Kaiserliche Marine Siegel/Petschaft "Flottenstammdivision"

Bleikern mit Messingmantel, rückseitig mit Dorn, am Rand markiert "R XIII 937". Zustand 2.

Restbestand aus dem ehemaligen Reichsmarineamt, um 1919.






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€ 180,00

Kaiserliche Marine Siegel/Petschaft "Flottenstammdivision"

Bei diesem Objekt handelt es sich um ein Dienstsiegel (auch Petschaft genannt) der Kaiserlichen Marine, das der Flottenstammdivision zugeordnet war. Es besteht aus einem Bleikern mit Messingmantel und verfügt rückseitig über einen Dorn zur Befestigung eines Griffes. Die Randmarkierung “R XIII 937” weist auf die behördliche Registrierung im System des Reichsmarineamtes hin.

Die Flottenstammdivisionen waren wichtige organisatorische Einheiten der Kaiserlichen Marine, die insbesondere für die Ausbildung und Verwaltung des Stammpersonals der Flotte zuständig waren. Diese Divisionen bildeten das Rückgrat der personellen Organisation und sorgten für die kontinuierliche Verfügbarkeit ausgebildeter Seeleute für die aktiven Flottenverbände. Sie waren in den wichtigsten Marinestützpunkten wie Kiel, Wilhelmshaven und Cuxhaven stationiert.

Dienstsiegel dieser Art spielten eine zentrale Rolle in der militärischen Verwaltung des Deutschen Kaiserreiches. Sie dienten zur Beglaubigung offizieller Dokumente, Befehle, Bescheinigungen und sonstiger dienstlicher Schriftstücke. Ohne ordnungsgemäße Siegelung galten viele Dokumente als nicht rechtskräftig. Die Verwendung von Blei als Kern war dabei durchaus üblich, da dieses Material die nötige Stabilität für den Siegelvorgang bot, während der Messingmantel Schutz und Langlebigkeit gewährleistete.

Das Reichsmarineamt wurde 1889 unter Staatssekretär Alfred von Tirpitz zu einer der wichtigsten Behörden des Deutschen Reiches ausgebaut. Es war verantwortlich für die gesamte Organisation, Verwaltung und den massiven Ausbau der Kaiserlichen Marine im Zeitalter der Flottenrüstung. Die systematische Registrierung und Verwaltung von Dienstsiegeln wie dem vorliegenden war Teil der umfassenden bürokratischen Organisation dieser Behörde.

Die Markierung “R XIII 937” folgt dem typischen Nummerierungssystem des Reichsmarineamtes. Das “R” steht wahrscheinlich für “Reich” oder “Reichsmarine”, während die römische Ziffer XIII auf eine bestimmte Abteilung oder Kategorie innerhalb des Verwaltungssystems hinweist. Die arabische Zahl 937 ist die spezifische Registrierungsnummer dieses Siegels.

Der historische Kontext “Restbestand aus dem ehemaligen Reichsmarineamt, um 1919” ist von besonderer Bedeutung. Nach dem Ende des Ersten Weltkrieges und der Novemberrevolution 1918 wurde die Kaiserliche Marine aufgelöst. Der Vertrag von Versailles (1919) beschränkte die deutsche Seemacht drastisch. Das Reichsmarineamt wurde in diesem Zuge aufgelöst, und seine umfangreichen Bestände an Dokumenten, Ausrüstung und Verwaltungsmaterialien wurden liquidiert oder verteilt.

Viele Gegenstände aus diesen Beständen gelangten in den Jahren 1919-1920 auf verschiedenen Wegen in private Hände oder in den Handel. Einiges wurde von ehemaligen Marineangehörigen als Erinnerungsstücke mitgenommen, anderes wurde im Zuge der Demobilisierung verkauft oder entsorgt. Solche Objekte sind heute wichtige historische Zeugnisse der untergegangenen Kaiserlichen Marine und ihrer Verwaltungsstrukturen.

Die Flottenstammdivision als Institution war Teil des komplexen Systems der Personalverwaltung der Marine. Sie unterschied sich von den aktiven Flottenverbänden dadurch, dass sie nicht primär operative Aufgaben hatte, sondern für die Rekrutierung, Grundausbildung und Verwaltung der Mannschaften zuständig war. Von hier aus wurden Seeleute den verschiedenen Schiffen und Einheiten zugeteilt.

Technisch gesehen wurde das Siegel durch Erhitzen und anschließendes Aufdrücken auf Siegellack verwendet. Der Dorn auf der Rückseite diente zur Befestigung in einem hölzernen oder metallenen Griff, der die Handhabung erleichterte. Die Siegelfläche selbst trug in erhabener oder vertiefter Form die Bezeichnung der Dienststelle, möglicherweise ergänzt durch den Reichsadler oder andere Hoheitszeichen.

Für Sammler und Historiker sind solche Dienstsiegel heute wertvolle Objekte, da sie die administrative Realität der Kaiserlichen Marine dokumentieren. Sie ergänzen unser Verständnis der Organisation, die weit über die bekannten Schlachtschiffe und Seegefechte hinausging. Die Marine war ein hochkomplexer bürokratischer Apparat mit Zehntausenden von Angestellten, Beamten und Offizieren.

Der Erhaltungszustand wird als “Zustand 2” angegeben, was nach üblichen Sammlerkategorien auf einen guten bis sehr guten Zustand mit geringen Gebrauchsspuren hindeutet. Dies ist für ein Objekt, das über 100 Jahre alt ist und aus einer untergegangenen Institution stammt, bemerkenswert.