III.Reich Polizei Degen für Unterführer .
Der Polizei-Unterführer-Degen Modell 1936 verkörpert einen zentralen Moment in der Geschichte der deutschen Polizeiuniformen und -ausrüstung während der nationalsozialistischen Herrschaft. Nach Adolf Hitlers Machtübernahme im Jahr 1933 begann eine umfassende Zentralisierung der deutschen Polizeikräfte, die in der systematischen Standardisierung von Uniformen und Ausrüstung mündete. Ein entscheidender Wendepunkt erfolgte am 17. Juni 1936, als Reichsführer-SS Heinrich Himmler die vollständige Kontrolle über die gesamte deutsche Polizeiorganisation übernahm. Diese Maßnahme schuf eine enge Verflechtung zwischen Polizei und SS, die sich auch in der Gestaltung der zeremoniellen Ausrüstung widerspiegelte.
Das standardisierte Polizeischwert-Design wurde 1936 über SS-Kanäle genehmigt und eingeführt, um frühere nichtstandardisierte Polizeischwerter zu ersetzen. Die Gestaltung lehnte sich eng an den 1935 vom Designer Karl Diebitsch eingeführten SS-Ehrendegen an, trug jedoch statt der SS-Runen das Polizeiadler-Abzeichen. Diese gestalterische Verwandtschaft unterstreicht die organisatorische und ideologische Verschmelzung beider Institutionen unter Himmlers Führung.
Die hier vorliegende Waffe wurde von Pet. Dan. Krebs (Peter Daniel Krebs) aus Solingen gefertigt, einem der wenigen RZM-autorisierten Hersteller mit der Kennzeichnung RZM M7/92 für SS- und Polizeischwerter. Das Unternehmen nahm 1860 seine Handelstätigkeit auf, wurde 1899 registriert und blieb bis zu seiner Auflösung 1954 unter der Leitung der Familie Krebs. Die Beschläge tragen Abnahmestempel von Gahr, einer der wichtigsten Qualitätskontrollfirmen für SS- und Polizeiblankwaffen.
Die Klinge aus vernickeltem Stahl trägt auf dem Erl das Herstellerzeichen von Pet. Dan. Krebs, das charakteristische Krebs-Symbol im Schild. Die Griffbeschläge bestehen ebenfalls aus vernickeltem Stahl mit Gahr-Abnahmemarken. Der Griff selbst ist aus schwarz gebeiztem Holz (typischerweise Walnuss oder Ebenholz) mit horizontaler Riffelung gefertigt, in den ein Adler aus Aluminium eingesetzt ist. Die Parierstange zeigt eine dekorative Verzierung mit sechs Eichenblättern, die durch Eicheln getrennt sind. Die Scheide besteht aus einem Stahlkörper mit schwarzer Emaille-Oberfläche und vernickelten Beschlägen in der charakteristischen Wotan-Knoten-Konfiguration am Scheidenhals.
Die Unterscheidung zwischen der Offiziersversion (Polizei-Führer-Degen) und der Unterführerversion ist deutlich erkennbar: Die Unterführerversion besitzt eine glatte Parierstangenkappe, während Offiziersvarianten eine gezahnte Kappe aufweisen. Zudem fehlt bei der Unterführerversion die Drahtumlaufwicklung am Griff, die bei Offizieren aus Aluminiumdraht besteht. Beide Varianten teilen jedoch das grundlegende D-Bügel-Design, das 1936 über SS-Kanäle genehmigt wurde.
Der Degen wurde von Polizei-Unterführern der Ordnungspolizei und verwandter deutscher Polizeiverbände bei zeremoniellen Anlässen, Dienstfunktionen und formellen Paraden getragen. Nach Himmlers Erlass von 1936 zur Übernahme der Kontrolle über die deutsche Polizei hielten viele Polizeiangehörige doppelte Mitgliedschaften in Polizei und SS. Das Schwert musste vom jeweiligen Offizier oder Unterführer privat erworben werden. Das Tragen war typischerweise auf Dienstanlässe beschränkt und Unterführern und Offizieren vorbehalten. Es wurde an ledernen Gehängen getragen, die unter der Uniform oder an externen Gürteln befestigt wurden. Zur vollständigen Ausstattung gehörte das Polizei-Unterführer-Portepee mit Lederriemen und zwei- oder dreifarbiger Flechtung in Silber und Rot oder Silber und Grün sowie einer Eichel als Knoten, ergänzt durch ein Ledergehänge.
Die Produktion dieser zeremoniellen Blankwaffen setzte sich bis etwa 1944 fort, als Befehle ergingen, dass autorisiertes Personal statt der zeremoniellen Klingen Schusswaffen zu tragen habe. Nach der Niederlage Deutschlands 1945 ordneten die alliierten Besatzungstruppen an, dass alle Waffen in deutschen Händen, einschließlich zeremonieller Klingen, abzugeben seien. Viele wurden durch Überfahren mit Fahrzeugen, Verbrennen, Vergraben oder Versenken zerstört. Tausende überlebten jedoch als Kriegstrophäen, die von alliierten Veteranen mit nach Hause gebracht wurden. Heute werden diese Schwerter als historische Artefakte gesammelt, wobei in mehreren Ländern, darunter Deutschland, Frankreich und Australien, moderne rechtliche Beschränkungen hinsichtlich des Verkaufs und Besitzes von NS-zeitlichen Objekten mit Hakenkreuzen und SS-Symbolen bestehen.