberg wurde Teil der Weimarer Republik. Die prächtigen Offizierswaffen verloren ihre militärische Funktion und wurden zu historischen Erinnerungsstücken an eine vergangene Epoche.

Heute sind württembergische Artillerieoffizierssäbel geschätzte Sammlerobjekte, die nicht nur kunsthandwerklich wertvoll sind, sondern auch wichtige Zeugnisse der deutschen Militärgeschichte und der spezifischen württembergischen Identität darstellen.