Geschichte des Schleswig-Holsteinschen Ulanen-Regiments Nr. 15,

von seiner Stiftung bis zum Tage des 25 jährigen Bestehens. 
von Glasenapp, Verlag Mittler und Sohn Berlin 1894. 
Halbleineneinband, 232 Seiten, im Anhang gefaltete Karten, Zustand 2-
468827
230,00

Geschichte des Schleswig-Holsteinschen Ulanen-Regiments Nr. 15,

Die Geschichte des Schleswig-Holsteinschen Ulanen-Regiments Nr. 15, verfasst von Oberst von Glasenapp und 1894 bei dem renommierten Berliner Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn erschienen, gehört zu einer bedeutenden Kategorie militärhistorischer Literatur des deutschen Kaiserreichs: den offiziellen oder halboffiziellen Regimentsgeschichten.

Das Jahr 1894 markierte das 25-jährige Bestehen des Regiments, was den Anlass für diese Publikation bot. Das Schleswig-Holsteinsche Ulanen-Regiment Nr. 15 wurde 1869 gegründet, in einer Zeit tiefgreifender militärischer Reorganisation nach dem Deutschen Krieg von 1866 und während der Vorbereitung auf den Deutsch-Französischen Krieg von 1870/71. Die Gründung des Regiments fiel in die entscheidende Phase der preußischen Militärexpansion unter der Führung von Kriegsminister Albrecht von Roon und Generalstabschef Helmuth von Moltke.

Der Verlag Ernst Siegfried Mittler und Sohn, gegründet 1789, war der führende Militärverlag im Deutschen Reich und seit 1842 offizieller Verlag der preußischen Armee. Die Veröffentlichung einer Regimentsgeschichte durch diesen Verlag verlieh dem Werk besonderes Gewicht und Autorität. Mittler publizierte nicht nur Dienstvorschriften und militärische Fachliteratur, sondern auch zahlreiche Regimentsgeschichten, die zur Pflege der Tradition und des Korpsgeistes beitrugen.

Das Format des Werkes mit 232 Seiten und gefalteten Karten im Anhang entspricht dem typischen Aufbau solcher Regimentsgeschichten. Die Karten dienten der Veranschaulichung von Gefechten, Manövern und Standortverlegungen. Der Halbleineneinband war die übliche Ausstattung für mittlere bis gehobene militärische Fachliteratur dieser Epoche – haltbar genug für den praktischen Gebrauch, aber auch repräsentativ für offizielle Anlässe.

Die Ulanen waren eine besondere Waffengattung der leichten Kavallerie, deren Ursprünge auf polnische und litauische Reitertraditionen zurückgehen. Im preußisch-deutschen Heer des 19. Jahrhunderts bildeten die Ulanenregimenter eine Elite-Einheit, erkennbar an ihrer charakteristischen Uniform mit der Tschapka, einer viereckigen Kopfbedeckung polnischen Ursprungs. Das Schleswig-Holsteinsche Ulanen-Regiment Nr. 15 war in der Garnison Straßburg stationiert und gehörte zum XV. Armeekorps.

Die ersten 25 Jahre des Regiments (1869-1894) umfassten bedeutende Ereignisse der deutschen Geschichte. Das Regiment nahm am Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 teil und war bei der Belagerung von Straßburg dabei. Nach der Annexion des Elsass wurde Straßburg zur Hauptgarnison des Regiments. Die Integration der neu gewonnenen Reichslande in das militärische Gefüge des Deutschen Reiches machte die Stationierung preußischer Einheiten dort zu einer strategischen Notwendigkeit.

Regimentsgeschichten wie diese erfüllten mehrere Funktionen: Sie dienten der Traditionspflege und Identitätsstiftung innerhalb der militärischen Einheit, dokumentierten militärische Leistungen für die Nachwelt und boten jüngeren Offizieren Anschauungsmaterial für taktische Studien. Die detaillierte Darstellung von Gefechten, Manövern und organisatorischen Entwicklungen machte sie zu wertvollen Quellen für die Militärgeschichtsschreibung.

Der Verfasser, von Glasenapp, war vermutlich selbst Offizier des Regiments oder stand diesem nahe. Die Verfasserschaft von Regimentsgeschichten wurde häufig erfahrenen Offizieren übertragen, die über die notwendigen Kenntnisse der Regimentsakten und persönliche Erfahrungen verfügten. Die Arbeit an solchen Werken konnte mehrere Jahre in Anspruch nehmen und erforderte umfangreiche Archivstudien sowie die Befragung von Zeitzeugen.

Die Veröffentlichung zum 25-jährigen Jubiläum war kein Zufall: Solche Jahrestage boten Anlässe für feierliche Appelle, Paraden und eben auch für die Präsentation einer offiziellen Regimentsgeschichte. Diese Werke wurden oft von den Offizieren des Regiments selbst finanziert oder subventioniert und an aktive sowie ehemalige Regimentsangehörige verteilt.

Heute sind solche Regimentsgeschichten wichtige Quellen für die militärhistorische Forschung. Sie bieten Einblicke in die Organisationsstruktur, die taktische Entwicklung und das Selbstverständnis der kaiserlichen Armee. Zugleich müssen sie als Quellen kritisch betrachtet werden, da sie häufig einen affirmativen, das eigene Regiment glorifizierenden Charakter aufweisen und unangenehme Ereignisse möglicherweise aussparen oder beschönigen.