Elastolin - Heer Soldat kriechend mit Pistole
Die Elastolin-Figur eines kriechenden Heersoldaten mit Pistole repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte und militärischen Miniaturkunst des 20. Jahrhunderts. Mit einer Größe von 7,5 cm gehört diese Figur zu den standardisierten Formaten, die die Hausser-Firma für ihre weltberühmte Elastolin-Reihe entwickelte.
Die Firma O. & M. Hausser wurde 1904 in Ludwigsburg gegründet und entwickelte sich zu einem der bedeutendsten Hersteller von Massefiguren in Deutschland. Der Name “Elastolin” bezeichnete das patentierte Material, das hauptsächlich aus Kasein, Kreide, Glycerin und weiteren Zusatzstoffen bestand. Dieses Material war elastischer und bruchfester als das traditionelle Blei, das bis dahin für Spielzeugsoldaten verwendet wurde. Die Einführung erfolgte um 1926 und revolutionierte den Markt für militärische Miniaturen.
Die Darstellung eines kriechenden Soldaten mit Pistole spiegelt taktische Realitäten der Kriegsführung des frühen bis mittleren 20. Jahrhunderts wider. Die kriechende Position war eine grundlegende Bewegungsform für Infanteristen, besonders beim Vorrücken unter feindlichem Feuer oder bei Aufklärungsmissionen. Diese Haltung minimierte die Silhouette des Soldaten und bot besseren Schutz vor feindlichem Beschuss.
Die Bewaffnung mit einer Pistole deutet auf verschiedene militärische Rollen hin. Offiziere, Unteroffiziere, aber auch spezialisierte Einheiten trugen Pistolen als Sekundärwaffe oder Hauptwaffe bei bestimmten Einsätzen. Im deutschen Heer waren Pistolen wie die Luger P08 oder später die Walther P38 Standardseitenwaffen für Führungspersonal und bestimmte Truppengattungen.
Elastolin-Figuren wurden in mehreren Epochen produziert. Die Hochphase der Produktion militärischer Figuren lag zwischen den 1920er und 1940er Jahren. Die Figuren waren bemalt und detailliert gestaltet, wobei die Uniformdarstellungen zeitgenössische militärische Standards widerspiegelten. Die Wehrmacht-Uniformen zeigten typischerweise feldgrau gefärbte Uniformen mit charakteristischen Details wie Kragenspiegel, Schulterklappen und Helmformen.
Die Produktion bei Hausser erfolgte in mehreren Schritten: Zunächst wurden Metallformen erstellt, in die dann die Elastolin-Masse gegossen wurde. Nach dem Trocknen erfolgte die Bemalung von Hand, was jede Figur zu einem individuellen Stück machte. Die Qualität der Bemalung und der Erhaltungszustand sind heute wichtige Kriterien für Sammler.
Der Zustand 2 in der Sammlerwelt bezeichnet üblicherweise ein sehr gut erhaltenes Exemplar mit minimalen Gebrauchsspuren. Dies ist besonders bemerkenswert für Elastolin-Figuren, da das Material anfällig für Beschädigungen, Farbabplatzungen und Risse sein konnte, besonders wenn die Figuren tatsächlich als Spielzeug verwendet wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde die Produktion militärischer Spielzeuge in Deutschland zunächst von den Alliierten verboten. Hausser stellte daraufhin auf zivile Themen um, darunter Cowboys, Indianer und Wildwest-Szenen. In den 1950er Jahren wurde die Produktion teilweise wieder aufgenommen, allerdings mit veränderten Schwerpunkten.
Heute sind Elastolin-Figuren begehrte Sammlerobjekte. Die militärhistorische Bedeutung liegt in ihrer Funktion als Zeitdokumente, die uns zeigen, wie militärische Realitäten in Spielzeugform umgesetzt und an die Zivilbevölkerung, insbesondere Kinder, vermittelt wurden. Sie spiegeln auch die Militarisierung der Gesellschaft in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts wider.
Die Sammlung und Erforschung solcher Objekte dient heute primär historischen und musealen Zwecken. Sie dokumentieren nicht nur Spielzeuggeschichte, sondern auch Uniformkunde, militärische Taktiken und gesellschaftliche Einstellungen zu Krieg und Militär in verschiedenen Epochen. Die Firma Hausser existierte bis in die 1980er Jahre, bevor sie ihre Produktion einstellte, was authentische Elastolin-Figuren zu endlichen historischen Artefakten macht.