Wehrmacht Satteltasche
Die Wehrmacht-Satteltasche stellt ein charakteristisches Ausrüstungsstück der deutschen Streitkräfte während des Zweiten Weltkriegs dar. Diese speziellen Taschen wurden primär von berittenen Einheiten, Kradschützen (Motorradschützen) und anderen motorisierten Verbänden der Wehrmacht verwendet und dienten dem Transport persönlicher Ausrüstung sowie militärischer Ausrüstungsgegenstände.
Das vorliegende Exemplar trägt die Herstellermarkierung “cxb 41”, die gemäß dem deutschen Codesystem für Rüstungsbetriebe der Firma Moll, Lederwarenfabrik in Goch (Rheinland) zuzuordnen ist. Die Jahreszahl 41 weist auf das Produktionsjahr 1941 hin, eine Phase intensiver Kriegsproduktion und militärischer Expansion des Deutschen Reiches. Das Codesystem wurde von der Wehrmacht ab 1940 eingeführt, um die Identifikation von Rüstungsbetrieben zu verschleiern und gleichzeitig die Qualitätskontrolle und Nachverfolgbarkeit zu gewährleisten.
Die Fertigung aus braunem Leder entspricht den standardisierten Vorgaben der Wehrmacht für Lederausrüstung. Während der Kriegsjahre unterlag die Lederproduktion strengen Rationierungen, da das Material für verschiedenste militärische Zwecke benötigt wurde – von Stiefeln über Koppelzeug bis hin zu technischen Anwendungen. Die Verwendung von Leder für Satteltaschen war funktional begründet: Das Material bot Witterungsbeständigkeit, Robustheit und Langlebigkeit unter Feldbedingungen.
Die Lederwarenfabrik Moll in Goch war einer von zahlreichen Zulieferbetrieben der Wehrmacht. Goch, eine Stadt am Niederrhein in Nordrhein-Westfalen, verfügte über eine traditionsreiche Lederverarbeitungsindustrie. Während des Krieges wurden viele solcher zivilen Betriebe in die Rüstungsproduktion eingebunden, wobei sie ihre handwerklichen Fertigkeiten und Produktionskapazitäten in den Dienst der Wehrmacht stellten – oft unter Zwang oder wirtschaftlichem Druck.
Satteltaschen waren ein unverzichtbarer Bestandteil der Ausrüstung berittener Einheiten. Obwohl die Kavallerie im Zweiten Weltkrieg zunehmend an Bedeutung verlor und durch motorisierte Verbände ersetzt wurde, unterhielt die Wehrmacht während des gesamten Krieges berittene Einheiten, insbesondere an der Ostfront. Hier erwiesen sich Pferde aufgrund der oft unwegsamen Gelände- und Straßenverhältnisse sowie des chronischen Treibstoffmangels als unverzichtbar. Die 1. Kavallerie-Division wurde beispielsweise 1941 aufgestellt und kämpfte vorwiegend im Osten.
Parallel zur traditionellen Kavallerie fanden Satteltaschen auch Verwendung bei den Kradschützen, den Motorradeinheiten der Wehrmacht. Diese Truppen, die für Aufklärung, schnelle Vorstöße und Verbindungsaufgaben eingesetzt wurden, benötigten praktische Staumöglichkeiten für ihre Ausrüstung. Satteltaschen wurden dabei seitlich an den Motorrädern befestigt und boten Platz für Werkzeug, Verpflegung, Munition und persönliche Gegenstände.
Die Konstruktion typischer Wehrmacht-Satteltaschen folgte funktionalen Prinzipien: Sie verfügten üblicherweise über Schnallen- oder Riemenverschlüsse, Trageriemen zur Befestigung und waren so dimensioniert, dass sie ein ausgewogenes Gewicht auf beiden Seiten des Pferdes oder Motorrads gewährleisteten. Die braune Färbung des Leders entsprach dem Standard für Wehrmachtsausrüstung, im Gegensatz zum schwarzen Leder, das typischerweise für SS-Ausrüstung verwendet wurde.
Das Jahr 1941, in dem diese Satteltasche gefertigt wurde, markiert einen Wendepunkt in der deutschen Kriegsführung: Der Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 (Unternehmen Barbarossa) führte zu einem massiven Bedarf an militärischer Ausrüstung. Die deutsche Rüstungsindustrie lief auf Hochtouren, und die Nachfrage nach allen Arten von Ausrüstungsgegenständen, einschließlich Lederware, stieg dramatisch an.
Der angegebene Zustand 2 deutet nach gängigen Sammlerbewertungsskalen auf einen guten bis sehr guten Erhaltungszustand hin, wobei das Objekt authentische Gebrauchsspuren aufweisen dürfte, aber weitgehend vollständig und funktional ist. Solche Bewertungen sind für Sammler und Museen wichtig, um den historischen und materiellen Wert von Militaria einzuschätzen.
Heute sind solche Satteltaschen wichtige Sachzeugen der Militärgeschichte. Sie dokumentieren nicht nur die materielle Kultur der Wehrmacht, sondern auch die wirtschaftliche Mobilisierung während des Krieges, die Einbindung regionaler Betriebe in die Rüstungsproduktion und die alltägliche Realität der Soldaten. Für die historische Forschung bieten Herstellermarkierungen wie “cxb 41” wertvolle Informationen über Produktionsnetzwerke, Zeitrahmen und die Organisation der deutschen Kriegswirtschaft.