Heer - Originalunterschrift von Ritterkreuzträger Oberst Eugen-Heinrich Bleyer

auf seiner Portraitpostkarte " Ritterkreuzträger Oberst Bleyer ", mit sehr schöner Tintensignatur " Bleyer Wiesbaden, 3.11.42. ". Die Karte ist beschnitten und hat rückseitig Klebereste.
Eugen-Heinrich Bleyer bekam als Oberstleutnant und Kommandeur des Inf.-Rgt.379 am 14.12.1941 das Ritterkreuz verliehen.
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Heer - Originalunterschrift von Ritterkreuzträger Oberst Eugen-Heinrich Bleyer

Diese Portraitpostkarte mit Originalunterschrift des Oberst Eugen-Heinrich Bleyer repräsentiert eine faszinierende Kategorie militärhistorischer Sammelobjekte aus dem Zweiten Weltkrieg. Die Karte trägt eine Tintensignatur vom 3. November 1942 aus Wiesbaden und zeigt einen der Ritterkreuzträger der Wehrmacht.

Eugen-Heinrich Bleyer wurde am 14. Dezember 1941 mit dem Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes ausgezeichnet, zu diesem Zeitpunkt im Rang eines Oberstleutnants als Kommandeur des Infanterie-Regiments 379. Diese Auszeichnung erfolgte während der kritischen Phase der deutschen Ostfront im ersten Kriegswinter, als die Wehrmacht vor Moskau zum Stillstand kam und ihre ersten großen Rückschläge erlitt.

Das Infanterie-Regiment 379 gehörte zur 170. Infanterie-Division, die im Sommer 1939 aufgestellt wurde und in verschiedenen Kriegsschauplätzen eingesetzt war. Die Verleihung des Ritterkreuzes an Bleyer würdigte seine Führungsleistungen in den schweren Abwehrkämpfen dieser Periode, als deutsche Kommandeure außergewöhnliche taktische Fähigkeiten beweisen mussten, um ihre Einheiten unter extremen Bedingungen zusammenzuhalten.

Portraitpostkarten von Ritterkreuzträgern waren während des Zweiten Weltkriegs ein weit verbreitetes Phänomen. Sie dienten mehreren Zwecken: der militärischen Propaganda, der Hebung der Heimatmoral und der persönlichen Korrespondenz der abgebildeten Offiziere. Diese Karten wurden oft in Serie produziert von spezialisierten Verlagen wie Hoffmann, Franke oder anderen fotografischen Ateliers, die Verträge mit dem Oberkommando der Wehrmacht hatten.

Die Herstellung solcher Karten folgte einem standardisierten Verfahren: Ein offizielles oder halboffizielles Portraitfoto des Offiziers wurde aufgenommen, üblicherweise in Uniform mit sichtbaren Auszeichnungen, besonders dem prominent am Hals getragenen Ritterkreuz. Diese Fotos wurden dann als Postkarten gedruckt, wobei auf der Rückseite Raum für persönliche Nachrichten und Adressen blieb. Die Bildseite zeigte typischerweise den Namen und Rang des Offiziers sowie oft die verliehene Auszeichnung.

Originalsignaturen auf solchen Karten erhöhen ihren historischen und sammlerischen Wert erheblich. Im Gegensatz zu massenhaft reproduzierten Druckerzeugnissen stellt eine eigenhändige Unterschrift eine direkte persönliche Verbindung zur historischen Person dar. Die hier vorliegende Signatur mit Tinte, datiert und mit Ortsangabe versehen, ist besonders aussagekräftig. Die Angabe “Wiesbaden, 3.11.42” deutet darauf hin, dass Bleyer sich zu diesem Zeitpunkt möglicherweise auf Heimaturlaub oder in einer Verwendung abseits der Front befand.

Der November 1942 markiert einen Wendepunkt des Zweiten Weltkriegs: Die Schlacht von El Alamein in Nordafrika war gerade verloren gegangen, und wenige Wochen später würde die 6. Armee in Stalingrad eingeschlossen werden. In diesem Kontext gewannen Propagandamaterialien, einschließlich solcher Portraitkarten von “Helden” und Ritterkreuzträgern, zusätzliche Bedeutung für die Aufrechterhaltung der Moral.

Die Beschreibung erwähnt, dass die Karte beschnitten wurde und rückseitig Klebereste aufweist. Dies sind typische Merkmale von Objekten, die in Sammelalben oder Erinnerungsbüchern eingeklebt waren - eine gängige Praxis sowohl während des Krieges als auch in der unmittelbaren Nachkriegszeit. Familien, Kameraden oder Sammler bewahrten solche signierten Karten als persönliche Erinnerungsstücke auf.

Das Ritterkreuz des Eisernen Kreuzes wurde am 1. September 1939 von Adolf Hitler als Wiederbelebung einer preußischen Militärauszeichnung gestiftet. Es wurde für außergewöhnliche Tapferkeit oder herausragende militärische Führungsleistung verliehen. Während des gesamten Krieges erhielten etwa 7.300 Angehörige der Wehrmacht und Waffen-SS diese Auszeichnung, was sie zu einer seltenen, aber nicht extrem außergewöhnlichen Ehrung machte.

Aus militärhistorischer Perspektive dokumentieren solche Objekte mehrere Aspekte: die Propagandastrukturen des NS-Regimes, die militärische Auszeichnungspraxis, die Alltagsgeschichte von Soldaten und ihren Familien sowie die individuelle Karriereentwicklung von Offizieren. Sie sind Primärquellen, die Einblicke in die Selbstdarstellung und öffentliche Wahrnehmung militärischer Führung in dieser Zeit bieten.

Heute werden solche Objekte von militärhistorischen Sammlern, Museen und Forschungseinrichtungen bewahrt. Sie dienen als Lehrmaterialien und Forschungsobjekte, wobei stets der historische Kontext und die kritische Reflexion über die dargestellte Epoche im Vordergrund stehen müssen.