Historischer Hintergrund: Die Kriegsmarine
Kriegsmarine Kantinenbesteck – Gabel
Das vorliegende Objekt ist eine versilberte Gabel aus dem Kantinenbesteck der Kriegsmarine, der deutschen Marinestreitkraft während der Zeit des Nationalsozialismus. Als alltäglicher Gebrauchsgegenstand des militärischen Lebens an Bord von Kriegsschiffen, U-Booten und in Landeinrichtungen bietet dieses Stück einen faszinierenden Einblick in die materielle Kultur der deutschen Marine zwischen 1935 und 1945.
Die Kriegsmarine war neben dem Heer und der Luftwaffe einer der drei offiziellen Zweige der Wehrmacht, der deutschen Streitkräfte von 1935 bis 1945. Im Jahr 1935 wurde die bisherige Reichsmarine in Kriegsmarine umbenannt. Als die Nationalsozialisten 1933 an die Macht kamen, begann Hitler bald, viele der Beschränkungen des Versailler Vertrages immer offener zu ignorieren und die deutsche Marinerüstung zu beschleunigen. Das deutsch-britische Flottenabkommen vom 18. Juni 1935 erlaubte Deutschland schließlich den Aufbau einer Flotte. Jedes Stück aus dem Marinebestand – ob Porzellan oder Besteck – trug Bodenmarkierungen, die den Hersteller identifizierten, sowie einen militärischen Abnahmestempel. Jeder Zweig und jede Dienststelle der Wehrmacht verfügte über eigene stilisierte militärische Stempel.
Das Objekt: Form und Funktion
Bei dem hier beschriebenen Stück handelt es sich um eine Gabel (Gabel) aus einer Kantine oder einem Offizierskasino der Kriegsmarine. Die Gabel ist versilbert und weist eine Länge von ungefähr 21 cm auf. Als Grundmaterial diente entweder Neusilber (eine Kupfer-Nickel-Zink-Legierung, auch als „German Silver“ bekannt) oder rostfreier Stahl, der anschließend mit einer Silberschicht überzogen wurde. Die Qualität des verwendeten Materials – ob Aluminium, rostfreier Stahl oder Silberauflage – war typischerweise von hoher Güte.
Das Kantinenbesteck der Kriegsmarine wurde von zahlreichen Herstellern produziert. Zu den bekannten Markennamen und Herstellerbezeichnungen zählen „WELLO“, „HL Rostfrei“, „Blancadur“ und weitere. Die vorliegende Gabel trägt eine teilweise lesbare Herstellermarkierung „...90“ sowie den charakteristischen Hoheitsadler über dem Buchstaben „M“, der die Zugehörigkeit zur Kriegsmarine kennzeichnet. Der Adler hält dabei das Hakenkreuz-Emblem, welches eingekreist dargestellt ist, mit dem Buchstaben „M“ darunter.
Verwendung und Klassifikation
Das Kantinenbesteck der Kriegsmarine wurde von Mannschaften und Offizieren gleichermaßen an Bord von Überwasserschiffen, U-Booten und in Landeinrichtungen verwendet. Allerdings gab es eine klare Unterscheidung in der Materialqualität: Während einfache Mannschaftsdienstgrade Besteck aus Aluminium oder rostfreiem Stahl erhielten, war versilbertes Besteck wie die hier vorliegende Gabel den Marineoffizieren vorbehalten. Diese Unterscheidung spiegelt die strenge Hierarchie wider, die innerhalb der deutschen Streitkräfte herrschte und sich bis in die alltäglichsten Bereiche des Dienstlebens erstreckte.
Die Verwendung von versilbertem Besteck in den Offizierskasinos und -kantinen stand in einer langen Tradition der deutschen Marine, die bis in die späten 1880er Jahre zurückreicht. Dieser Brauch wurde über verschiedene politische Systeme hinweg – vom Kaiserreich über die Weimarer Republik bis zum Dritten Reich – beibehalten und zeugt von der Kontinuität maritimer Offizierskultur.
Das Ende der Kriegsmarine
Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs im Jahr 1945 wurden die verbliebenen Schiffe der Kriegsmarine unter den alliierten Siegermächten aufgeteilt. Die Kriegsmarine wurde im August 1946 durch die Alliierte Kontrollkommission offiziell aufgelöst. Mit der Auflösung der Kriegsmarine endete auch die Produktion des militärisch gestempelten Bestecks, und die noch vorhandenen Stücke gelangten als Kriegsbeute, Überbleibsel oder über den Antiquitätenhandel in private Sammlungen.
Sammlerwert und Bedeutung
Für Sammler militärischer Memorabilien stellt dieses Stück ein authentisches Zeugnis des täglichen Lebens in der Kriegsmarine dar. Der auf der Rückseite gestempelte Hoheitsadler über dem „M“ dient als eindeutiges Identifikationsmerkmal für Kriegsmarine-Ausgabestücke. Die Vielfalt der Hersteller und Materialvarianten macht das Sammeln von Kriegsmarine-Kantinenbesteck zu einem interessanten Spezialgebiet, das sowohl die industrielle Kapazität des Dritten Reiches als auch die Alltagskultur der deutschen Marine dokumentiert. Das Stück befindet sich laut Beschreibung im Zustand 2, was auf eine gute Erhaltung hinweist.