Bund Deutscher Mädel JM-BDM 10 Knöpfe aus Bakelit 

rückseitig mit RZM Hersteller MA9-3, ca. 19 mm, ungetragen.

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50,00

Bund Deutscher Mädel JM-BDM 10 Knöpfe aus Bakelit 

Die vorliegenden Knöpfe aus Bakelit gehören zur Uniform des Bundes Deutscher Mädel (BDM) und tragen die Kennzeichnung RZM MA9-3. Diese Objekte repräsentieren einen wichtigen Aspekt der nationalsozialistischen Jugendorganisation für Mädchen im Deutschen Reich zwischen 1933 und 1945.

Der Bund Deutscher Mädel wurde 1930 als weiblicher Zweig der Hitler-Jugend gegründet und entwickelte sich nach der Machtübernahme 1933 zur einzigen staatlich anerkannten Mädchenorganisation. Die Organisation gliederte sich nach Altersgruppen: Das Jungmädel (JM) umfasste Mädchen von 10 bis 14 Jahren, während der eigentliche BDM Mädchen von 14 bis 18 Jahren aufnahm.

Die Uniformierung spielte eine zentrale Rolle in der nationalsozialistischen Jugendpolitik. Sie diente nicht nur der äußeren Vereinheitlichung, sondern symbolisierte auch die Eingliederung in die “Volksgemeinschaft” und sollte soziale Unterschiede verwischen. Die BDM-Uniform bestand typischerweise aus einer weißen Bluse, einem blauen Rock, einem braunen Halstuch mit Lederknoten und einer dunkelblauen Jacke.

Die Kennzeichnung RZM steht für Reichszeugmeisterei, die 1929 als zentrale Beschaffungsstelle der NSDAP gegründet wurde. Nach 1933 kontrollierte die RZM die Herstellung und den Vertrieb sämtlicher Uniformteile und Ausrüstungsgegenstände der Parteiorganisationen, einschließlich der Hitler-Jugend und des BDM. Die Herstellerkennzeichnung MA9-3 identifiziert den spezifischen Produzenten dieser Knöpfe, wobei MA für den Zuständigkeitsbereich München-Augsburg stand.

Die Verwendung von Bakelit als Material ist charakteristisch für die Zeit. Bakelit, der erste vollsynthetische Kunststoff, wurde 1907 von Leo Baekeland erfunden und fand in den 1920er und 1930er Jahren breite Anwendung. Im militärischen und paramilitärischen Bereich bot Bakelit mehrere Vorteile: Es war kostengünstig in der Massenproduktion, formstabil, wetterbeständig und sparte strategisch wichtige Metalle, die für die Rüstungsindustrie benötigt wurden. Mit fortschreitendem Krieg und zunehmender Ressourcenknappheit gewann die Verwendung von Ersatzstoffen wie Bakelit noch mehr an Bedeutung.

Die Größe von etwa 19 mm entspricht den standardisierten Maßen für BDM-Uniformknöpfe. Diese Standardisierung war Teil des umfassenden Systems der RZM, das einheitliche Qualitäts- und Produktionsstandards für alle Parteiorganisationen sicherstellte. Knöpfe wurden an verschiedenen Stellen der Uniform verwendet, insbesondere an Blusen und Jacken.

Die Angabe “ungetragen” deutet darauf hin, dass diese Knöpfe nie an einer Uniform befestigt wurden. Solche ungenutzten Exemplare sind heute seltener als getragene Stücke, da sie entweder als Ersatzknöpfe gelagert oder nach Kriegsende vernichtet wurden. Nach 1945 wurden viele Uniformteile und Abzeichen der nationalsozialistischen Organisationen bewusst zerstört.

Die Mitgliedschaft im BDM war nach dem Gesetz über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 faktisch verpflichtend. Bis 1939 wurden etwa 90 Prozent aller Mädchen im entsprechenden Alter erfasst. Die Organisation umfasste zu ihrem Höhepunkt etwa 4,5 Millionen Mitglieder. Die Aktivitäten reichten von Sport und Heimabenden über ideologische Schulung bis hin zu Kriegshilfsdiensten in den letzten Kriegsjahren.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige Quellen für die Erforschung der nationalsozialistischen Herrschaft, der Jugendpolitik und der Alltagsgeschichte. Sie dokumentieren die Durchdringung aller Lebensbereiche durch die NS-Ideologie und die Mobilisierung der Jugend für die Ziele des Regimes. Museen und Forschungseinrichtungen sammeln und bewahren solche Objekte als Zeugnisse dieser Zeit, wobei stets der historisch-kritische Kontext vermittelt werden muss.

Die wissenschaftliche Beschäftigung mit BDM-Objekten trägt zum Verständnis der Mechanismen totalitärer Herrschaft bei und zeigt, wie durch Uniformierung, Ritual und Organisation die Eingliederung junger Menschen in das System erfolgte. Diese scheinbar einfachen Knöpfe sind damit Teil eines größeren historischen Zusammenhangs, der weit über ihre materielle Funktion hinausgeht.