Adolf Hitler - persönliche Kranzschleife als Führer der NSDAP

um 1934. Gewässerte, rote Seide mit abschließenden goldenen Kantillen. Links mit aufgelegtem gold gesticktem Hoheitsadler auf rotem Tuch. Auf der rechten Seite ein Fenster mit Zellophan und Portraitfoto des gestorbenen Politischen Leiters in Uniform. Oben zu einer Schleife gebunden. Gesamtlänge der Kranzschleife ca. 55 cm, Breite 14 cm. Leichte Altersspuren, in gutem Zustand. Im modernen Glasrahmen, Maße 57 x 70 cm. Zustand 2.
Die Kranzschleifen wurden nur zu Begräbnissen Politischen Leitern sowie von hohen Persönlichkeiten verwendet. Sehr selten.
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€ 2.600,00

Adolf Hitler - persönliche Kranzschleife als Führer der NSDAP

Die vorliegende Kranzschleife repräsentiert einen bedeutenden Aspekt der nationalsozialistischen Zeremonialkultur während der Zeit des Dritten Reiches. Solche Kranzschleifen wurden bei Begräbnissen und Trauerfeiern hochrangiger Funktionäre der NSDAP (Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei) verwendet und stellten eine besondere Form der Ehrerbietung durch die Parteiführung dar.

Die Politischen Leiter der NSDAP bildeten das Rückgrat der Parteiorganisation. Diese Funktionäre waren für die Durchsetzung der Parteipolitik auf allen Ebenen verantwortlich, von der Reichsleitung bis hinunter zu den Ortsgruppen. Die Hierarchie der Politischen Leiter war streng gegliedert und umfasste Ränge vom Blockleiter über Ortsgruppenleiter, Kreisleiter und Gauleiter bis hin zu den Reichsleitern. Nach der Machtergreifung 1933 wurden die Politischen Leiter zunehmend mit staatlichen Funktionen betraut und bildeten eine parallele Machtstruktur zur staatlichen Verwaltung.

Das Jahr 1934, aus dessen Zeit diese Kranzschleife stammt, markiert eine wichtige Phase der nationalsozialistischen Herrschaft. Nach der Gleichschaltung der Länder und der Ausschaltung politischer Gegner konsolidierte das Regime seine Macht. Die Röhm-Affäre im Juni 1934 und der Tod Hindenburgs im August desselben Jahres führten zur Vereinigung der Ämter des Reichspräsidenten und Reichskanzlers in der Person Adolf Hitlers als Führer und Reichskanzler.

Die materielle Gestaltung solcher Kranzschleifen folgte strengen Vorgaben. Die Verwendung von gewässerter roter Seide als Grundmaterial war typisch für hochwertige NSDAP-Zeremonialstücke. Rot war neben Weiß und Schwarz eine der Parteifarben und symbolisierte nach nationalsozialistischer Interpretation den “sozialen Gedanken” der Bewegung. Die goldenen Kantillen (metallene Schmuckborten) an den Enden unterstrichen den repräsentativen Charakter des Objekts.

Der aufgestickte Hoheitsadler auf rotem Grund war das zentrale Symbol der NSDAP und des Deutschen Reiches. Nach den Richtlinien von 1933/34 hielt der Adler einen Eichenkranz mit Hakenkreuz in den Fängen. Die Ausführung in Goldstickerei auf solchen Kranzschleifen zeigt die hohe handwerkliche Qualität, die für Objekte mit persönlichem Bezug zum Führer erwartet wurde.

Besonders bemerkenswert ist das Fenster mit Zellophan und Portraitfoto des Verstorbenen. Diese Personalisierung war ein charakteristisches Merkmal solcher Kranzschleifen und diente der individuellen Ehrung des verstorbenen Parteifunktionärs. Das Foto zeigte den Verstorbenen typischerweise in seiner Uniform als Politischer Leiter, was seine Identität und Stellung innerhalb der Parteihierarchie visualisierte.

Die Verwendung solcher Kranzschleifen war streng reglementiert. Sie wurden ausschließlich bei Begräbnissen von Politischen Leitern sowie bei Trauerfeiern für andere hohe Persönlichkeiten des Regimes eingesetzt. Die Tatsache, dass diese Schleife als “persönliche Kranzschleife als Führer der NSDAP” bezeichnet wird, deutet darauf hin, dass sie im Namen Adolf Hitlers bei einer Trauerfeier niedergelegt wurde. Dies stellte die höchste Form der postumen Ehrung dar, die ein Parteifunktionär erhalten konnte.

Die Bestattungskultur im Nationalsozialismus war hochgradig ideologisiert. Begräbnisse hochrangiger Funktionäre wurden zu Propagandaereignissen stilisiert, die die Verbundenheit der “Volksgemeinschaft” demonstrieren sollten. Kranzschleifen spielten dabei eine wichtige symbolische Rolle. Sie wurden von verschiedenen Parteiorganisationen, staatlichen Stellen und Persönlichkeiten gestiftet und am Grab oder während der Trauerfeier präsentiert.

Die relative Seltenheit solcher Kranzschleifen heute erklärt sich durch mehrere Faktoren. Zum einen wurden sie nach einmaliger Verwendung oft mit ins Grab gegeben oder in Familienbesitz überführt. Zum anderen wurden nach 1945 im Zuge der Entnazifizierung viele NS-Devotionalien vernichtet. Objekte mit direktem Bezug zu Adolf Hitler waren besonders betroffen, da ihr Besitz in den Besatzungszonen zunächst verboten war.

Heute sind solche Objekte wichtige Zeugnisse für die Erforschung der nationalsozialistischen Zeremonialkultur und Herrschaftspraxis. Sie dokumentieren die Bedeutung von Ritualen, Symbolen und Hierarchien im NS-System. Die sorgfältige materielle Ausführung und die strikte Reglementierung ihrer Verwendung zeigen, wie sehr das Regime auf die symbolische Inszenierung von Macht und Gemeinschaft Wert legte. Für Historiker bieten sie Einblicke in die Alltagskultur des Nationalsozialismus jenseits der großen politischen Ereignisse.