Aus der Fundgrube:
Die Gefechtsspangen für die Südwestafrika-Denkmünze stellen ein faszinierendes Kapitel der deutschen Kolonialgeschichte dar und gehören zu den begehrten Sammelobjekten militärhistorischer Auszeichnungen. Diese Spangen wurden als Ergänzung zur Südwestafrika-Denkmünze verliehen, die Kaiser Wilhelm II. am 21. Februar 1907 für die Teilnehmer an den Kämpfen in Deutsch-Südwestafrika (heute Namibia) zwischen 1904 und 1906 stiftete.
Der Herero- und Nama-Aufstand von 1904 bis 1908 war einer der blutigsten Kolonialkriege des Deutschen Kaiserreichs. Die militärischen Auseinandersetzungen begannen im Januar 1904 mit dem Aufstand der Herero unter ihrem Führer Samuel Maharero gegen die deutsche Kolonialherrschaft. Im Oktober 1904 folgte der Aufstand der Nama unter Hendrik Witbooi. Die deutsche Schutztruppe, verstärkt durch umfangreiche Truppenkontingente aus dem Reich, führte unter Generalleutnant Lothar von Trotha eine brutale Niederschlagung durch.
Die Südwestafrika-Denkmünze wurde in zwei Varianten verliehen: eine für Kämpfer und eine für Nichtkämpfer. Die Medaille für Kämpfer zeigte auf der Vorderseite das Bildnis Kaiser Wilhelms II. und auf der Rückseite einen deutschen Adler mit der Umschrift “SÜDWESTAFRIKA 1904-1906”. Das Band war in den Farben Schwarz-Weiß-Rot gehalten.
Die Gefechtsspangen wurden als besondere Anerkennung für die Teilnahme an spezifischen Gefechten oder Operationen auf dem Band der Denkmünze getragen. Diese Spangen waren aus Metall gefertigt und trugen die Bezeichnungen der jeweiligen Gefechte oder Operationen. Bekannte Gefechtsspangen umfassten unter anderem Bezeichnungen wie “Waterberg” (Schlacht am Waterberg vom 11.-12. August 1904), “Otjihinamaparero”, “Gobabis” oder andere bedeutende Kampfhandlungen.
Bei dem hier beschriebenen Objekt handelt es sich um eine Sammleranfertigung, nicht um originale zeitgenössische Spangen. Nach dem Ersten Weltkrieg und besonders in den 1920er und 1930er Jahren entwickelte sich ein reger Markt für militärische Auszeichnungen. Viele Veteranen, die ihre Originale verloren hatten, oder Sammler erwarben Reproduktionen und Sammleranfertigungen. Diese wurden oft nach historischen Vorbildern hergestellt, entsprachen aber nicht immer exakt den offiziellen Regularien.
Die Unterscheidung zwischen Originalspangen und Sammleranfertigungen ist für Militaria-Sammler von entscheidender Bedeutung. Originale Gefechtsspangen wurden in der Regel von offiziellen oder semi-offiziellen Herstellern gefertigt und zeigen charakteristische Merkmale in Material, Verarbeitung und Patina. Sammleranfertigungen können qualitativ sehr unterschiedlich sein – von handwerklich hochwertigen Nachbildungen bis zu einfachen Reproduktionen.
Die historische Aufarbeitung der Ereignisse in Deutsch-Südwestafrika hat sich im Laufe der Jahrzehnte grundlegend gewandelt. Was während der Kaiserzeit als “Heldentaten” der Schutztruppe dargestellt wurde, wird heute als Völkermord an den Herero und Nama eingeordnet. Schätzungen gehen davon aus, dass etwa 65.000 bis 85.000 Herero (etwa 80% der Bevölkerung) und mindestens 10.000 Nama (etwa 50% der Bevölkerung) durch Kampfhandlungen, Vertreibung in die Wüste und Internierung in Konzentrationslagern ums Leben kamen.
Die Vernichtungsbefehle von Trothas vom Oktober 1904 gelten heute als dokumentierter Genozid. Im Jahr 2015 erkannte die deutsche Bundesregierung diese Verbrechen offiziell als Völkermord an, 2021 folgte eine formelle Entschuldigung.
Für Sammler und Historiker besitzen solche Objekte dennoch dokumentarischen Wert. Sie zeugen von der Erinnerungskultur der Kaiserzeit und der Weimarer Republik, von der Art und Weise, wie militärische Verdienste gewürdigt wurden, und von der späteren Auseinandersetzung mit dieser Geschichte. Die Existenz von Sammleranfertigungen zeigt zudem, dass ein Markt für diese Auszeichnungen bestand und dass Veteranen oder deren Nachkommen Wert auf die Dokumentation ihrer Teilnahme legten.
Sammler sollten beim Erwerb solcher Objekte stets die historische Verantwortung im Blick behalten und diese Stücke als Zeugnisse einer problematischen Vergangenheit verstehen, nicht als Glorifizierung kolonialer Gewalt.