SS-Porzellanmanufaktur Allach - Mutter mit Kind

Entwurf von O. Obermeier, Allach Nr. 100. Ausführung mit hohem Sockel. Weiss glasiert, grüne Marke des Herstellers unter Glasur. Gesamthöhe 31,5 cm. Vollkommen unbeschädigt, Zustand 2+
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9.000,00

SS-Porzellanmanufaktur Allach - Mutter mit Kind

Die SS-Porzellanmanufaktur Allach stellt eines der komplexesten und umstrittensten Kapitel in der Geschichte der deutschen Porzellanherstellung dar. Die Manufaktur wurde 1935 zunächst als private Werkstätte in dem Münchener Vorort Allach gegründet und zwei Jahre später, 1937, von der SS übernommen. Sie wurde Teil eines ausgedehnten Netzwerks von SS-eigenen Wirtschaftsunternehmen, die unter der Verwaltung der SS-Wirtschafts- und Verwaltungshauptamt (WVHA) standen.

Die Figur “Mutter mit Kind” mit der Modellnummer 100, entworfen von Otto Obermeier, gehört zu den ikonografisch bedeutsamen Werken der Manufaktur. Obermeier war einer der Hauptbildhauer bei Allach und schuf zahlreiche Figuren, die der nationalsozialistischen Ideologie entsprachen. Diese Darstellung verkörpert das NS-Ideal der deutschen Mutterschaft und Familie, zentrale Elemente der nationalsozialistischen Bevölkerungspolitik und Propaganda.

Die Produktion in Allach war von Anfang an politisch motiviert. Die Manufaktur sollte hochwertige Porzellanwaren für SS-Angehörige und als repräsentative Geschenke für Parteifunktionäre herstellen. Heinrich Himmler, Reichsführer-SS, hatte ein persönliches Interesse an der Manufaktur und sah in ihr ein Mittel zur Förderung “germanischer Kunst” und zur wirtschaftlichen Stärkung der SS-Organisation.

Ab 1940 wurde die Produktion nach Dachau verlegt, wo ein zweites, größeres Werk in unmittelbarer Nähe des Konzentrationslagers errichtet wurde. Von diesem Zeitpunkt an wurden systematisch KZ-Häftlinge zur Zwangsarbeit in der Porzellanherstellung eingesetzt. Die Arbeitsbedingungen waren brutal, und viele Häftlinge starben an Erschöpfung, Unterernährung oder Misshandlung. Diese dunkle Geschichte macht jedes Produkt der Allach-Manufaktur zu einem Zeugnis der nationalsozialistischen Verbrechen.

Das Produktionsspektrum umfasste verschiedene Kategorien: Julleuchter (Kerzenhalter für das germanische Julfest, das Weihnachten ersetzen sollte), mythologische Figuren, Tierfiguren, und eben Darstellungen, die das nationalsozialistische Frauen- und Familienbild propagierten. Die Modellnummer 100 war eine bedeutende Produktionsnummer, die auf ein frühes und wichtiges Modell hinweist.

Technisch gesehen war die Allach-Manufaktur für ihre hohe Qualität bekannt. Die weiße Glasur und die charakteristische grüne Unterglasurmarke sind typisch für Allach-Porzellan. Die Marke zeigt üblicherweise die Doppel-Sigrune der SS zusammen mit dem Schriftzug “Allach” und häufig einer Modellnummer. Die Ausführung mit hohem Sockel war eine besonders repräsentative Variante, die vermutlich für hochrangige Empfänger bestimmt war.

Nach dem Kriegsende 1945 wurde die Produktion eingestellt. Die Manufaktur wurde von den Alliierten geschlossen, und viele Formen und Modelle wurden zerstört oder beschlagnahmt. Das erhaltene Allach-Porzellan wurde zu einem problematischen Erbe: Einerseits handwerklich hochwertige Keramikkunst, andererseits Propagandaobjekte eines verbrecherischen Regimes und Produkte von Zwangsarbeit.

Heute sind Objekte der SS-Porzellanmanufaktur Allach in vielen Ländern aufgrund ihrer NS-Symbolik rechtlich problematisch. In Deutschland fällt die Verwendung von SS-Symbolen unter § 86a StGB, wobei Ausnahmen für historische Forschung, Bildung und Aufklärung gelten. Der Handel mit solchen Objekten bewegt sich in einem rechtlichen Graubereich und ist ethisch hochumstritten.

Für die historische Forschung sind diese Objekte dennoch von Bedeutung. Sie dokumentieren die Ästhetik und Ideologie des Nationalsozialismus, die wirtschaftliche Struktur der SS-Organisation und das System der Zwangsarbeit in Konzentrationslagern. Museen und Gedenkstätten bewahren solche Objekte als Sachzeugen der Geschichte auf, um über die nationalsozialistische Vergangenheit aufzuklären und zu mahnen.