Die großen Dessauer - Junkers Ju 89, Ju 90, Ju 290, Ju 390,
Das vorliegende Werk “Die großen Dessauer” dokumentiert eine der bedeutendsten deutschen Flugzeugfamilien des Zweiten Weltkriegs und der unmittelbaren Vorkriegszeit. Die 1993 im Aviatic Verlag erschienene Publikation behandelt die technische und operative Geschichte der Junkers-Großflugzeuge Ju 89, Ju 90, Ju 290 und Ju 390.
Der Titel bezieht sich auf die Herkunft dieser Flugzeugfamilie aus den Junkers Flugzeug- und Motorenwerken in Dessau, einer Stadt in Sachsen-Anhalt, die seit den 1920er Jahren zum Zentrum der deutschen Luftfahrtindustrie geworden war. Hugo Junkers hatte dort bereits 1895 sein erstes Forschungslabor etabliert, und die Stadt entwickelte sich zum Synonym für innovative Ganzmetallflugzeuge.
Die Geschichte dieser Flugzeugfamilie beginnt Mitte der 1930er Jahre mit dem Projekt Ju 89, das als strategischer Langstreckenbomber konzipiert wurde. Im Rahmen des “Ural-Bomber”-Programms der Luftwaffe sollte ein viermotoriges Flugzeug entwickelt werden, das in der Lage war, weit entfernte Ziele in der Sowjetunion zu erreichen. Die Entwicklung begann 1935, und der Erstflug erfolgte im Dezember 1936. Das Flugzeug war mit vier Daimler-Benz DB 600-Motoren ausgestattet und verfügte über eine beeindruckende Spannweite von 35 Metern.
Mit dem Tod des Generalstabschefs der Luftwaffe, General Walther Wever, im Juni 1936 verlor das strategische Bomberkonzept jedoch seinen wichtigsten Befürworter. Sein Nachfolger favorisierte die Doktrin des taktischen Bombers zur Unterstützung von Heeresoperationen, was zur Einstellung des Ju 89-Programms 1937 führte. Nur drei Prototypen wurden gebaut.
Aus der Ju 89 entwickelte sich die Ju 90, ein ziviles Verkehrsflugzeug, das die technischen Erkenntnisse des Bomberprojekts nutzte. Die Deutsche Lufthansa zeigte großes Interesse an diesem viermotorigen Langstreckenflugzeug. Der Erstflug fand am 28. August 1937 statt. Die Ju 90 konnte bis zu 40 Passagiere befördern und stellte für ihre Zeit ein hochmodernes Verkehrsflugzeug dar. Zwischen 1938 und 1940 wurden etwa 18 Exemplare gebaut, von denen einige auf prestigeträchtigen Strecken wie Berlin-Wien-Rom eingesetzt wurden.
Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs wandelte sich die Rolle der Ju 90. Mehrere Exemplare wurden von der Luftwaffe requiriert und als Transportflugzeuge eingesetzt. Diese Erfahrungen führten zur Entwicklung der Ju 290, die speziell als militärisches Langstrecken-Transport- und Aufklärungsflugzeug konzipiert wurde.
Die Ju 290 stellte eine erhebliche Weiterentwicklung dar. Mit verstärkter Struktur, vergrößerter Spannweite und leistungsstärkeren BMW 801-Sternmotoren entstand ein vielseitiges Großflugzeug. Die Entwicklung begann 1939, aber Produktionsverzögerungen führten dazu, dass der Erstflug erst 1942 stattfand. Die Ju 290 wurde in verschiedenen Varianten produziert: als Transportflugzeug für Truppen und Fracht, als Seeaufklärer und sogar als schwerer Bomber.
Besonders bedeutsam war die Rolle der Ju 290 bei der Fernaufklärungsgruppe (FAGr) 5, die von Frankreich aus Atlantikpatrouillen durchführte. Diese Flugzeuge waren entscheidend für die Aufklärung alliierter Konvois und konnten Flüge von bis zu 18 Stunden Dauer durchführen. Etwa 65 Exemplare der Ju 290 wurden bis Kriegsende produziert.
Die Ju 390 repräsentierte den Höhepunkt dieser Entwicklungslinie. Als sechsmotoriges Flugzeug mit noch größerer Reichweite konzipiert, sollte sie interkontinentale Missionen ermöglichen. Mit einer Spannweite von 50,30 Metern war sie eines der größten jemals in Deutschland gebauten Flugzeuge. Zwei Prototypen wurden 1943/44 fertiggestellt. Es existieren unbestätigte Berichte über einen Transatlantikflug bis in die Nähe der amerikanischen Küste, die jedoch historisch umstritten bleiben.
Das vorliegende Buch aus dem Aviatic Verlag, einem renommierten Spezialverlag für Luftfahrtgeschichte, bietet mit seinen 260 Seiten und zahlreichen, teilweise farbigen Abbildungen eine umfassende Dokumentation dieser Flugzeugfamilie. Solche Publikationen sind für die Erforschung der deutschen Luftfahrtgeschichte von unschätzbarem Wert, da sie technische Zeichnungen, Fotografien und Dokumentation zusammenführen, die oft aus verschiedenen Archiven stammen.
Die Geschichte der “großen Dessauer” spiegelt die technologische Ambition und die strategischen Wendungen der deutschen Luftrüstung wider. Sie zeigt, wie zivile und militärische Entwicklungen ineinander griffen und wie politische Entscheidungen technische Programme beeinflussten. Heute sind diese Flugzeuge wichtige Studienobjekte für Luftfahrthistoriker und Technikgeschichtler, die die Entwicklung der Großflugzeuge im 20. Jahrhundert erforschen.