SS Porzellanmanufaktur Allach, Hersegruppe-Mädchen mit Kerze
Die Porzellan-Manufaktur Allach stellt ein komplexes und kontroverses Kapitel der deutschen Kunstgewerbeindustrie während der nationalsozialistischen Herrschaft dar. Die Manufaktur wurde 1935 von Franz Nagy in Allach bei München gegründet und kam 1936 unter die Kontrolle der SS, wodurch sie Teil des wirtschaftlichen Imperiums der SS wurde.
Unter der Leitung von SS-Brigadeführer Karl Diebitsch und später Heinrich Himmler entwickelte sich die Manufaktur zu einem der ambitioniertesten Kulturprojekte der SS. Die Produktion umfasste Porzellanfiguren, Kerzenleuchter, Vasen und dekorative Objekte, die sowohl ideologische als auch kommerzielle Zwecke erfüllten. Die Manufaktur beschäftigte renommierte Bildhauer und Künstler, darunter Theodor Kärner, Richard Förster und Franz Barwig.
Die Herse-Gruppe, benannt nach der Künstlerin, repräsentiert einen bestimmten Stil innerhalb der Allach-Produktion. Die dargestellte Figur eines Mädchens mit Kerze verkörpert das nationalsozialistische Ideal der deutschen Jugend und verband traditionelle Volksmotive mit der NS-Ideologie. Solche Darstellungen wurden oft als Geschenke innerhalb der SS-Hierarchie verwendet oder an hochrangige NSDAP-Mitglieder überreicht.
Die Produktion in Allach war eng mit dem KZ-System verbunden. Ab 1940 wurde ein Außenlager des KZ Dachau in unmittelbarer Nähe der Manufaktur errichtet. Häftlinge wurden zur Zwangsarbeit in der Porzellanproduktion eingesetzt, was die dunkle Realität hinter den scheinbar harmlosen Kunstobjekten offenbart. Diese historische Tatsache macht jedes Allach-Objekt zu einem problematischen Zeugnis dieser Zeit.
Die Markierung auf der Unterseite mit dem Namen “E. Herse” weist auf die Künstlerin hin, die für das Design verantwortlich war. Die Allach-Manufaktur war bekannt für ihre hohen handwerklichen Standards und verwendete verschiedene Markierungssysteme, darunter die charakteristischen SS-Runen, Modellnummern und Künstlersignaturen. Die graue Glasur war eine von mehreren Glasurtechniken, die in Allach verwendet wurden, wobei auch weiße, farbige und unglasierten Varianten produziert wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion eingestellt, und die Manufaktur kam unter amerikanische Kontrolle. Die Allach-Objekte wurden zu Sammlerstücken, wobei ihre historische Bedeutung kontrovers diskutiert wird. Während einige sie als kunsthandwerkliche Zeugnisse betrachten, sehen andere in ihnen Symbole der NS-Ideologie und des Unrechtssystems.
Der Umgang mit solchen Objekten bleibt in Deutschland rechtlich und ethisch komplex. Während der Handel mit NS-Devotionalien mit verfassungsfeindlichen Symbolen verboten ist, fallen viele Allach-Figuren in eine rechtliche Grauzone, da sie nicht immer explizite NS-Symbole tragen. Museen und historische Sammlungen bewahren solche Objekte als Lehrmittel auf, um über die kulturelle Durchdringung des Nationalsozialismus aufzuklären.
Die Seltenheit dieser speziellen Herse-Gruppe mit Mädchenfigur liegt in ihrer begrenzten Produktionszahl und der Tatsache, dass viele solcher Objekte nach dem Krieg zerstört wurden. Der unbeschädigte Zustand macht sie zu einem wichtigen historischen Dokument, das die künstlerische Qualität und ideologische Funktion der SS-Kulturproduktion veranschaulicht.