Preußen Pelzmütze für Offiziere im 1. Leib-Husaren-Regiment
Eine schöne alte Pelzmütze eines Danziger Husarenoffiziers, hergestellt um 1885 und über viele Jahre getragen.
Unter den eindrucksvollsten Kopfbedeckungen der preußischen Kavallerie nimmt die Pelzmütze (auch als Busby bekannt) der Leib-Husaren eine besondere Stellung ein. Das vorliegende Exemplar, gefertigt um 1885/90, gehörte einem Offizier des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1, stationiert in Danzig-Langfuhr, und verkörpert eine der ruhmreichsten Traditionen der preußischen Militärgeschichte – die der Totenkopfhusaren.
Die Geschichte des 1. Leib-Husaren-Regiments Nr. 1 reicht zurück bis zum 9. August 1741, als König Friedrich II. das 5. Husaren-Regiment gründen ließ, zunächst unter dem Kommando von Oberst von Ruesch. Schon bald als Regiment schwartze Husaren bekannt, nahm das Regiment unter Friedrich dem Großen den Totenkopf als Abzeichen an und trug diesen symbolträchtigen Emblem bereits während des Österreichischen Erbfolgekriegs und des Siebenjährigen Kriegs. Die „Schwarzen Husaren“ oder „Totenkopfhusaren“ erlangten einen legendären Ruf.
Im Jahr 1808 wurde das Regiment in das 1. und 2. Leib-Husaren-Regiment aufgeteilt. Die offizielle Bezeichnung 1. Leib-Husaren-Regiment Nr. 1 erfolgte 1861. Das Regiment bewährte sich in den deutschen Einigungskriegen: bei der Schlacht von Königgrätz 1866 und im Deutsch-Französischen Krieg 1870/71 bei der Schlacht von Sedan.
Die Pelzmütze war das unverwechselbare Kennzeichen der preußischen Husarenregimenter. Das vorliegende Offiziersexemplar zeichnet sich durch mehrere charakteristische Merkmale aus. An der Vorderseite befindet sich ein großes versilbertes Bandeau mit der Inschrift „Mit Gott für König und Vaterland“ in der besonders gewölbten Ausführung, die für die Leibhusaren typisch war. Darunter prangt der große Totenkopf aus Neusilber, dessen Augen mit schwarzem Samt gefüttert sind – ein makabres, doch ehrfurchtgebietendes Detail. Der rote Kolpak, der von oben herabhing, identifizierte den Träger eindeutig als Angehörigen des 1. Leib-Husaren-Regiments – im Unterschied zum 2. Leib-Husaren-Regiment, das einen weißen Kolpak trug. Beide Regimenter führten zwar den Totenkopf, doch das 1. Regiment trug einen weißen Totenkopf auf schwarzem Grund, während das 2. einen schwarzen auf weißem Grund führte.
Weitere Ausstattungsmerkmale umfassen die gewölbten Schuppenketten, das preußische Offiziersfeldzeichen oben auf der Mütze, die gerollte Fangschnur mit schwarzen Durchzügen sowie den schwarz-weißen Reiherfederbusch mit silberner verzierter Tülle. Die Innenseite weist ein helles Schweißleder und schwarzes Seidenfutter auf.
Offiziersexemplare unterschieden sich von den Pelzmützen der Mannschaften und Unteroffiziere durch metallene Schuppenketten anstelle eines Lederriemens, hochwertigeres Pelzmaterial und die überlegene Qualität sämtlicher Metallbeschläge. Offiziere erwarben ihre Ausrüstung in der Regel privat von verschiedenen Herstellern.
Ein bemerkenswertes Detail dieser Pelzmütze betrifft die Kokarden. Die Reichskokarde wurde am 22. März 1897 eingeführt, zum Gedenken an den 100. Geburtstag von Kaiser Wilhelm I., und war vorschriftsgemäß auf der rechten Seite zu tragen.
Die Pelzmütze wurde von den Offizieren des Regiments zur Paradekleidung und auch noch in den ersten Phasen des Ersten Weltkriegs getragen. Im Zuge der Modernisierung der Feldausrüstung wurde die Fangschnur durch Erlass vom 9. Juni 1911 nicht mehr zur Felduniform getragen. Der Kolpak wurde durch Erlass vom 14. Februar 1913 vom Felddienst entfernt. Ab 1916 ersetzten Stahlhelme die Pelzmützen im Kampfeinsatz, obwohl sie teilweise für zeremonielle Zwecke weiter Verwendung fanden.
Das Regiment zählte illustre Persönlichkeiten zu seinen Angehörigen. Kaiser Wilhelm II. war Regimentschef, und Kronprinz Wilhelm bekleidete einen Rang im Regiment. Die wohl berühmteste Persönlichkeit war Generalfeldmarschall August von Mackensen, der das Regiment vom 17. Juni 1893 bis zum 27. Januar 1898 kommandierte und danach à la suite gestellt wurde. Mackensen trug die markante Totenkopf-Husaren-Uniform zeitlebens weiter und wurde als „Der letzte Husar“ bekannt – ein Sinnbild einer vergangenen militärischen Epoche.
Im Ersten Weltkrieg wurde das Regiment zunächst an der Westfront eingesetzt – im August 1914 mit der Leib-Husaren-Brigade an der Marne und bei Arras. Im Herbst 1914 erfolgte die Verlegung an die Ostfront, wo das Regiment in Galizien, bei der Schlacht von Riga und bei der Besetzung der Inseln Ösel und Dagö kämpfte. Nach dem Vertrag von Brest-Litowsk im März 1918 verblieb das Regiment als Besatzungstruppe in Russland.
Im Januar 1919 kehrte das Regiment nach Danzig zurück, wo die Demobilisierung begann und das Regiment nach 178 Jahren Dienst aufgelöst wurde. Die Tradition wurde in der Reichswehr von der 1. Schwadron des 5. (Preußischen) Reiter-Regiments in Belgard fortgeführt. In der Wehrmacht übernahm das Kavallerie-Regiment 5 die Tradition, das 1944 das Ärmelband „Generalfeldmarschall v. Mackensen“ verliehen bekam. Noch heute führen die chilenischen Húsares de la Muerte de Angol die Tradition der Leib-Husaren-Regimenter fort.
Diese Pelzmütze ist somit weit mehr als ein militärisches Sammlerstück – sie ist ein greifbares Zeugnis einer der ältesten und ehrwürdigsten Husarentraditionen Preußens, die von den Schlachtfeldern Friedrichs des Großen bis in die Schützengräben des Ersten Weltkriegs reichte.