Königin-Luise-Bund ( KLB )
Das Mitgliedsabzeichen des Königin-Luise-Bundes (KLB) verkörpert ein faszinierendes Kapitel deutscher Geschichte während der Weimarer Republik und der frühen Jahre des Nationalsozialismus. Diese Organisation, benannt nach Luise von Mecklenburg-Strelitz, der verehrten Königin von Preußen, repräsentierte eine bedeutende monarchistische Frauenbewegung in einer Zeit politischer Umwälzungen.
Der Königin-Luise-Bund wurde im Mai 1923 in Halle von Else Reichenbach (später verheiratete Sennewald) gegründet. Die unmittelbare Motivation für die Gründung war die französische Besetzung des Ruhrgebiets im Jahr 1923. Das erklärte Ziel der Organisation war die Erziehung des weiblichen Geschlechts zur Unterstützung bei den Vorbereitungen für Deutschlands großes Befreiungswerk von seinen Feinden, im Geiste unserer Vorfahren von 1813 und der unvergesslichen Königin Luise. Die Mitglieder waren Frauen, die sich mit monarchistischer, nationalistischer und konservativer Ideologie identifizierten.
Die Organisation entwickelte sich rasch zu einer der größten Frauenorganisationen der Weimarer Republik. Bis 1933 erreichte die Mitgliederzahl etwa 200.000 Frauen. Der Bund war hochstrukturiert mit lokalen Zweigstellen im ganzen Land. Bis 1928 war er die inoffizielle Frauenorganisation des Stahlhelm-Veteranenverbandes und stand der konservativ-monarchistischen DNVP-Partei nahe. Von 1923 bis 1932 war Marie Netz Bundesführerin; 1932 übernahm Charlotte Freifrau von Hadeln diese Position. Ab 1924 diente Herzogin Cecilie von Mecklenburg-Schwerin, die deutsche Kronprinzessin, als Schirmherrin. Die Unterstützung durch das Haus Hohenzollern verlieh der Organisation besondere Legitimität in monarchistischen Kreisen.
Das vorliegende Abzeichen zeigt eine ovale Form mit einem Kranz aus Eichenblättern und einem Schild am unteren Ende. Das Zentrum des Kranzes ist durchbrochen und enthält den kunstvoll gestalteten Buchstaben L unter der preußischen Königskrone. Das Abzeichen wurde hohlgeprägt und versilbert hergestellt. Mit einer Höhe von 42 mm wurde es mittels horizontaler Nadelhalterung an der Kleidung getragen. Die Kornblume war ebenfalls mit der Organisation verbunden, und das Motto lautete Ich dien.
Es existierten mehrere Varianten des Abzeichens: das Standard-Mitgliedsabzeichen, Anhängerversionen mit Kette und Band, eine Ehrennadel 1. Form sowie eine im Jahr 1933 eingeführte Ehrenspange für 10-jährige Mitgliedschaft. Die Materialien variierten von hohlgeprägten versilberten Ausführungen über massives Silber mit 830er Stempel bis zu Basismetallversionen.
Trotz der ideologischen Affinität zu nationalsozialistischen Idealen wurde der Königin-Luise-Bund von der NS-Regierung im Jahr 1934 aufgelöst. Am 17. Februar 1934 wurde bekannt, dass sich der Bund Königin Luise auflöste. Präziser ausgedrückt löste sich die Organisation am 2. März 1934 selbst auf. Nach der Auflösung wurden die Mitglieder in nationalsozialistische Frauen- und Kindergruppen wie die NS-Frauenschaft und den Bund Deutscher Mädel integriert.
Die Geschichte des Bundes endete jedoch nicht vollständig im Jahr 1934. In Berlin überlebte die Organisation jahrzehntelang im Untergrund. Nach der Neugründung des Stahlhelm-Veteranenverbandes im April 1951 wurde auch der Königin-Luise-Bund kurz darauf wiedergegründet, offenbar unter Rückgriff auf Strukturen und Mitglieder aus den 1920er und 1930er Jahren.
Dieses Mitgliedsabzeichen ist somit mehr als nur ein dekoratives Objekt. Es dokumentiert die Rolle konservativer Frauenorganisationen in der Weimarer Republik, ihre monarchistische Orientierung und ihr komplexes Verhältnis zum aufkommenden Nationalsozialismus. Für Sammler repräsentiert es ein wichtiges Zeugnis einer bedeutenden, aber oft übersehenen Frauenorganisation deutscher Geschichte.