3. Reich Pressefotos: Verleihung des Literaturpreises der Reichshauptstadt an Joachim von der Goltz 7.4.1940
Die vorliegenden Pressefotos dokumentieren die Verleihung des Literaturpreises der Reichshauptstadt Berlin an Joachim von der Goltz am 7. April 1940. Diese Aufnahmen sind exemplarische Zeugnisse der nationalsozialistischen Kulturpolitik und der Rolle der Pressefotografie im Dritten Reich.
Die Literaturpreise der Reichshauptstadt wurden im Rahmen der umfassenden Kulturpolitik des NS-Regimes vergeben, die darauf abzielte, künstlerisches und literarisches Schaffen in den Dienst der nationalsozialistischen Ideologie zu stellen. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda unter Joseph Goebbels kontrollierte seit 1933 systematisch alle Bereiche des kulturellen Lebens. Literaturpreise dienten nicht nur der Ehrung von Schriftstellern, sondern auch der Lenkung literarischer Produktion in politisch gewünschte Bahnen.
Joachim von der Goltz (1892-1952) war ein deutscher Schriftsteller, der hauptsächlich historische Romane und Erzählungen verfasste. Seine Werke behandelten häufig preußische und deutsche Geschichte, was dem kulturpolitischen Programm des NS-Regimes entgegenkam, das eine heroisierende Darstellung deutscher Vergangenheit förderte. Die Verleihung im Frühjahr 1940 fiel in eine Phase des Krieges, in der das Deutsche Reich nach dem erfolgreichen Polenfeldzug und vor dem Westfeldzug stand.
Die beiden Fotos im Format 13 x 18 cm entsprechen dem damals üblichen Standard für Pressefotografie. Die rückseitige Beschriftung war charakteristisch für Pressefotos jener Zeit und diente der Identifikation und Archivierung durch Zeitungsredaktionen und Presseagenturen. Das Reichsministerium für Volksaufklärung und Propaganda betrieb ein ausgeklügeltes System zur Verteilung von Pressematerial, einschließlich Fotografien, an deutsche und internationale Medien.
Pressefotos aus dem Dritten Reich wurden in der Regel von akkreditierten Fotografen angefertigt, die für das Propagandaministerium, die Presseabteilung der Reichsregierung oder für große Presseagenturen wie das Deutsche Nachrichtenbüro (DNB) oder die Hoffmann-Agentur arbeiteten. Diese Bilder unterlagen strenger Kontrolle und Zensur. Kulturelle Veranstaltungen wie Preisverleihungen wurden fotografisch dokumentiert, um die vermeintliche kulturelle Blüte des “Dritten Reiches” zu demonstrieren.
Der historische Kontext vom April 1940 ist bedeutsam: Deutschland befand sich im Kriegszustand, hatte aber seit dem Ende des Polenfeldzuges im Herbst 1939 eine Phase relativer Ruhe an der Westfront erlebt, die als “Sitzkrieg” oder “Drôle de guerre” bekannt wurde. Nur wenige Wochen nach dieser Preisverleihung, am 10. Mai 1940, begann der deutsche Angriff auf Frankreich, Belgien, die Niederlande und Luxemburg.
Trotz des Kriegszustandes setzte das NS-Regime die Vergabe von Kulturpreisen fort, um Normalität vorzutäuschen und die Bedeutung deutscher Kultur zu unterstreichen. Literatur sollte der “inneren Front” dienen und die Moral der Bevölkerung stärken. Die öffentlichkeitswirksame Inszenierung solcher Veranstaltungen gehörte zum Propagandainstrumentarium des Regimes.
Aus heutiger Sicht sind solche Pressefotos wichtige historische Quellen, die Einblick in die Mechanismen nationalsozialistischer Kulturpolitik und Propaganda geben. Sie dokumentieren, wie das Regime kulturelle Ereignisse für seine Zwecke instrumentalisierte und wie Pressefotografie als Mittel der Meinungsbildung und Geschichtsschreibung eingesetzt wurde. Die Existenz solcher Fotografien in Sammlungen und Archiven ermöglicht es Historikern, die Inszenierungsstrategien des NS-Staates zu analysieren.
Der Zustand der Fotos als “gebraucht” deutet darauf hin, dass sie tatsächlich in Umlauf waren, möglicherweise in Zeitungsredaktionen oder Archiven verwendet wurden. Dies erhöht ihren dokumentarischen Wert, da sie nicht nur als fotografisches Objekt, sondern als Teil des damaligen Medienbetriebs verstanden werden können.
Heute sind solche Objekte Teil der kritischen Auseinandersetzung mit der NS-Zeit und dienen der historischen Forschung und Aufklärung über die Mechanismen totalitärer Propaganda und Kulturpolitik.