Preußen Tschapka für Offiziere im 2. Garde-Ulanen-Regiment
Ein schönes Stück.
Die preußische Offiziers-Tschapka des 2. Garde-Ulanen-Regiments verkörpert die militärische Tradition und Eleganz der kaiserlichen Garde-Kavallerie im Deutschen Reich unmittelbar vor dem Ersten Weltkrieg. Dieses um 1914 in Berlin gefertigte Exemplar repräsentiert die höchste Handwerkskunst militärischer Hoflieferanten und die stolze Geschichte eines der ältesten Garde-Ulanen-Regimente Preußens.
Das Königlich Preußische 2. Garde-Ulanen-Regiment wurde durch Befehl König Friedrich Wilhelms III. von Preußen erstmals 1817 im Großherzogtum Posen als Posensche Garde-Landwehr-Eskadron aufgestellt. In Posen stationiert, wurde das leichte Kavallerie-Landwehr-Regiment 1819 mit der Litthauischen Garde-Landwehr-Eskadron zusammengelegt. Am 2. Oktober 1851 erhielt das Regiment die offizielle Bezeichnung 2. Garde-Ulanen-Regiment. Das Regiment wurde erstmals eingesetzt, um während der Märzrevolution 1848 in Berlin errichtete Barrikaden aufzulösen. Seinen ersten vollständigen militärischen Einsatz erlebte das Regiment im Deutschen Krieg 1866, wobei es in Schlesien und Böhmen eingesetzt wurde, gefolgt vom Deutsch-Französischen Krieg 1870. In Frankreich operierte das Regiment zunächst in Lothringen, bevor es zur Belagerung von Paris verlegt wurde.
Vor dem Deutsch-Französischen Krieg 1870-1871 war das Regiment in Berlin und Charlottenburg garnisioniert, bevor eine neue Kaserne im Berliner Stadtteil Moabit errichtet wurde. Die Herstellung von Offiziers-Tschapkas wurde typischerweise von spezialisierten Militärausrüstern in Berlin und Potsdam durchgeführt, darunter Firmen wie Ed. Schultze aus Potsdam und andere Hoflieferanten.
Die Tschapka als charakteristische Kopfbedeckung wurde 1867 von allen preußischen Ulanen-Regimentern in einer neuen, deutlich reduzierten Form übernommen. Die neue Tschapka war in Höhe und Volumen erheblich verringert worden. Das Wappen in Form eines Adlers wurde vom Hals der Kappe an die Vorderseite der Schale verlegt. Das neue Wappen von 1860 trug nun das Bandeau “MIT GOTT FÜR KOENIG UND VATERLAND”. Alle deutschen Ulanen-Regimenter trugen Tschapkas und Ulankas mit Plastronfront im polnischen Stil, sowohl in bunten Paradeuniformen als auch in der 1910 eingeführten feldgrauen Dienstuniform.
Die Offiziers-Tschapkas unterschieden sich von den Versionen der Mannschaften durch Materialien und Verarbeitungsqualität. Das vorliegende Exemplar zeigt einen Körper aus schwarzem Lackleder, feuervergoldeten Gardeadler in Offiziersausführung mit kleinem, hochgewölbtem und versilbertem Stern mit fein emailliertem Zentrum sowie gewölbte Schuppenketten an Rosetten. Die Reichskokarde befindet sich rechts. Die roten Paraderabatte waren spezifisch für jedes Regiment, wobei sie für Mannschaften mit weißem Rand und für Offiziere mit Silberbullion eingefasst waren. Das preußische Feldzeichen weist eine schwarze Samtfüllung auf. Die Fangschnur aus Silberbullion ist mit den preußischen schwarzen Farben durchzogen, wobei die Enden der Kordeln mit kunstvollen Knoten und Quasten mit den preußischen schwarzen Farben in Bullion innerhalb der Quasten verziert sind.
Die Friedensuniform bestand aus einer traditionellen Ulanen-Uniform mit einer Ulanka-Tunika sowie goldenen Aufschlägen. Diese farbenprächtigen Uniformen wurden 1913 außer für zeremonielle Anlässe durch die feldgraue Dienstuniform ersetzt. Die um 1914 beschriebene Tschapka wäre für Galauniformen und Zeremonien getragen worden. Für den Felddienst wurden Tschapkas nach 1913 mit einer feldgrauen Stoffabdeckung versehen.
Im Jahr 1914 umfasste die Kaiserlich Deutsche Armee 26 Ulanen-Regimenter, von denen drei Garde-Regimenter waren. Die beiden ältesten Garde-Ulanen-Regimenter wurden 1819 gegründet, während das dritte 1860 entstand. Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften der drei Garde-Ulanen-Regimenter trugen die traditionellen Gardesterne auf ihren Wappen.
Im Ersten Weltkrieg gehörte das Regiment zur Garde-Kavallerie-Division und kämpfte an der Westfront. Deutsche und österreichisch-ungarische Ulanen trugen die Tschapka während des Ersten Weltkriegs, obwohl sie nach der Einführung des Stahlhelms 1916 nicht mehr als Felduniform getragen wurde. Nach Kriegsende, im Dezember 1918, vereinigten sich die Eskadronen und kehrten nach Berlin zurück, wo das Regiment demobilisiert und 1919 aufgelöst wurde. Die Traditionen des Regiments wurden von der Reichswehr in der 4. Eskadron des 4. (Preußischen) Reiter-Regiments in Perleberg fortgeführt. Im Jahr 1923 wurde in Berlin-Moabit vom letzten Kommandeur des Regiments, Ludwig Karl Maria Graf von Maldeghem, ein Denkmal mit den Namen der im Krieg gefallenen Regimentsmitglieder enthüllt.