Allgemeine-SS : Schwarzer Dienstrock, Mantel und Hose als SS-Untersturmführer aus dem Besitz von Michael "Mirko" Anderschitz, 2. Sturm, 11. SS-Standarte , Wien, SS-Oberabschnitt Donau

Wien, um 1938. Bei dem Dienstrock, Hose und Mantel handelt es sich um elegante Maßanfertigungen des RZM-Schneiderei Betriebs Wiebag. Fertigung aus feinem Gabardine, komplett mit allen Effekten. Die Kragenspiegel mit Metallfaden handgestickter "11", umlaufende silberne Kordel, dazu das passende Rangseite als SS-Untersturmführer, per Hand vernäht. Um den Kragen umlaufende Silberkordel. Das Schulterstück für Führer eingenäht, auf der Unterseite mit gewebtem Stoffetikett "RZM 38/37 SS". Die Armbinde in der schweren Wollausführung, die Auflagen aus Seidenrips genäht. Auf dem auf dem rechten Oberarm mit Winkel für "Alte Kämpfer", per Hand vernäht.  Auf der linken Brust mit Schlaufen für 2 Steckabzeichen. Die Knöpfe in Aluminiumfertigung. Innen mit schwarzem Futter, mit eingenähtem Schlitz zum Tragen des Dolches. Auf der Innentasche mit großem gewebtem Schneideretikett "Wiebag Wien I. - Wr. Bklddgs.Hadls.u.Bed.Art.A.G. Stubenring 1 Kriegsministerium", in der Innentasche mit gewebtem Schneideretikett "Wiebag Wr. Bekleidungs-Hdls z. Bedarfsartikel A.G. Wien 1. Stubenring 1" mit zusätzlichem Stempel "RZM Erlaubnis D5/39650" mit handschriftlicher Trägerbezeichnung "SS-Ustuf Anderschitz, Aug. 38". 
Dazu die passende lange Hose in gleicher Tuchqualität, seitlich mit weißen Biesen. 
Der Mantel ebenfalls aus feinem Gabardine, komplett mit allen Effekten. Die Kragenspiegel mit Metallfaden handgestickter "11", umlaufende silberne Kordel, dazu das passende Rangseite als SS-Untersturmführer, per Hand vernäht. Das Schulterstück für Führer eingenäht, auf der Unterseite mit gewebtem Stoffetikett "RZM 441/37 SS". Die Armbinde in der schweren Wollausführung, die Auflagen aus Seidenrips genäht, per Hand vernäht. Die Knöpfe in Nickelausführung, auf der Rückseite gestempelt "RZM M 5/69" sowie "RZM M 5/ a 93". Innen mit schwarzem Futter, mit eingenähtem Schlitz zum Tragen des Dolches. In der Innentasche mit gewebtem Schneideretikett "Wiebag Wr. Bekleidungs-Hdls z. Bedarfsartikel A.G. Wien 1. Stubenring 14" mit handschriftlicher Trägerbezeichnung "SS-Usturmfhr. Mirko Anderschitz, Dezember 1938" sowie das RZM-Stoffetikett "RZM Handwerks-Arbeit Herstellernummer 5/39650 Reichszeugmeisterei der NSDAP".

Das Uniformensemble ist nahezu ungetragen in absolut neuwertigem Zustand. Es stammt direkt aus einem Wiener Privathaushalt und war noch nie zuvor im Handel.
Eine der ganz wenigen originalen Uniformensembles der Allgemeinen SS, die vollkommen unberührt ist und eine unglaubliche Provenienz haben.

Zu der Uniformgruppe gibt es zahlreiche Fotokopien aus seiner SS-Personalakte:
Vorläufiger SS-Ausweis als SS-Mann im 2./11. SS-Standarte, mit Foto in Polizeiuniform, ausgestellt Wien, den 10.1.1939 vom Stabsführer der Allg. SS SS-Oberabschnitt Donau", als farbige doppelseitige Kopie auf Fotopapier im Maßstab 1:1 . 
Maschinengeschriebener Lebenslauf von Anderschitz, um 1941, mit eigenhändiger Unterschrift.
Maschinengeschriebener Brief von Anderschitz an SS-Obergruppenführer Kaltenbrunner, datiert 7.12.1939 mit der Bitte um Aufnahme in die SS als Untersturmführer.
SS-Aufnahme und Verpflichtungsschein, datiert 13.1.1939.
Bestätigung der NSDAP Landesleitung Österreich mit der Bestätigung der Mitgliedschaft im NS Soldatenring in der illegalen Zeit, ab 1937 im Verbindungsdienst zur Wiener Polizei, ausgestellt Wien, den 18.7.1938.
SS Karteikarte des Oberabschnitt Donau sowie Karteikarte der NSDAP, Mitglieds-Nr. 6199258, aufgenommen 1. Mai 1938.
Schreiben des SS-Oberabschnitt Donau, datiert Wien,1. April 1940 "Der Pol. Meister Anderschitz Michael hat zwar einen Antrag um Aufnahme in die SS eingereicht, dieser ist jedoch noch nicht erledigt und A. ist nicht berechtigt, sich als SS-Untersturmführer zu bezeichnen, oder die Uniform zu tragen.".
3 maschinengeschriebene Briefe von Anderschitz an SS Gruppenführer Kaltenbrunner, datiert 24.12.1939, 7.8.1941und 11.8.1941 .

