SS-Porzellanmanufaktur Allach - runde Kuchenplatte

Durchmesser ca. 29 cm, glasiert, auf den Unterseiten mit der grünen Herstellermarke "SS-Allach" unter der Glasur. Unbeschädigt.
497426
450,00

SS-Porzellanmanufaktur Allach - runde Kuchenplatte

Die SS-Porzellanmanufaktur Allach stellt ein bemerkenswertes und zugleich problematisches Kapitel in der Geschichte der deutschen Porzellanherstellung dar. Diese Einrichtung wurde 1935 von Heinrich Himmler und der SS-Organisation gegründet und entwickelte sich zu einem bedeutenden Wirtschaftsunternehmen innerhalb des SS-Imperiums.

Die Manufaktur entstand ursprünglich in München-Allach als Teil der umfassenden wirtschaftlichen Aktivitäten der SS. Himmler verfolgte mit der Gründung mehrere Ziele: Einerseits sollte hochwertiges Porzellan für repräsentative Zwecke der SS und der nationalsozialistischen Führung hergestellt werden, andererseits sollte die Manufaktur die vermeintliche kulturelle Überlegenheit des “Dritten Reiches” demonstrieren. Ab 1940 wurde ein zweiter Standort im KZ Dachau eingerichtet, wo Häftlinge zur Zwangsarbeit eingesetzt wurden.

Die Produktion umfasste ein breites Sortiment von Gegenständen: Von aufwendigen Skulpturen und Figuren über Vasen und Leuchter bis hin zu Gebrauchsporzellan wie Tellern, Tassen und Servierplatten. Die bei Allach hergestellten Objekte zeichneten sich durch hohe handwerkliche Qualität aus, die teilweise mit den traditionellen deutschen Porzellanmanufakturen wie Meissen konkurrieren konnte.

Die charakteristische Herstellermarke der SS-Porzellanmanufaktur Allach bestand aus dem Schriftzug “Allach” mit den SS-Runen und wurde typischerweise in grüner Farbe unter der Glasur aufgebracht. Diese Kennzeichnung machte die Stücke eindeutig identifizierbar und sollte zugleich die Verbindung zur SS demonstrieren. Es existierten verschiedene Varianten der Marke, die sich im Laufe der Produktionsjahre leicht veränderten.

Das vorliegende Objekt, eine runde Kuchenplatte mit einem Durchmesser von etwa 29 Zentimetern, repräsentiert die Gebrauchsporzellan-Produktion der Manufaktur. Solche Servierplatten gehörten zum alltäglichen Sortiment und wurden sowohl für den internen Gebrauch der SS-Organisation als auch für den Verkauf an die Öffentlichkeit hergestellt. Die hochwertige Glasur und die unbeschädigte Erhaltung zeugen von der technischen Qualität der Produktion.

Die wirtschaftliche Organisation der Manufaktur erfolgte über die Deutsche Wirtschaftsbetriebe GmbH, ein Dachunternehmen, das verschiedene SS-eigene Betriebe verwaltete. Die Produktion war profitorientiert, wobei die Gewinne der SS-Organisation zuflossen. Der Einsatz von Zwangsarbeitern aus dem nahegelegenen Konzentrationslager Dachau stellt dabei einen besonders dunklen Aspekt dieser Geschichte dar.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Mai 1945 wurde die Produktion eingestellt und die Manufaktur aufgelöst. Die alliierten Besatzungsmächte beschlagnahmten das Inventar und die verbliebenen Bestände. Die Immobilien und Produktionsanlagen wurden anderen Verwendungen zugeführt.

Heute befinden sich Objekte der SS-Porzellanmanufaktur Allach in Museen, Sammlungen und im Antiquitätenhandel. Der Umgang mit diesen Objekten ist komplex und erfordert eine differenzierte Betrachtung. Einerseits handelt es sich um handwerklich hochwertige Zeugnisse deutscher Porzellankunst, andererseits sind sie untrennbar mit der verbrecherischen SS-Organisation und dem nationalsozialistischen System verbunden. Der historisch-wissenschaftliche Wert dieser Objekte liegt in ihrer Funktion als Sachzeugen einer dunklen Epoche deutscher Geschichte.

In der wissenschaftlichen Auseinandersetzung werden diese Objekte als Quellen zur Erforschung der Wirtschaftsstruktur der SS, der Ästhetik des Nationalsozialismus und der Verbindung zwischen Kunst, Handwerk und Ideologie analysiert. Sie dokumentieren, wie das NS-Regime selbst alltägliche Gebrauchsgegenstände für propagandistische und wirtschaftliche Zwecke instrumentalisierte.