Königreich Italien 2. Weltkrieg, Ehrenmedaille der italienischen Mutter 

7 Schleifen, am Band, Abzeichen mit Aufschrift "Unione Fascista Famiglie Numerose", mit Verleihungstüte. Tüte ist beschädigt, Zustand 2.
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80,00

Königreich Italien 2. Weltkrieg, Ehrenmedaille der italienischen Mutter 

Die Medaglia d'onore della Madre Italiana (Ehrenmedaille der italienischen Mutter) stellt ein bedeutendes Zeugnis der faschistischen Bevölkerungspolitik im Königreich Italien während der Zeit des Zweiten Weltkriegs dar. Diese Auszeichnung wurde im Rahmen der pronationalistischen Kampagnen des faschistischen Regimes unter Benito Mussolini geschaffen, die darauf abzielten, das Bevölkerungswachstum zu fördern und kinderreiche Familien zu ehren.

Das faschistische Italien verfolgte seit den 1920er Jahren eine aggressive demografische Politik. Mussolini betrachtete eine wachsende Bevölkerung als essentiell für die nationale Stärke und die imperialen Ambitionen Italiens. Die “battaglia demografica” (demografische Schlacht) war ein zentraler Bestandteil der faschistischen Ideologie. Das Regime führte verschiedene Maßnahmen ein, um Geburten zu fördern, darunter Steuervergünstigungen für kinderreiche Familien, Strafen für Unverheiratete und die symbolische Ehrung fruchtbarer Mütter.

Die Ehrenmedaille der italienischen Mutter wurde durch königliches Dekret etabliert und an Mütter verliehen, die eine bestimmte Anzahl von Kindern geboren und großgezogen hatten. Die Auszeichnung existierte in verschiedenen Klassen, wobei die Anzahl der Schleifen am Band die Anzahl der Kinder symbolisierte. Das vorliegende Exemplar mit sieben Schleifen deutet auf eine Mutter mit sieben oder mehr Kindern hin, was als besondere Leistung im Dienste der Nation betrachtet wurde.

Die Unione Fascista Famiglie Numerose (Faschistische Union der kinderreichen Familien) war die Organisation, die für die Verwaltung und Verleihung dieser Auszeichnungen zuständig war. Diese 1928 gegründete Organisation war Teil des umfassenden Systems faschistischer Massenorganisationen, die alle Aspekte des italienischen Lebens durchdrangen. Die UFFN bot kinderreichen Familien nicht nur symbolische Anerkennung, sondern auch praktische Unterstützung in Form von Vergünstigungen, Zuschüssen und bevorzugtem Zugang zu staatlichen Dienstleistungen.

Die Medaille selbst wurde typischerweise aus Bronze oder versilbertem Metall gefertigt und zeigte auf der Vorderseite häufig das Bildnis einer Mutter mit Kindern oder das römische Wölfin-Symbol, das die mythische Gründung Roms durch Romulus und Remus darstellte. Die Rückseite trug oft Inschriften, die die Tugenden der Mutterschaft und des Dienstes an der Nation priesen. Das beigefügte Abzeichen mit der Aufschrift “Unione Fascista Famiglie Numerose” diente als Mitgliedsabzeichen der Organisation und konnte täglich getragen werden, während die Medaille selbst für feierliche Anlässe reserviert war.

Die Verleihungstüte, auch wenn beschädigt, ist ein wichtiges historisches Element. Solche Originaltüten sind heute selten erhalten und dokumentieren die offizielle Zeremonie der Verleihung. Die Medaillen wurden oft bei öffentlichen Veranstaltungen überreicht, die von faschistischen Funktionären geleitet wurden und die die Empfängerinnen als Vorbilder der faschistischen Weiblichkeit feierten.

Während des Zweiten Weltkriegs gewann diese Auszeichnung zusätzliche Bedeutung. Kinderreiche Mütter wurden als besonders wichtig für die Kriegsanstrengungen angesehen, da sie zukünftige Soldaten und Arbeiter für das Reich hervorbrachten. Die faschistische Propaganda stellte diese Mütter als Heldinnen der Heimatfront dar, deren Beitrag ebenso wertvoll sei wie der der kämpfenden Soldaten.

Nach dem Fall des faschistischen Regimes 1943 und dem Ende des Zweiten Weltkriegs 1945 wurden diese Auszeichnungen nicht mehr verliehen. In der Nachkriegszeit wurden sie zu kontroversen Objekten, die an die autoritäre Vergangenheit Italiens erinnerten. Viele Empfängerinnen behielten ihre Medaillen als private Erinnerungsstücke, während andere sie aus Scham oder politischen Gründen entsorgten.

Heute sind diese Medaillen wichtige historische Artefakte, die Einblick in die Sozial- und Bevölkerungspolitik des faschistischen Italiens geben. Sie dokumentieren die Instrumentalisierung der Mutterschaft für politische Zwecke und die Versuche totalitärer Regime, das Privatleben ihrer Bürger zu kontrollieren und zu lenken. Für Sammler und Historiker bieten sie wertvolles Material zum Studium der faschistischen Ideologie, der Geschlechterrollen im totalitären Staat und der alltäglichen Erfahrungen von Frauen während dieser turbulenten Periode der italienischen Geschichte.

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