Laut dem eigenen Lebenslauf: Geboren am 25.9.1899 in Wien, 1917 als Kriegsfreiwilliger Teilnahme an der 12. Isonzoschlacht, schwer verwundet. Nach dem Zusammenbruch 1918 als Boxer tätig. Im Februar 1921 als als Saalschutz und Rausschmeißer bei einer NSDAP Veranstaltung im Münchner Hofbräuhaus zu "tatkräftig beim Hinauswerfen der Ruhestörer", dass er die Stadt fluchtartig verlassen musste. Am 1. Mai 1925 an einer Schießerei in Berlin-Wedding beteiligt und rettete mehrere Kameraden, musste sich versteckt halten, bis er wieder nach Wien zurückkehren konnte. 1926 Eintritt in die Wiener Polizei, mit starker Beteiligung an der illegalen Arbeit der Nationalsozialisten. 1934 als Panazerfahrer der Polizei bei den Februarunruhen beteiligt. Beteiligung bei der Gründung der SS-Standarte 89/Gersthof 2 (Wien) beteiligt, nach dem Verbot beim NSR (NS Soldatenring) weiter tätig. Im Februar 1937 nach einem Boxkampf Wien-Berlin am Wiener Westbahnhof festgenommen, weil er in Berlin vor 4000 Besuchern und dem anwesenden österreichischen Gesandten den Deutschen Gruß gezeigt hat. Beim Einmarsch in das Sudetenland und im Polenfeldzug 1939 war er Panzerunterführer bei der Polizei., musste aufgrund von Differenzen mit Vorgesetzten  "auf eigenen Antrag " in den Ruhestand gehen. Am 7. März 1941 Eintritt in die italienische Armee, "um unter verbündeter Flagge meine todesbereite Treue als nat. Soldat zu besiegeln". Am 22. Mai Eintritt in die deutsche Wehrmacht, aus "angeblichen Gesundheitsrücksichten" am 4. August wieder entlassen".


Aus den sehr umfangreichen Rechercheunterlagen (teils übersetzt in englisch) ergibt sich, dass es sich bei Anderschitz um eine schillernde Persönlichkeit handelte, ein glühender österreichischer Nationalsozialist der ersten Stunde, verbunden mit Paranoia, litt unter Verschwörungstheorien und starken psychologischen Problemen. Er wurde zwar 1939 als SS-Mann in die 11. SS-Standarte aufgenommen, war jedoch nie SS-Untersturmführer, obwohl er bei Kaltenbrunner um eine entsprechende Beförderung gebeten hat. Die Uniform als SS-Untersturmführer hat sich Anderschitz 1938 eigenmächtig "von seinem letzten Geld machen lassen", wie er in einem seiner Briefe schreibt. Er wollte sich 1939 nach dem Rausschmiss aus der Polizei (mehrere tätliche Angriffe auf Vorgesetzte) in dieser SS Uniform vor seinem Führerbild erschießen, ließ aber davon ab (ebenfalls aus seinen Briefen entnommen). Es gibt auch Berichte in seiner SS Personalakte, dass Anderschitz unerlaubterweise in der SS-Uniform als SS-Untersturmführer in der Öffentlichkeit gesehen wurde. 1940 wurde er einer psychologischen Untersuchung unterzogen, in der er das Attest als schwerer Psychopath erhielt und den Dienst quittieren musste.
Im Herbst 1940 arbeitete er als Werkschutz Führer bei der Eisenbahn Waggon Fabrik in Wien-Simmering, im Februar 1941 entlassen, weil er höhere Mitarbeiter beschuldigte, als "Führer einer kommunistischen Verschwörung eine interne Revolution in der Fabrik" zu planen.. Um den "notorischen Troublemaker" loszuwerden, wurde er 1942 nach Klagenfurt versetzt, um als technischer Angestellter in einer Flugzeugmaschinenfabrik zu arbeiten. Dort hat er sich als "SS-Untersturmführer" ausgegeben, was sich aus der Korrespondenz zwischen SS-Gruppenführer Kaltenbrunner und dem Direktor der Flugmotorenwerke Klagenfurt ergibt.
Nach dem Krieg blieb Anderschitz in Klagenfurt, heiratete 1949, arbeitete als Boxtrainer und starb am 23.2.1970 nach einem wirklich ereignisreichen und abenteuerlichen Leben.

Die wirklich umfangreichen Rechercheunterlagen enthalten noch viele weitere Details aus Anderschitz Leben, absolut lesenswert.




