Kriegsmarine Pressefoto: Angriff britischer Flugzeuge auf die "Wakama" Rettungsboote 1.3.1940
Das vorliegende Pressefoto der Kriegsmarine dokumentiert einen tragischen Vorfall vom 1. März 1940, bei dem britische Flugzeuge Rettungsboote des deutschen Dampfers “Wakama” angriffen. Dieses Foto gehört zur umfangreichen Propagandamaschinerie des Dritten Reiches, die solche Ereignisse systematisch für ihre Zwecke nutzte.
Die Wakama war ein deutsches Handelsschiff, das im frühen Kriegsjahr 1940 im Atlantik operierte. Der Seekrieg im Atlantik hatte bereits in den ersten Kriegsmonaten eine dramatische Intensität erreicht, wobei beide Seiten versuchten, die gegnerischen Handelsrouten zu unterbrechen. Deutsche Handelsschiffe waren dabei ständiger Bedrohung durch die Royal Navy und die Royal Air Force ausgesetzt.
Die Kriegsberichterstattung spielte im Zweiten Weltkrieg eine zentrale Rolle. Das Oberkommando der Wehrmacht (OKW) und speziell die Propaganda-Kompanien der verschiedenen Wehrmachtsteile produzierten täglich zahlreiche Fotos und Berichte für die in- und ausländische Presse. Die Kriegsmarine unterhielt eigene Presseabteilungen, die solche Aufnahmen koordinierten und verbreiteten.
Der dokumentierte Angriff auf Rettungsboote war völkerrechtlich höchst problematisch. Die Haager Landkriegsordnung und die Genfer Konventionen sahen bereits damals Schutzbestimmungen für Schiffbrüchige vor. Angriffe auf Rettungsboote und ihre Insassen galten als Verstoß gegen das Seekriegsrecht. Die deutsche Propaganda nutzte solche Vorfälle intensiv, um die Alliierten als Kriegsverbrecher darzustellen, während sie gleichzeitig eigene völkerrechtswidrige Handlungen, insbesondere im U-Boot-Krieg, verschleierte.
Die technische Ausführung des Fotos entspricht den Standards der damaligen Pressefotografie. Mit den Maßen von etwa 13 x 18 cm handelt es sich um ein typisches Format für Pressefotos der 1940er Jahre. Die rückseitige Beschriftung war Standard bei allen offiziellen Kriegsfotos und enthielt üblicherweise Informationen zum Aufnahmedatum, Ort, Fotograden und eine Bildunterschrift für die Redaktionen.
Im März 1940 befand sich der Krieg in der Phase des sogenannten “Sitzkrieges” an der Westfront, während auf See bereits ein erbitterter Kampf tobte. Die britische Seeblockade zielte darauf ab, Deutschland wirtschaftlich zu erwürgen, während die deutsche Kriegsmarine versuchte, britische Versorgungslinien zu unterbrechen. In diesem Kontext waren deutsche Handelsschiffe häufig gezwungen, gefährliche Routen zu nehmen oder in neutralen Häfen Zuflucht zu suchen.
Die Verwendung solcher Fotos in der NS-Propaganda folgte einem klaren Muster: Sie sollten die angebliche Brutalität des Gegners demonstrieren, die eigene Bevölkerung mobilisieren und im neutralen Ausland Sympathien wecken. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels kontrollierte streng, welche Bilder veröffentlicht wurden und wie sie kontextualisiert werden sollten.
Für Historiker sind solche Pressefotos heute wertvolle Quellen, müssen aber stets kritisch analysiert werden. Sie dokumentieren zwar reale Ereignisse, ihre Auswahl, Inszenierung und Verbreitung dienten jedoch propagandistischen Zwecken. Die Authentizität des abgebildeten Vorgangs muss durch Abgleich mit anderen Quellen wie Kriegstagebüchern, britischen Aufzeichnungen und Augenzeugenberichten verifiziert werden.
Der gebrauchte Zustand des vorliegenden Fotos deutet darauf hin, dass es tatsächlich in Redaktionen oder Archiven verwendet wurde. Viele dieser Pressefotos wurden an zahlreiche Zeitungen und Zeitschriften verteilt, sowohl im Reich als auch in neutralen Ländern. Nach Kriegsende gelangten große Bestände solcher Fotos in alliierte Archive, während andere in Privatbesitz übergingen.
Die Erforschung der Seekriegsgeschichte des Zweiten Weltkriegs hat in den vergangenen Jahrzehnten differenzierte Erkenntnisse über Vorfälle wie den Angriff auf die Wakama-Rettungsboote erbracht. Während die Propaganda einseitige Schuldzuweisungen vornahm, zeigt die historische Forschung, dass beide Seiten im Seekrieg Völkerrechtsverstöße begingen, wenn auch in unterschiedlichem Ausmaß.