Bund Deutscher Mädel (BDM) Gebietsdreieck "Nord Nordsee"

Bevo gewebt, leicht getragen, Zustand 2.
440328
120,00

Bund Deutscher Mädel (BDM) Gebietsdreieck "Nord Nordsee"

Das Gebietsdreieck "Nord Nordsee" des Bundes Deutscher Mädel (BDM) stellt ein bedeutendes Zeugnis der nationalsozialistischen Jugendorganisation dar, die zwischen 1930 und 1945 existierte. Der BDM bildete die weibliche Jugendorganisation der NSDAP und war das Gegenstück zur Hitler-Jugend (HJ) für Mädchen im Alter von 10 bis 18 Jahren.

Der Bund Deutscher Mädel wurde offiziell 1930 gegründet und entwickelte sich zur größten weiblichen Jugendorganisation der Welt mit über 4,5 Millionen Mitgliedern auf ihrem Höhepunkt im Jahr 1944. Nach der Machtübernahme 1933 und besonders nach dem Gesetz über die Hitler-Jugend vom 1. Dezember 1936 wurde die Mitgliedschaft faktisch verpflichtend für alle deutschen Mädchen.

Die organisatorische Struktur des BDM war hierarchisch gegliedert und spiegelte die territoriale Aufteilung des Deutschen Reiches wider. Die größte Verwaltungseinheit war das Obergau, gefolgt von Gauen, Untergauen, Ringen, Gruppen und Scharen. Das hier beschriebene Gebietsdreieck gehört zum Gebiet "Nord Nordsee", das den norddeutschen Küstenbereich umfasste.

Das Gebietsdreieck war ein textiles Abzeichen, das auf der Uniform getragen wurde und die regionale Zugehörigkeit der Trägerin kennzeichnete. Diese Dreiecke wurden typischerweise auf dem linken Oberarm der BDM-Uniform befestigt und dienten der schnellen Identifikation der Herkunftsregion bei überregionalen Veranstaltungen, Lagern und Treffen.

Die Herstellung erfolgte im Bevo-Webverfahren (Bandfabrik Ewald Vorsteher aus Wuppertal-Barmen), einer speziellen Webtechnik, die hochwertige, detaillierte Textilabzeichen ermöglichte. Das Bevo-Verfahren war die bevorzugte Herstellungsmethode für viele NS-Organisationsabzeichen, da es haltbare und präzise Designs produzierte. Die Abzeichen waren in der Regel in den charakteristischen Farben des BDM gehalten: weiß-schwarz auf braunem oder blauem Grund.

Das Gebiet Nord Nordsee umfasste geografisch die Küstenregionen an der Nordsee, einschließlich Teilen von Schleswig-Holstein und möglicherweise der Küstengebiete Niedersachsens. Die genaue territoriale Ausdehnung variierte im Laufe der Jahre entsprechend administrativer Neuorganisationen.

Die BDM-Uniform bestand typischerweise aus einer weißen Bluse, einem dunkelblauen Rock, einem braunen Halstuch mit Lederknoten, einer blauen Kluftjacke und schwarzen Schuhen. Das Gebietsdreieck war ein obligatorischer Bestandteil der Volluniform und musste bei allen offiziellen Anlässen getragen werden.

Die Aktivitäten des BDM umfassten ideologische Schulung, Sport, Heimabende, Zeltlager und die Vorbereitung auf die "künftige Rolle als Mutter und Hausfrau" im nationalsozialistischen Staat. Während des Krieges wurden die Mädchen zunehmend für kriegswichtige Aufgaben wie Erntehilfe, Luftschutz und Sanitätsdienste herangezogen.

Die Zustandsbeschreibung "leicht getragen, Zustand 2" deutet darauf hin, dass dieses spezifische Exemplar tatsächlich im Dienst verwendet wurde und authentische Gebrauchsspuren aufweist. Dies unterscheidet es von nie getragenen Lagerbeständen und verleiht ihm historischen Wert als Objekt, das tatsächlich Teil der Alltagserfahrung einer jungen Frau im Dritten Reich war.

Heute sind solche Abzeichen wichtige Studienobjekte für Historiker, die die Organisation und Indoktrinierung der Jugend im Nationalsozialismus erforschen. Sie dokumentieren die umfassende Durchdringung der Gesellschaft durch NS-Organisationen und die systematische Erfassung der Jugend für ideologische Zwecke.

Nach 1945 wurde der BDM zusammen mit allen anderen NS-Organisationen durch den Alliierten Kontrollrat aufgelöst und verboten. Die Sammlung und der Besitz solcher historischen Objekte zu wissenschaftlichen und dokumentarischen Zwecken ist legal, solange sie nicht zur Verherrlichung des Nationalsozialismus verwendet werden.