Bayern Pickelhaube für einen Offizier der Feldartillerie-Regimenter mit Paradebusch
Die bayerische Pickelhaube Modell 1886/1914 für Offiziere der Feldartillerie-Regimenter repräsentiert die letzte Entwicklungsstufe einer langen Reihe von Spitzhauben, die das deutsche Militär des 19. und frühen 20. Jahrhunderts prägten. Bayern war der letzte deutsche Staat, der diese charakteristische Kopfbedeckung einführte, nachdem das Königreich seit den Napoleonischen Kriegen sein eigenes Raupenhelm-Design getragen hatte.
Die Pickelhaube wurde am 23. Oktober 1842 durch königliche Kabinettsorder offiziell von der preußischen Armee angenommen. Nach der Militärkonvention von 1871, die die vereinheitlichte kaiserliche Armee formalisierte, hatten bis 1886 alle deutschen Staaten die Pickelhaube übernommen. Bayern vollzog diesen Schritt 1886/1887 als letzter Bundesstaat und führte damit das Modell 1886 ein, das sich durch seinen kreuzförmigen Spitzenansatz auf allen Helmen auszeichnete, sowohl bei Mannschafts- als auch bei Offiziershelmen.
Das vorliegende Exemplar verkörpert die charakteristischen Merkmale eines Offiziershelms der bayerischen Feldartillerie. Offizierversionen unterschieden sich durch mehrere besondere Kennzeichen: Sternförmige Haltstifte an der Basis, größere und aufwendigere Kokarden sowie der Perlring mit Eierstabmuster um die Spitzenbasis. Die Helmglocke aus Vulkanfiber war schwarz lackiert und mit vergoldeten Beschlägen versehen. Das kreuzförmige Spitzenunterteil erlaubte das Abschrauben der Spitze, die dann durch einen hohen metallenen Buschhalter, den sogenannten Trichter, ersetzt werden konnte.
Die kleinere Ausführung des Helmemblems, der bayerischen Wappenplatte mit dem Staatsmotto “In Treue Fest”, deutet auf die um 1914 eingeführte reduzierte Variante hin. An der Vorderseite prangte der eckige Vorderschirm, während die schwach gewölbten Schuppenketten an Rosetten befestigt waren. Die Artillerie und Kavallerie trugen geschwungene Kinnketten, während die Infanterie bis zum 20. Februar 1914 flache Ketten verwendete, bevor alle bayerischen Kinnketten auf die geschwungene Form umgestellt wurden.
Der rote Paradebusch war das charakteristische Kennzeichen der bayerischen Artillerieoffiziere. Dieser wurde nur bei Paraden getragen, nicht im Felddienst. Das Innere des Helms war mit einem braunen Lederschweißband und braungrünem Seidenripsfutter ausgestattet, wobei der Vorderschirm grün und der Nackenschirm rot gefüttert war – dies entsprach der Standardausstattung für Offiziershelme.
Ein wesentliches Merkmal der Offiziershelme war, dass sie nicht von der Armee ausgegeben wurden, sondern von den Offizieren privat bei Herstellern erworben werden mussten. Dies erklärt die höhere Qualität und individuellere Ausführung dieser Helme im Vergleich zu Mannschaftshelmen. Ab 1892 wurde für Manöver und aktiven Dienst ein hellbrauner Stoffüberzug (Modell 1892 Überzug) zum Standard, um den Helm zu schützen und die Sichtbarkeit zu reduzieren.
Der Schutz, den die Pickelhaube bot, war allerdings sehr begrenzt. Dies führte letztendlich zu ihrer Ablösung durch den Stahlhelm ab 1916. Im September 1915 wurde angeordnet, dass Helme an der Front ohne Spitzen getragen werden sollten. Beginnend 1916 wurde die Pickelhaube schrittweise durch den neuen deutschen Stahlhelm ersetzt. Während des Krieges wurden Helme aus Kriegsmetall hergestellt, wobei die Beschläge aus vergoldetem Zink anstelle von vergoldetem Messing gefertigt wurden, um Materialengpässe zu bewältigen.
Die Pickelhaube wurde in der alliierten Propaganda des Ersten Weltkriegs intensiv verwendet und war in den ersten Monaten des Krieges ein beliebtes Ziel für alliierte Souvenirjäger. Mit dem Zusammenbruch des Deutschen Kaiserreichs 1918 hörte die Pickelhaube auf, Teil der militärischen Uniform zu sein. Nach der Einführung des Stahlhelms wurde die Pickelhaube auf begrenzte zeremonielle Verwendung durch höhere Offiziere außerhalb der Kriegszonen beschränkt.
Heute ist die Pickelhaube ein beliebtes und lohnendes Sammelgebiet der Militaria. Offiziershelme erzielen typischerweise Preise zwischen 800 und über 2.500 Pfund. Die Pickelhaube bleibt in mehreren Ländern Teil der Parade- oder Zeremonialuniform, darunter Schwedens Life Guards, die portugiesische Nationalgarde und Militäreinheiten in Chile, Kolumbien, Bolivien, Venezuela und Ecuador.