Preußen 1. Weltkrieg Kleiner Nachlass des Kanoniers «Schlichting» im 2. Pommerschen Fußartillerie-Regiment Nr. 15

Heimatstandort Bromberg/Graudenz. Militärpass und Postkarte. Dabei Anstecknadel Fußartillerie-Bataillon Nr. 35, wahrscheinlich war der Kannonier zeitweise dorthin abkommandiert. Der Kannonier «Schlichting» wurde zweimal verwundet und erhielt 1918 das Eiserne Kreuz 2. Klasse. Zustand 2.
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Preußen 1. Weltkrieg Kleiner Nachlass des Kanoniers «Schlichting» im 2. Pommerschen Fußartillerie-Regiment Nr. 15

Der hier vorliegende Nachlass dokumentiert den Militärdienst des Kanoniers Schlichting während des Ersten Weltkrieges im 2. Pommerschen Fußartillerie-Regiment Nr. 15. Dieser Nachlass bietet einen authentischen Einblick in das Leben eines einfachen Soldaten der kaiserlichen Armee und die organisatorische Struktur der deutschen Artillerieeinheiten zwischen 1914 und 1918.

Das 2. Pommersche Fußartillerie-Regiment Nr. 15 war eine Einheit der preußischen Armee mit den Heimatstandorten Bromberg (heute Bydgoszcz, Polen) und Graudenz (heute Grudziądz, Polen) in der damaligen Provinz Pommern. Diese Regimenter waren Teil des umfangreichen Mobilmachungsplans des Deutschen Kaiserreichs und spielten eine wesentliche Rolle in der schweren Artillerie, die für die Belagerung von Festungen und die Unterstützung der Infanterie bei Angriffsoperationen eingesetzt wurde.

Die Fußartillerie unterschied sich von der berittenen oder fahrenden Artillerie durch ihre größere Geschützkaliber und ihre begrenzte Mobilität. Die schweren Geschütze der Fußartillerie-Regimenter wurden hauptsächlich in Stellungskämpfen und bei Belagerungen eingesetzt, was während des Ersten Weltkrieges, insbesondere an der Westfront, zur Norm wurde. Die Bedienungsmannschaften dieser Geschütze, zu denen Kanoniere wie Schlichting gehörten, waren für das Laden, Zielen und Abfeuern der schweren Artilleriegeschütze verantwortlich - eine gefährliche und physisch fordernde Aufgabe.

Der Militärpass, der zu diesem Nachlass gehört, war ein essentielles Dokument für jeden deutschen Soldaten. Er enthielt detaillierte Informationen über den militärischen Werdegang des Soldaten, einschließlich seiner Stammrolle, Einheitszugehörigkeit, Beförderungen, Verwundungen und Auszeichnungen. Diese Pässe dienten sowohl als Identitätsnachweise als auch als vollständige Dokumentation der Militärkarriere und sind heute unschätzbare Quellen für die militärhistorische Forschung.

Besonders bemerkenswert ist die Anstecknadel des Fußartillerie-Bataillons Nr. 35, die darauf hindeutet, dass Schlichting zeitweise zu dieser Einheit abkommandiert war. Solche Versetzungen waren während des Krieges üblich, da Truppen je nach operativen Notwendigkeiten an verschiedene Frontabschnitte verlegt wurden. Das Fußartillerie-Bataillon Nr. 35 war ursprünglich eine württembergische Formation, was auf eine Verlegung zwischen verschiedenen Armeekorps hinweist - ein Zeichen für den totalen Charakter des Krieges und die Notwendigkeit, Ressourcen flexibel einzusetzen.

Die Tatsache, dass Schlichting zweimal verwundet wurde, unterstreicht die Gefahren, denen Artilleristen ausgesetzt waren. Obwohl sie nicht an vorderster Front kämpften, waren Artilleriestellungen bevorzugte Ziele für feindliches Gegenfeuer. Die Verwundungen zeugen von der Härte des Krieges und dem persönlichen Opfer, das dieser Soldat brachte.

Die Verleihung des Eisernen Kreuzes 2. Klasse im Jahr 1918 war eine bedeutende Auszeichnung. Das Eiserne Kreuz wurde 1813 gestiftet und 1914 für den Ersten Weltkrieg neu aufgelegt. Die 2. Klasse war die häufigste Stufe dieser Auszeichnung, aber dennoch eine wichtige Anerkennung für militärische Verdienste. Sie wurde für Tapferkeit vor dem Feind, Führungsqualitäten oder außergewöhnliche Leistungen im Dienst verliehen. Die Verleihung im Jahr 1918, dem letzten Kriegsjahr, erfolgte zu einer Zeit, als die deutsche Armee unter enormem Druck stand und ihre letzten Offensiven unternahm, bevor sie schließlich kapitulieren musste.

Die beigefügte Postkarte ist ebenfalls von historischem Interesse. Feldpostkarten waren das wichtigste Kommunikationsmittel zwischen Soldaten an der Front und ihren Familien in der Heimat. Sie bieten oft persönliche Einblicke in die Gedanken und Gefühle der Soldaten und sind wichtige Zeugnisse der Alltagsgeschichte des Krieges.

Dieser Nachlass repräsentiert das Schicksal von Millionen deutscher Soldaten, die im Ersten Weltkrieg dienten. Die meisten von ihnen waren keine Berufssoldaten, sondern Wehrpflichtige, die aus allen Schichten der Gesellschaft kamen. Ihre persönlichen Hinterlassenschaften - Militärpässe, Auszeichnungen, Briefe und Fotografien - sind heute wertvolle historische Quellen, die uns helfen, die menschliche Dimension dieses verheerenden Konflikts zu verstehen, der das moderne Europa grundlegend veränderte und zum Ende der monarchischen Ordnung in Deutschland führte.