III. Reich - nichttragbare Erinnerungsmedaille des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft

Bronze Medaille getönt, Durchmesser 50 mm. Vorderseite großer aufstrebender Hoheitsadler, Rückseite "Für besondere Leistungen in der Tierzucht" mit Umschrift "Der Reichsminister ...", Zustand 2
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120,00

III. Reich - nichttragbare Erinnerungsmedaille des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft

Die Erinnerungsmedaille des Reichsministers für Ernährung und Landwirtschaft stellt ein interessantes Beispiel der nichttragbaren Auszeichnungen dar, die während der Zeit des Dritten Reiches zur Anerkennung besonderer Leistungen in der Landwirtschaft verliehen wurden. Diese spezielle Medaille wurde für herausragende Erfolge in der Tierzucht vergeben, einem Bereich, der für die nationalsozialistische Agrarpolitik von erheblicher Bedeutung war.

Das Reichsministerium für Ernährung und Landwirtschaft wurde 1933 unter der Leitung von Richard Walther Darré reorganisiert, der als Reichsbauernführer und Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft von 1933 bis 1942 amtierte. Darré war ein Verfechter der “Blut und Boden”-Ideologie und betrachtete das Bauerntum als Grundlage des deutschen Volkes. Unter seiner Führung wurde die Landwirtschaft stark zentralisiert und durch den Reichsnährstand organisiert, eine Zwangsorganisation, die alle in der Landwirtschaft und Ernährungswirtschaft Tätigen umfasste.

Die Tierzucht hatte in der nationalsozialistischen Agrarpolitik einen besonderen Stellenwert. Sie wurde nicht nur als wirtschaftliche Notwendigkeit zur Sicherung der Ernährung betrachtet, sondern auch ideologisch aufgeladen. Die Verbesserung der Tierrassen und die Steigerung der landwirtschaftlichen Produktivität waren zentrale Ziele im Rahmen der angestrebten Autarkiepolitik, die Deutschland von Nahrungsmittelimporten unabhängig machen sollte. Diese Politik gewann besonders nach 1936 mit dem Vierjahresplan an Bedeutung und wurde durch den Kriegsausbruch 1939 noch dringlicher.

Die vorliegende Medaille aus Bronze mit einem Durchmesser von 50 mm zeigt auf der Vorderseite einen großen, aufstrebenden Hoheitsadler, das zentrale Symbol der nationalsozialistischen Herrschaft. Dieser Adler, der häufig mit gespreizten Schwingen und nach rechts blickend dargestellt wurde, symbolisierte Macht und Autorität. Auf der Rückseite trägt die Medaille die Inschrift “Für besondere Leistungen in der Tierzucht” sowie die Umschrift, die auf den Reichsminister verweist.

Als nichttragbare Erinnerungsmedaille gehört dieses Objekt zu einer Kategorie von Auszeichnungen, die nicht am Körper oder der Uniform getragen wurden, sondern als Erinnerungs- und Ehrenstücke dienten. Sie wurden üblicherweise in Etuis oder Schatulen aufbewahrt und bei besonderen Anlässen präsentiert. Solche Medaillen unterschieden sich von den tragbaren Orden und Ehrenzeichen, die mit Bändern versehen waren und an der Uniform befestigt werden konnten.

Die Verleihung solcher Medaillen erfolgte im Rahmen eines Systems von Anreizen und Ehrungen, das die nationalsozialistische Führung nutzte, um Leistungen in allen Bereichen der Gesellschaft zu fördern und zu kontrollieren. Im landwirtschaftlichen Sektor gab es verschiedene Auszeichnungen und Wettbewerbe, darunter den “Reichsnährstandswettbewerb” und verschiedene Leistungsabzeichen. Züchter, die besondere Erfolge bei der Verbesserung von Nutztierrassen erzielten oder innovative Zuchtmethoden anwendeten, konnten mit solchen Ehrungen rechnen.

Nach Herbert Backes Amtsantritt als Reichsminister für Ernährung und Landwirtschaft 1942, nachdem Darré entlassen worden war, wurden die landwirtschaftlichen Auszeichnungspraktiken fortgeführt, obwohl sich die Prioritäten zunehmend auf die Kriegswirtschaft verlagerten. Die Bedeutung der Tierzucht blieb jedoch konstant hoch, da die Versorgung der Wehrmacht und der Zivilbevölkerung mit Fleisch, Milch und anderen tierischen Produkten von entscheidender Bedeutung war.

Die Tönierung der Bronze verleiht der Medaille eine besondere ästhetische Qualität und war ein übliches Verfahren bei der Herstellung von Medaillen dieser Zeit. Die künstliche Patinierung sollte der Auszeichnung ein würdiges, hochwertiges Aussehen verleihen und sie vor natürlicher Korrosion schützen.

Aus heutiger Sicht sind solche Objekte wichtige historische Zeugnisse, die Einblick in die Organisations- und Anerkennungsstrukturen des nationalsozialistischen Staates geben. Sie dokumentieren, wie das Regime versuchte, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens zu durchdringen und zu kontrollieren, einschließlich der Landwirtschaft und Tierzucht. Gleichzeitig zeigen sie die Bedeutung, die der Autarkiepolitik und der landwirtschaftlichen Produktivität beigemessen wurde.

Für Sammler und Historiker sind solche Medaillen von Interesse, da sie relativ selten sind und spezifische Aspekte der NS-Herrschaft dokumentieren, die weniger bekannt sind als militärische Auszeichnungen. Sie erinnern daran, dass das System der Ehrungen und Auszeichnungen weit über den militärischen Bereich hinausging und alle Aspekte der deutschen Gesellschaft umfasste.