Reichsarbeitsdienst ( RAD ) Dienstrock einen Obervormann einer RAD-Feldeinheit

Kammerstück. Feldbluse aus olivbraunen Tuch mit dunkelbraunem Kragen, Paar Kragenspiegel, Schulterklappen mit Schlaufen und auf dem linken Ärmel der Ärmelspaten für eine RAD-Feldeinheit. Innen braunes Tuchfutter mit Abnahmestempel "RAD BAS 1940". Maße: Schulterbreite ca. 43 cm, Armlänge-Außen ca. 62 cm, Gesamtlänge ca. 70 cm. Diverse kleine Mottenlöcher, Zustand 2.
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1.650,00

Reichsarbeitsdienst ( RAD ) Dienstrock einen Obervormann einer RAD-Feldeinheit

Der vorliegende Dienstrock eines Obervormanns des Reichsarbeitsdienstes (RAD) aus dem Jahr 1940 repräsentiert ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Arbeitsorganisation während des Zweiten Weltkrieges. Das Kleidungsstück mit seinem charakteristischen olivbraunen Tuch und den dunkelbraunen Kragenpartien verkörpert die militarisierte Ausrichtung des RAD in der Kriegszeit.

Der Reichsarbeitsdienst wurde am 26. Juni 1935 durch das “Gesetz für den Reichsarbeitsdienst” als Pflichtdienst für alle jungen Deutschen etabliert. Ursprünglich aus der Arbeitslosen-Bewegung der Weimarer Republik hervorgegangen, wandelte sich der RAD unter nationalsozialistischer Herrschaft zu einer paramilitärischen Organisation. Ab 1935 mussten zunächst alle Männer zwischen 18 und 25 Jahren einen sechsmonatigen Arbeitsdienst ableisten, bevor sie zum Wehrdienst eingezogen werden konnten. Ab 1939 wurde auch ein Pflichtjahr für junge Frauen eingeführt.

Die Feldeinheiten des RAD unterschieden sich deutlich von den regulären Abteilungen. Während der Friedenszeit waren RAD-Einheiten hauptsächlich mit zivilen Infrastrukturprojekten, Landgewinnung und landwirtschaftlichen Arbeiten beschäftigt. Mit Kriegsbeginn 1939 verlagerte sich der Schwerpunkt: RAD-Feldeinheiten wurden zunehmend für militärnahe Aufgaben eingesetzt, darunter der Bau von Befestigungsanlagen, Schützengräben, Flugplätzen und Straßen im Frontgebiet. Sie waren auch am Bau des Westwalls und später am Atlantikwall beteiligt.

Der Rang des Obervormanns entsprach in der RAD-Hierarchie einem Unteroffizier. Die Rangstruktur des RAD orientierte sich bewusst an militärischen Vorbildern, verwendete jedoch eigene Bezeichnungen. Der Obervormann stand über dem einfachen Vormann und unter dem Obertruppführer. Diese Führungsebene war für die unmittelbare Anleitung und Aufsicht kleinerer Arbeitsgruppen verantwortlich.

Die Uniformgestaltung des RAD folgte strikten Vorschriften, die in den RAD-Bekleidungsbestimmungen detailliert festgelegt waren. Das olivbraune Tuch war charakteristisch für die Dienstbekleidung und sollte die Verbundenheit mit der Erde und der Arbeit symbolisieren. Der dunkelbraune Kragen bildete einen markanten Kontrast und war ein Erkennungsmerkmal der Organisation. Die Kragenspiegel zeigten spezifische Rangabzeichen und Einheitszugehörigkeit.

Besonders bemerkenswert an diesem Exemplar ist der Ärmelspaten auf dem linken Arm, das zentrale Symbol des Reichsarbeitsdienstes. Dieses Emblem - ein stilisierter Spaten in goldfarbener oder silberner Ausführung - symbolisierte die Arbeit als zentralen Wert und unterschied den RAD von anderen Organisationen. Für Feldeinheiten waren die Ärmelabzeichen oft in gedeckteren Farben gehalten als bei Standorteinheiten.

Der Abnahmestempel “RAD BAS 1940” im Innenfutter dokumentiert die Herstellung und Qualitätskontrolle durch die RAD-Bekleidungsamt-Stelle im Jahr 1940. Dieser Stempel bestätigt, dass das Kleidungsstück den offiziellen Standards entsprach und für den Dienst zugelassen war. Das Jahr 1940 markiert eine Phase intensiver militärischer Aktivität mit dem Westfeldzug und den darauffolgenden Besatzungsaufgaben.

Die Maße des Dienstrocks - Schulterbreite 43 cm, Armlänge 62 cm, Gesamtlänge 70 cm - entsprechen einer mittleren Konfektionsgröße und waren standardisiert, um eine effiziente Massenproduktion zu ermöglichen. Die Uniformen wurden in verschiedenen Größen hergestellt, die durch ein Nummernsystem kategorisiert waren.

Die vorhandenen Mottenlöcher sind typische Alterungserscheinungen für Textilien aus Naturfasern, die über acht Jahrzehnte überdauert haben. Sie zeugen von der authentischen Materialbeschaffenheit und dem organischen Altern des Objekts. Die Verwendung von Wolle war Standard für militärische und paramilitärische Uniformen dieser Zeit.

Der Reichsarbeitsdienst beschäftigte auf seinem Höhepunkt über 350.000 Männer und eine große Anzahl von Frauen. Nach 1945 wurde die Organisation aufgelöst und durch die Alliierten verboten. Heute sind authentische RAD-Uniformstücke historische Dokumente, die Einblick in die Organisationsstruktur, Materialbeschaffenheit und ideologische Ausrichtung des nationalsozialistischen Deutschland geben. Sie dienen der wissenschaftlichen Forschung und musealen Dokumentation einer dunklen Epoche deutscher Geschichte.