Preußen Paar Epauletten für einen für einen Kanzlei-Sekretär im Preußischen Generalstab

Im Range eines Leutnant, um 1900. Karmesinrote Felder mit aufgelegten preußischen Wappen, gepresste goldene Monde , die goldenen Tressen mit blauen Durchzügen, dunkelblaue Tuchunterlage. Komplett mit den Schulterknöpfen. Getragen, Zustand 2.
395528
450,00

Preußen Paar Epauletten für einen für einen Kanzlei-Sekretär im Preußischen Generalstab

Die hier beschriebenen Epauletten repräsentieren ein faszinierendes Kapitel der preußischen Militärgeschichte um die Wende zum 20. Jahrhundert. Sie gehörten zu einem Kanzlei-Sekretär im Preußischen Generalstab, der im Range eines Leutnants diente – eine besondere Position, die die zunehmende Professionalisierung und Bürokratisierung des preußisch-deutschen Militärwesens widerspiegelt.

Der Preußische Generalstab entwickelte sich im 19. Jahrhundert zur vorbildlichen Militärinstitution Europas. Nach den Reformen von Gerhard von Scharnhorst und August Neidhardt von Gneisenau sowie unter der Leitung von Helmuth von Moltke dem Älteren wurde der Generalstab zu einem hochspezialisierten Organ der Kriegsführung. Die erfolgreichen Feldzüge von 1864, 1866 und 1870/71 festigten seinen legendären Ruf.

Die Einrichtung von Verwaltungspositionen wie dem Kanzlei-Sekretär im Generalstab entsprach der wachsenden Komplexität militärischer Planung. Diese Beamten waren für die Organisation, Archivierung und Verwaltung der umfangreichen Korrespondenz und Dokumente zuständig. Obwohl sie nicht zur kämpfenden Truppe gehörten, erhielten sie militärische Ränge und trugen entsprechende Uniformen, was ihre Integration in die militärische Hierarchie demonstrierte.

Die karmesinroten Felder der Epauletten sind besonders bedeutsam. Karmesinrot war in der preußischen Armee traditionell die Waffenfarbe des Generalstabs und der Adjutantur. Diese Farbe unterschied die Generalstabsoffiziere deutlich von anderen Truppengattungen und verlieh ihnen eine besondere Stellung innerhalb der Militärhierarchie. Die aufgelegten preußischen Wappen – der bekannte preußische Adler – unterstrichen die staatliche Autorität und Zugehörigkeit zur Krone.

Die gepressten goldenen Monde sind charakteristisch für Offiziersepauletten. Im preußischen System bezeichneten verschiedene Kombinationen von Sternen und Monden den genauen Rang. Die goldenen Tressen mit blauen Durchzügen auf dunkelblauer Tuchunterlage entsprechen den Uniformvorschriften der wilhelminischen Ära. Blau war die traditionelle Grundfarbe der preußischen Uniform seit Friedrich dem Großen, das berühmte “Preußischblau”.

Die Epauletten wurden gemäß der Adjustierungsvorschriften des Deutschen Kaiserreichs gefertigt. Nach der Reichsgründung 1871 blieben die preußischen Uniformtraditionen weitgehend erhalten, wurden aber durch kaiserliche Verordnungen standardisiert. Die Allerhöchste Kabinetts-Order (AKO) regelte detailliert die Uniformierung aller Rangstufen und Truppengattungen.

Die Epauletten wurden auf der Schulter der Galauniform oder Paradeuniform getragen, befestigt durch die erwähnten Schulterknöpfe. Für den täglichen Dienst verwendete man üblicherweise Schulterstücke (Achselklappen), die praktischer und weniger aufwendig waren. Die prächtigen Epauletten blieben besonderen Anlässen, Paraden und Hofveranstaltungen vorbehalten.

Die Herstellung solcher Epauletten erfolgte durch spezialisierte Militäreffektenhersteller. Firmen wie Wilhelm Scheidt in Berlin oder andere traditionsreiche Manufakturen fertigten diese aufwendigen Rangabzeichen in Handarbeit. Die Goldtressen wurden gewebt, die Wappen geprägt oder gestickt, und die verschiedenen Komponenten sorgfältig auf dem Tuchgrund befestigt.

Die Datierung “um 1900” platziert diese Epauletten in die Hochphase des Wilhelminischen Zeitalters unter Kaiser Wilhelm II. (1888-1918). Diese Epoche war geprägt von militärischem Glanz, Paraden und einer ausgeprägten Uniformkultur. Das Militär genoss höchstes gesellschaftliches Ansehen, und die Uniform war Symbol für Ehre, Pflicht und Vaterlandsliebe.

Der Zustand dieser Epauletten als “getragen” verleiht ihnen besonderen historischen Wert. Sie sind authentische Zeugnisse gelebter Militärgeschichte, getragen von einem Beamten, der im Herzen der preußisch-deutschen Militärmaschinerie diente. Jede Gebrauchsspur erzählt von Paraden, offiziellen Anlässen und dem Alltag im Generalstab jener Zeit.

Nach dem Ende der Monarchie 1918 und der Auflösung der kaiserlichen Armee verschwanden diese prächtigen Uniformstücke aus dem aktiven Gebrauch. Die Reichswehr der Weimarer Republik führte schlichtere Uniformierungen ein. Heute sind solche Epauletten gesuchte Sammlerstücke, die ein untergegangenes System und seine Repräsentationskultur dokumentieren.