Preußen Helm für einen Offizier im Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2

Standort Pasewalk, um 1910. Eleganter Helm in der letzten Ausführung. Die Helmglocke aus leichtem vernickeltem Eisenblech, komplett mit allen Beschlägen in vergoldeter Ausführung. Vorn der preußische Adler mit mitgeprägtem Bandeau «Hohenfriedberg 4 Juni 1745». Gewölbte vergoldete Schuppenketten mit Kleeblättern, beide Kokarden in der großen Ausführung für Kürassier-Offiziere. Innen mit hellem Schweißleder und hellbeigem Seidenripsfutter. Der Vorderschirm mit braunem Leder, der Nackenschirm mit weichem Stoff gefüttert. Größe ca. 54. Leicht getragen, die Glocke vorne rechts mit einer dünnen Schramme, die Vernicklung stellenweise mit kleinen punktgroßen Närbchen. Zustand 2. 



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Preußen Helm für einen Offizier im Kürassier-Regiment Königin (Pommersches) Nr. 2

Der vorliegende Kürassier-Offiziershelm des Kürassier-Regiments Königin (Pommersches) Nr. 2 repräsentiert einen der prächtigsten Helmtypen der preußischen Armee in der späten Kaiserzeit. Dieses Regiment, mit Standort in Pasewalk in Pommern, gehörte zu den traditionsreichsten Kavallerieverbänden Preußens und trug den Ehrennamen der preußischen Königin.

Die Kürassiere stellten die schwere Kavallerie der preußischen Armee dar und galten als Elite der berittenen Truppen. Ihre Ursprünge reichen bis ins 17. Jahrhundert zurück, als gepanzerte Reiter mit Kürass (Brust- und Rückenpanzer) ausgestattet waren. Im Laufe des 19. Jahrhunderts entwickelte sich ihre Ausrüstung, wobei der charakteristische Helm zu einem der markantesten Erkennungszeichen wurde.

Das Kürassier-Regiment Nr. 2 wurde ursprünglich 1717 errichtet und erhielt 1888 den Ehrennamen "Königin" zu Ehren der Königin Victoria von Preußen, der Gemahlin Friedrich III. Das Regiment führte eine stolze Tradition und war an zahlreichen Schlachten der preußisch-deutschen Geschichte beteiligt. Der auf dem Helm angebrachte preußische Adler trägt das Bandeau "Hohenfriedberg 4 Juni 1745", welches an den bedeutenden Sieg Friedrichs des Großen während des Zweiten Schlesischen Krieges erinnert. In dieser Schlacht besiegten die Preußen eine zahlenmäßig überlegene österreichisch-sächsische Armee.

Die hier vorliegende Helmform um 1910 repräsentiert die letzte Friedensausführung vor dem Ersten Weltkrieg. Die Entwicklung des Kürassierhelms hatte im 19. Jahrhundert mehrere Stadien durchlaufen. Nach der Einführung der Pickelhauben für die meisten Truppengattungen erhielten die Kürassiere 1842 einen speziellen Helm mit Kamm und Raupe. Die Form um 1889/1891 brachte wesentliche Änderungen, wobei die Helme für Offiziere besonders prächtig ausgeführt wurden.

Die Helmglocke aus vernickeltem Eisenblech war charakteristisch für die späte Produktion und unterschied sich von früheren Messingausführungen. Diese Änderung erfolgte aus praktischen und wirtschaftlichen Gründen. Die Vernicklung bot guten Korrosionsschutz und einen repräsentativen Glanz. Für Offiziere waren alle Beschläge - der preußische Adler, die Schuppenketten mit Kleeblättern und die Kokarden - in vergoldeter Ausführung gehalten, was den Rang des Trägers deutlich machte.

Die beiden Kokarden am Helm hatten spezifische Bedeutungen: Die schwarz-weiße Kokarde auf der rechten Seite repräsentierte Preußen, während die schwarz-weiß-rote Kokarde auf der linken Seite das Deutsche Kaiserreich symbolisierte. Die größere Ausführung für Kürassier-Offiziere unterschied diese von den Mannschaftshelmen.

Die Schuppenketten mit Kleeblättern waren nicht nur dekorativ, sondern hatten ursprünglich auch eine praktische Funktion: Sie sollten Säbelhiebe gegen den Kopf abwehren. Im späten 19. Jahrhundert waren sie jedoch hauptsächlich zu einem zeremoniellen Element geworden. Die gewölbte Form und die Vergoldung unterstrichen den repräsentativen Charakter.

Die Innenausstattung mit hellem Schweißleder und Seidenripsfutter in Hellbeige entsprach der hochwertigen Ausführung für Offiziere. Das Schweißleder sollte Feuchtigkeit aufnehmen und den Tragekomfort erhöhen, während das Seidenfutter den Luxus unterstreicht, der mit Offiziersrängen verbunden war. Die Größe von etwa 54 entspricht einem mittleren Kopfumfang.

Die Unterschiede zwischen Vorder- und Nackenschirm - Leder vorne, Stoff hinten - waren typisch für diese Helmgattung. Der lederbezogene Vorderschirm bot besseren Schutz vor Wettereinflüssen, während der stoffgefütterte Nackenschirm Komfort und Flexibilität gewährleistete.

Der Standort Pasewalk war seit 1860 Garnisonsstadt des Regiments. Die kleine pommersche Stadt war stolz auf "ihr" Kürassier-Regiment, das einen wichtigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Faktor darstellte. Offiziere der Kürassiere gehörten zur gesellschaftlichen Elite und waren bei Paraden und Zeremonien in ihren prächtigen Uniformen und Helmen stets im Mittelpunkt.

Mit Ausbruch des Ersten Weltkrieges 1914 verloren diese prachtvollen Helme schnell ihre praktische Bedeutung. Die moderne Kriegsführung mit Artillerie und Maschinengewehren machte solche repräsentativen Kopfbedeckungen obsolet. Die Kürassiere kämpften zunächst noch in traditioneller Manier, mussten aber bald auf feldgraue Uniformen und praktischere Kopfbedeckungen umstellen. Viele dieser Prunkhelme wurden in der Heimat eingelagert oder blieben als Erinnerungsstücke erhalten.

Heute sind solche Offiziershelme der Kürassiere begehrte Sammlerstücke und wichtige Zeugnisse preußisch-deutscher Militärgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die handwerkliche Qualität der damaligen Zeit, sondern auch die militärische Tradition und den Stolz der preußischen Armee vor dem großen Umbruch des Ersten Weltkrieges.