Freistaat Preußen - Feuerwehrhelm für Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr

Um 1925. Schwarz lackierte Lederglocke mit Messingkamm und Beschlägen. Vorne aufgelegt der Feuerwehrhelm mit gekreuzten Äxten. Schwarzer Lederner Kinnriemen an Rosetten. Innen mit gelaschtem Lederfutter. Größe 56. Zustand 2-.

 
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250,00

Feuerwehrhelm für Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr – Freistaat Preußen, um 1925

Dieser Feuerwehrhelm für Mannschaften der Freiwilligen Feuerwehr aus dem Freistaat Preußen stellt ein bemerkenswertes Zeugnis der deutschen Feuerwehrgeschichte aus der Zeit der Weimarer Republik dar. Mit seiner Datierung um 1925 fällt er in eine Epoche, in der das deutsche Feuerwehrwesen noch stark von lokaler Selbstverwaltung geprägt war und die Ausrüstung sich in einer direkten Traditionslinie zur militärischen Kopfbedeckung des 19. Jahrhunderts befand.

Historischer Hintergrund: Die Entstehung der Freiwilligen Feuerwehren

Die Geschichte der deutschen Freiwilligen Feuerwehren reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Um 1850 bildeten sich im Zuge politischer Umbrüche und der Gründung von Turnvereinen die ersten Freiwilligen Feuerwehren. Diese Entwicklung war eng mit dem bürgerlichen Engagement und dem Vereinswesen jener Zeit verknüpft. Ein frühes Beispiel für die organisierte Feuerwehr findet sich in der Freien Stadt Saarlouis, die bereits im September 1811 ihre Feuerwehr nach napoleonischen Grundsätzen reorganisierte – basierend auf den Prinzipien freiwilliger Rekrutierung, militärischer Organisation und ehrenamtlichen Dienstes. Nach der preußischen Besetzung im Dezember 1815 wurde diese Feuerwehr zu einer preußischen Einrichtung.

Vor 1938 operierten die Feuerwehreinheiten in den Städten, Gemeinden und Ländern Deutschlands unabhängig voneinander. Sie waren Teil der kommunalen Dienste und unterstanden der Verwaltung der lokalen Regierung unter der Leitung des jeweiligen Bürgermeisters. Diese dezentrale Organisation führte zu einer erheblichen Vielfalt in Ausstattung und Uniformierung.

Der Helm: Form und Funktion

Der vorliegende Helm besteht aus einer schwarz lackierten Lederglocke mit Messingkamm und Messingbeschlägen. Dieser Messingkamm, im Fachjargon als „Hahnenkamm“ oder „Ziegelbrecher“ bekannt, erfüllte eine wichtige Schutzfunktion: Er diente dazu, die Aufprallenergie eines herabfallenden Ziegelsteins abzuleiten und diesen idealerweise zu brechen. Diese konstruktive Eigenschaft war für Feuerwehrleute, die häufig in der Nähe einsturzgefährdeter Gebäude arbeiteten, von erheblicher praktischer Bedeutung.

Der Helm verfügt über einen schwarzen ledernen Kinnriemen, der an Rosetten befestigt ist, sowie über ein gelaschtes Lederfutter im Inneren. Die Größe beträgt 56. Vorne ist ein Emblem aufgelegt, das einen Feuerwehrhelm mit gekreuzten Äxten darstellt. Als Helm für Mannschaften unterscheidet er sich von Offiziershelmen, die typischerweise aufwändigere Beschläge aufwiesen. Offiziershelme der preußischen Feuerwehr zeichneten sich etwa durch eine Schuppenkette auf Lederriemen und einen Adler mit goldenem Feuerwehrabzeichen aus.

Die Verbindung zur militärischen Tradition

Die Entwicklung der deutschen Feuerwehrhelme war stark von der militärischen Pickelhaube beeinflusst. Die Pickelhaube – der ikonische Spitzhelm – wurde im 19. und 20. Jahrhundert von preußischen und deutschen Soldaten aller Ränge sowie von Feuerwehrleuten und Polizisten getragen. Die Feuerwehrhelme übernahmen eine ähnliche Grundform mit einem Leder- oder Metallkorpus. Bei der Feuerwehrvariante wurde die charakteristische Spitze jedoch durch den funktionalen Hahnenkamm ersetzt, der den spezifischen Gefahren des Brandeinsatzes besser Rechnung trug. Die von Feuerwehrleuten getragenen Helme waren häufig frühzeitige Lederhelme, deren Design vielen Brandschutzhelmen anderer europäischer Nationen ähnelte.

Der Freistaat Preußen und die Weimarer Republik

Der Freistaat Preußen bestand von 1918 bis 1947, wobei das nationalsozialistische Regime seine Autonomie nach 1933/34 faktisch aufhob. Die Datierung dieses Helms um 1925 platziert ihn eindeutig in die demokratische Ära der Weimarer Republik. In dieser Zeit waren die Feuerwehren noch in ihrer traditionellen kommunalen Struktur organisiert, ohne die zentrale Gleichschaltung, die wenige Jahre später einsetzen sollte.

Das Ende einer Ära: Die Reformen ab 1933/34

Nach der nationalsozialistischen Machtübernahme verkündete die preußische Regierung am 28. Dezember 1933 das Feuerlöschgesetz, das am 1. Januar 1934 in Kraft trat. Obwohl die Bezeichnung nicht offiziell war, bürgerte sich der Begriff „Feuerlöschpolizei“ ein. Dieses Gesetz wurde weithin als wesentlicher Schritt zur Vereinheitlichung des Feuerwehrwesens in Preußen begrüßt.

Am 6. Februar 1934 ordnete das Preußische Innenministerium an, dass Berufs- und Freiwillige Feuerwehrleute standardisierte Uniformen zu tragen hätten. In der gleichen Verordnung wurde nach einer Testphase die Produktion von leichten Stahlhelmen für alle Brandschutzangehörigen genehmigt. Die Helme wurden fortan in der Regel aus Aluminium oder leichtem Stahl gefertigt, der unter dem Handelsnamen „Edelstahl“ bekannt war. Das äußere Erscheinungsbild der Freiwilligen Feuerwehren veränderte sich grundlegend: Die Uniformen erhielten einen wehrmachtähnlichen Schnitt mit Schulterklappen aus dunkelblauen Stoff, und die weit verbreiteten Lederhelme wurden durch den Stahlhelm 34 als neue Kopfbedeckung ersetzt. Damit wurden traditionelle Lederhelme wie der hier beschriebene bis Mitte der 1930er Jahre für den aktiven Dienst obsolet.

Nachleben und Bedeutung für Sammler

Nach dem Zweiten Weltkrieg blieben Kammstahlhelme noch eine Zeit lang im Dienst, wurden aber zunehmend durch modernere Konstruktionen ersetzt. Die Entwicklung neuer Materialien wie verstärkter Kunststoffe in den 1950er und 1960er Jahren führte zu leichteren, aber dennoch schützenden Helmen. Die traditionelle Kammform verschwand allmählich aus dem aktiven Dienst, lebt jedoch in historischen Feuerwehrabteilungen und bei zeremoniellen Anlässen fort.

Dieser Helm aus der Zeit um 1925 repräsentiert somit eine Übergangsepoche – zwischen der militärisch geprägten Tradition des Kaiserreichs und der zentralistischen Neuordnung des Nationalsozialismus. Als Ausrüstungsgegenstand der Mannschaftsebene dokumentiert er den Alltag der kommunalen Freiwilligen Feuerwehr im demokratischen Preußen der Weimarer Republik und ist damit ein wertvolles Sammlerstück von erheblicher historischer Aussagekraft.