1. Weltkrieg patriotische Brosche Eisernes Kreuz 1914
Die patriotische Brosche mit Eisernem Kreuz aus dem Ersten Weltkrieg repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Militär- und Sozialgeschichte. Diese Art von Schmuckstück entstand als Teil einer breiten Bewegung patriotischer Ausdrucksformen während des Krieges von 1914 bis 1918 und spiegelt die komplexe Beziehung zwischen Heimatfront und Kriegsgeschehen wider.
Das Eiserne Kreuz selbst wurde ursprünglich am 10. März 1813 von König Friedrich Wilhelm III. von Preußen während der Befreiungskriege gegen Napoleon gestiftet. Zu Beginn des Ersten Weltkriegs erneuerte Kaiser Wilhelm II. am 5. August 1914 die Stiftung des Eisernen Kreuzes durch einen Allerhöchsten Erlass. Diese Erneuerung machte das Symbol zu einem der bekanntesten militärischen Auszeichnungen des Deutschen Kaiserreichs.
Patriotische Broschen wie diese wurden jedoch nicht als offizielle militärische Auszeichnungen verliehen, sondern gehörten zur sogenannten Kriegsschmuck-Bewegung. Diese Bewegung entstand spontan in der deutschen Zivilbevölkerung und wurde besonders von Frauen getragen, die ihre Unterstützung für die kämpfenden Soldaten und das Kaiserreich demonstrieren wollten. Die Herstellung solcher Schmuckstücke erfolgte durch zahlreiche Juweliere, Goldschmiede und Metallwarenfabriken im gesamten Deutschen Reich.
Die Jahreszahl 1914 auf solchen Broschen verweist auf den Kriegsbeginn und den initialen Enthusiasmus, der große Teile der deutschen Gesellschaft erfasste. Diese Periode, oft als “Augusterlebnis” bezeichnet, war geprägt von einer Welle nationaler Begeisterung und der Überzeugung eines schnellen Sieges. Patriotische Schmuckstücke wurden zu sichtbaren Zeichen dieser kollektiven Stimmung.
Die Materialien und Ausführungen solcher Broschen variierten erheblich. Während gehobene Exemplare aus Silber, vergoldetem Metall oder sogar mit Email-Einlagen gefertigt wurden, existierten auch einfachere Versionen aus Eisen, Zink oder anderen unedlen Metallen. Diese Vielfalt spiegelte sowohl die unterschiedlichen wirtschaftlichen Möglichkeiten der Käufer als auch die zunehmende Materialknappheit im Verlauf des Krieges wider.
Ein besonderer Aspekt der Kriegsschmuck-Bewegung war die “Gold gab ich für Eisen”-Kampagne, die bereits während der napoleonischen Kriege begonnen hatte und im Ersten Weltkrieg wiederbelebt wurde. Bürger wurden ermutigt, ihre wertvollen Schmuckstücke gegen einfachere eiserne Varianten einzutauschen, wobei das Gold und Silber der Kriegsfinanzierung diente. Die eisernen Ersatzstücke wurden mit Stolz getragen und symbolisierten persönliches Opfer für das Vaterland.
Die Gestaltung patriotischer Broschen folgte verschiedenen Mustern. Neben der reinen Nachbildung des Eisernen Kreuzes fanden sich Kombinationen mit Eichenlaub, Lorbeerkränzen, den Initialen “W” für Wilhelm, Reichsadlern oder patriotischen Inschriften. Manche Stücke trugen auch die schwarz-weiß-roten Farben des Kaiserreichs oder waren mit kleinen Edelsteinen besetzt.
Die soziale Funktion dieser Schmuckstücke ging über reine Dekoration hinaus. Sie dienten der Identitätsstiftung und schufen ein Gefühl der Gemeinschaft zwischen Front und Heimat. Für Frauen, die nicht an den Kampfhandlungen teilnehmen konnten, boten solche Symbole eine Möglichkeit, ihre Verbundenheit mit den kämpfenden Soldaten auszudrücken. Gleichzeitig fungierten sie als soziale Markierung der politischen Gesinnung.
Mit zunehmender Kriegsdauer und den wachsenden Verlusten an der Front veränderte sich die Bedeutung solcher Objekte. Der anfängliche Enthusiasmus wich einer ernsteren, oft auch verzweifelteren Haltung. Die Broschen wurden zunehmend zu Erinnerungsstücken an gefallene Angehörige oder vermisste Soldaten.
Nach dem Kriegsende 1918 und dem Zusammenbruch des Kaiserreichs verloren patriotische Broschen ihre ursprüngliche Funktion. Viele wurden als Erinnerungsstücke aufbewahrt, andere gerieten in Vergessenheit oder wurden eingeschmolzen. In der Weimarer Republik erlangten sie teilweise neue Bedeutung in konservativen und nationalistischen Kreisen als Symbole der “guten alten Zeit” des Kaiserreichs.
Heute sind solche patriotischen Broschen wichtige kulturgeschichtliche Zeugnisse. Sie dokumentieren die Mentalitätsgeschichte der deutschen Gesellschaft während des Ersten Weltkriegs, die Rolle der Heimatfront und die Mechanismen der Kriegspropaganda. Sammler und Museen bewahren diese Objekte als Beispiele für die materielle Kultur des Krieges und die Art und Weise, wie Konflikte die Alltagswelt der Zivilbevölkerung durchdrangen.