Kaiserliche Marine Zweispitz für einen Offizier des Beurlaubtenstandes (Reserveoffizier)

Um 1910. Eleganter Zweispitz aus schwarzem Nadelfilz, rechts mit goldener Agraffe, Reichskokarde aus Seide und vergoldetem Knopf für Reserveoffiziere, Anker mit der Kaiserkrone, darauf das kleine versilberte Kreuz. Innen mit hellem Schweißleder und weißem Seidenfutter. Größe ca. 58. Leicht getragen. Im originalen Koffer. Zustand 2.

524229
850,00

Kaiserliche Marine Zweispitz für einen Offizier des Beurlaubtenstandes (Reserveoffizier)

Der Zweispitz der Kaiserlichen Marine für Offiziere des Beurlaubtenstandes verkörpert ein bedeutendes Kapitel deutscher Marinegeschichte während der Ära des Deutschen Kaiserreiches zwischen 1871 und 1918. Diese markante Kopfbedeckung stellte ein unverkennbares Symbol der kaiserlichen Marinehierarchie dar und spiegelte die strenge hierarchische Organisation der wilhelminischen Epoche wider.

Die Kaiserliche Marine wurde 1871 nach der deutschen Reichsgründung ins Leben gerufen und entwickelte sich unter Kaiser Wilhelm II. zu einer der bedeutendsten Seestreitkräfte der Welt. Vom 1890er Jahren an entwickelte sich die Kaiserliche Marine unter der Ägide von Großadmiral Alfred von Tirpitz zur zweitgrößten Schlachtflotte der Welt. Die Uniformvorschriften wurden streng kontrolliert und in den offiziellen Bekleidungsvorschriften detailliert festgelegt. Die Kaiserliche Kabinettsorder von 1899 regelte die Uniformen der Marinebeamten bis ins Detail.

Der Zweispitz wurde als Uniformbestandteil in den 1790er Jahren von europäischen und amerikanischen Armee- und Marineoffizieren weitläufig übernommen. Die meisten Generäle und Stabsoffiziere der napoleonischen Epoche trugen Zweispitze, die bis ins 20. Jahrhundert als weit verbreitete Galakopfbedeckung überlebten. Der vorliegende Zweispitz aus schwarzem Nadelfilz repräsentiert speziell die Variante für Reserveoffiziere, erkennbar an dem kleinen versilberten Kreuz, das am Marineknopf befestigt war.

Der Begriff Beurlaubtenstand bezeichnet den Reservestatus. Matrosen der Kaiserlichen Marine dienten drei Jahre im aktiven Dienst. Danach gehörten sie für zwei Jahre zur Reserve, wo sie an Übungen und Paraden teilnehmen mussten. Reserveoffiziere waren Offiziere, die ihren aktiven Dienst abgeschlossen hatten und in den Reservestatus versetzt wurden. Der Zweispitz war ein wesentlicher Bestandteil der Galauniform für Marinebeamte und Offiziere der Kaiserlichen Marine und wurde bei offiziellen Anlässen, Paraden und Zeremonien getragen.

Es existierten verschiedene Varianten des Zweispitzes: für aktive Offiziere mit goldener Agraffe und Knopf ohne Kreuz, für Reserveoffiziere identifiziert durch das kleine Kreuz am Marineknopf, für Marine-Stations-Intendanten mit silberner statt goldener Tresse und für Marinebeamte mit silbernen Beschlägen. Die Agraffe diente dazu, die Reichskokarde in den Farben Schwarz-Weiß-Rot zu befestigen. Diese Farbkombination symbolisierte das Deutsche Kaiserreich und war auf allen Militär- und Staatsuniformen vorgeschrieben.

Die Herstellung der Zweispitze erfolgte durch verschiedene kommerzielle Hersteller, darunter dokumentierte Produzenten wie L.H. Berger Collani & Co. aus Berlin, A. Rost Sonst Walbert aus Dresden und J. Robrecht aus Berlin. Die Produktionsperiode erstreckte sich von circa 1871 bis 1918, wobei das vorliegende Objekt auf etwa 1910 datiert wird.

Nach der Niederlage Deutschlands im Ersten Weltkrieg und der Unterzeichnung des Versailler Vertrages am 28. Juni 1919 wurde die Kaiserliche Marine zur Reichsmarine umorganisiert. Das Uniformdesign der Kriegsmarine folgte dem der bereits existierenden Reichsmarine, die selbst auf dem der Kaiserlichen Marine des Ersten Weltkriegs basierte. Nach 1918 wurden die Uniformen der Kaiserlichen Marine einschließlich der Zweispitze für den offiziellen militärischen Gebrauch obsolet, wurden jedoch von Veteranen aufbewahrt und als historische Memorabilia gesammelt.

Der vorliegende Zweispitz aus schwarzem Nadelfilz weist eine goldene Agraffe, eine Reichskokarde aus Seide und einen vergoldeten Knopf für Reserveoffiziere mit aufgesetztem versilbertem Reservekreuz auf. Der Knopf zeigt das Motiv eines Ankers mit Kaiserkrone. Im Inneren befinden sich ein helles Schweißleder und ein weißes Seidenfutter. Die Größe entspricht etwa 58 nach deutscher Hutgrößenbestimmung. Das Objekt wird im originalen Koffer aufbewahrt und repräsentiert ein authentisches Zeugnis der maritimen Uniformkultur des Deutschen Kaiserreiches.