Wehrmacht Heer Schiffchen eines Offizier und Wehrmachtsbeamten
Das Schiffchen (auch als Lagermütze oder Feldmütze bezeichnet) stellte während des Zweiten Weltkrieges eine der gebräuchlichsten Kopfbedeckungen der deutschen Wehrmacht dar. Dieses spezielle Exemplar gehörte einem Offizier oder Wehrmachtsbeamten des Heeres und repräsentiert die charakteristische Ausführung dieser Dienstgradgruppe aus der Zeit von 1935 bis 1945.
Die Entwicklung des Schiffchens als militärische Kopfbedeckung lässt sich bis ins 19. Jahrhundert zurückverfolgen. Nach dem Ersten Weltkrieg und der Gründung der Reichswehr im Jahr 1921 wurde diese praktische Kopfbedeckung beibehalten. Mit der Wiedereinführung der allgemeinen Wehrpflicht 1935 und der Umbenennung in Wehrmacht wurden die Uniform- und Ausrüstungsvorschriften neu geregelt, wobei das Schiffchen seinen festen Platz in der Dienstkleidung behielt.
Die Fertigung aus feldgrauem Tuch entspricht der standardisierten Farbgebung des Heeres, die sich deutlich von der feldgrauen Variante der Luftwaffe und der feldgrauen bis steingrauen Ausführung anderer Teilstreitkräfte unterschied. Die umlaufende silberne Paspelierung war das charakteristische Erkennungsmerkmal für Offiziere und Wehrmachtsbeamte im Offiziersrang. Diese Paspelierung bestand aus gewebtem Metallgespinst und hob sich deutlich von den einfacheren Ausführungen der Mannschaften und Unteroffiziere ab, die entweder keine oder eine andersfarbige Paspelierung trugen.
Der Hoheitsadler der Wehrmacht, in Metallfaden gewebt, wurde oberhalb der Kokarde auf der rechten Seite des Schiffchens angebracht. Dieser Adler mit gespreizten Schwingen, der ein Hakenkreuz in seinen Fängen hält, wurde nach der Heeresverordnung vom 17. Februar 1934 als nationales Emblem eingeführt. Die Ausführung in Metallfaden-Webung war typisch für Offiziersausführungen und unterschied sich von den gestickten oder gedruckten Varianten der Mannschaftsdienstgrade.
Die schwarz-weiß-rote Kokarde stellte die traditionelle deutsche Militärkokarde dar, die ihre Wurzeln im Kaiserreich hatte. Nach 1935 wurde sie mit einem äußeren Kranz in den Nationalfarben versehen. Die Platzierung links vom Adler folgte den präzisen Vorschriften der Heeresdienstvorschrift (HDv) 45/1 über die “Uniformierung des Heeres”.
Der dunkelgrüne Soutachewinkel auf der linken Seite des Schiffchens identifiziert den Träger als Angehörigen der Waffenfarbe Dunkelgrün, die verschiedenen Truppengattungen zugeordnet war. Dunkelgrün war unter anderem die Waffenfarbe für Gebirgstruppen, Panzerabwehr (anfänglich), sowie bestimmte Verwaltungsdienste. Die Soutache, eine schmale geflochtene oder gewebte Schnur, bildete einen charakteristischen Winkel und diente der schnellen Identifikation der Waffengattung.
Die Innenausstattung mit braunem Schweißleder und schwarzem Seidenfutter entspricht der hochwertigen Verarbeitung von Offiziersausführungen. Das Schweißleder diente dem Tragekomfort und der Absorption von Feuchtigkeit, während das Seidenfutter die Qualität und den Status des Trägers unterstrich. Die angegebene Kopfgröße von circa 57 1/2 entspricht dem deutschen Maßsystem, das den Kopfumfang in Zentimetern angibt.
Offiziere trugen das Schiffchen hauptsächlich im Dienst innerhalb von Gebäuden, bei Ausgangsuniform oder in Situationen, in denen die Schirmmütze oder der Stahlhelm nicht erforderlich waren. Es war Teil der Dienstanzugsordnung und musste den exakten Vorschriften entsprechen, die Materialien, Farben und Abzeichen detailliert festlegten.
Wehrmachtsbeamte waren zivile Beamte im Dienst der Wehrmacht, die militärähnliche Uniformen trugen, aber keinen militärischen Kombattantenstatus besaßen. Sie wurden in verschiedenen Verwaltungs- und technischen Bereichen eingesetzt. Ihre Rangabzeichen entsprachen weitgehend denen der Offiziere, wobei die silberne Paspelierung ihre Zugehörigkeit zur Offiziersgruppe kennzeichnete.
Die Produktion von Uniformteilen wie dem Schiffchen erfolgte durch zahlreiche zivile Zulieferbetriebe, die nach Wehrmachtsvorgaben arbeiteten. Mit fortschreitendem Kriegsverlauf wurden Materialien knapper, und die Qualität musste teilweise Kompromissen weichen. Offiziersausführungen behielten jedoch generell länger ihre hochwertige Verarbeitung bei, da Offiziere ihre Uniformstücke häufig selbst beschafften oder bei spezialisierten Schneidereien anfertigen ließen.
Heute stellen solche Originalstücke wichtige militärhistorische Dokumente dar, die Einblick in die Uniformierungs- und Rangordnung der Wehrmacht geben. Der angegebene Zustand 2 nach der gängigen Bewertungsskala für Militaria deutet auf ein gut erhaltenes Exemplar mit geringen Gebrauchsspuren hin. Solche Objekte dienen der wissenschaftlichen Erforschung und musealen Dokumentation dieser historischen Epoche.