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Allgemeine-SS : Schwarzer Dienstrock, Mantel und Hose als SS-Untersturmführer aus dem Besitz von Michael "Mirko" Anderschitz, 2. Sturm, 11. SS-Standarte , Wien, SS-Oberabschnitt Donau

Die schwarze Dienstuniform der Allgemeinen SS, die 1932 eingeführt wurde, stellt eines der bekanntesten Uniformensembles des nationalsozialistischen Deutschland dar. Entworfen von Karl Diebitsch und dem Grafiker und SS-Mitglied Walter Heck, wurde diese Uniform zu einem Symbol der Organisation und bei allen offiziellen Veranstaltungen, Paraden und Dienstfunktionen getragen. Die Uniform bestand aus einer Schirmmütze mit Adler- und Hakenkreuzabzeichen sowie einem Totenkopf im Husarenstil, braunem Uniformhemd, schwarzer Krawatte, schwarzer Jacke mit vier Taschen und Armbinde, schwarzer Reithose, Gürtel mit Tragegestell und Reitstiefeln.

Das vorliegende Ensemble umfasst einen schwarzen Dienstrock, einen Mantel und eine Hose, gefertigt aus feinem Gabardine, einem Material, das für Offiziersuniformen aufgrund seiner feineren Textur, des leichteren Gewichts und der anspruchsvolleren Verarbeitung bevorzugt wurde. Die Uniform wurde von der Wiener Schneiderei Wiebag (Wiener Bekleidungshandels- und Bedarfsartikel A.G.) hergestellt, einem von der Reichszeugmeisterei (RZM) lizenzierten Betrieb. Die RZM, 1929 gegründet und in München ansässig, war die zentrale nationale Beschaffungsstelle für Uniformen und Ausrüstung der NSDAP. Ab 1934 wurde die RZM-Kennzeichnung für alle offiziellen SS-Uniformteile obligatorisch. Bis Mitte 1934 gab es im gesamten Deutschen Reich etwa 15.000 lizenzierte Produktionsbetriebe und Handwerksproduzenten.

Die Kragenspiegel der Uniform zeigen eine mit Metallfaden handgestickte “11”, die auf die Zugehörigkeit zur 11. SS-Standarte in Wien hinweist. Diese Standarte war eine der drei Standarten des SS-Abschnitts XXXI mit Hauptquartier in der Hietzinger Hauptstraße 22 im 13. Bezirk Wiens und gehörte zu den größten Formationen der österreichischen SS. Die Kragenspiegel sind mit silberner Kordel eingefasst und tragen die Rangabzeichen eines SS-Untersturmführers, des niedrigsten Offiziersrangs in der SS, der dem eines Leutnants in der Wehrmacht entsprach. Ab Oktober 1934 waren die Kragenspiegel für den Rang des Untersturmführers mit einer Aluminiumkordel eingefasst, und die Rangabzeichen zeigten drei Metallsterne.

Am rechten Oberarm der Uniform befindet sich der Ehrenwinkel der Alten Kämpfer, eine von Adolf Hitler im Februar 1934 autorisierte NS-Parteiauszeichnung in Form eines silbernen Winkels. Dieser wurde an SS-Mitglieder verliehen, die der Allgemeinen SS, der NSDAP oder einer anderen Parteiorganisation vor dem 30. Januar 1933 beigetreten waren. Die Uniform verfügt über eingenähte Führerschulterklappen mit einem gewebten Stoffetikett “RZM 38/37 SS” auf der Rückseite. Die Knöpfe des Dienstrocks sind aus Aluminium gefertigt, während der Mantel Nickelknöpfe mit den Stempelungen “RZM M 5/69” und “RZM M 5/a 93” aufweist. Die Armbinde ist in schwerer Wollausführung mit Seidenrips-Auflagen gearbeitet, und die Hose zeigt die charakteristischen weißen Seitenbiesen.

Die Uniform gehörte Michael “Mirko” Anderschitz vom 2. Sturm der 11. SS-Standarte. Die umfangreiche Dokumentation zeigt, dass Anderschitz der österreichischen Untergrund-SS/NSDAP in der illegalen Zeit vor dem Anschluss angehörte und 1939 als SS-Mann in die 11. SS-Standarte aufgenommen wurde. Die Uniform wurde im Jahr 1938 auf eigene Kosten bei Wiebag in Auftrag gegeben, wie die handschriftlichen Bezeichnungen auf den Schneideretiketten belegen: “SS-Ustuf Anderschitz, Aug. 38” auf dem Dienstrock und “SS-Usturmfhr. Mirko Anderschitz, Dezember 1938” auf dem Mantel.

Die Uniform ist dem SS-Oberabschnitt Donau zuzuordnen, der primären Kommandoeinheit der Allgemeinen SS in Österreich. Dieser Oberabschnitt wurde 1934 unter Alfred Rodenbücher gebildet und ursprünglich als Oberabschnitt Österreich bezeichnet. Er überwachte alle österreichischen SS-Untergrundaktivitäten bis 1938, als Deutschland Österreich ins Dritte Reich eingliederte. Ernst Kaltenbrunner übernahm 1937 die Führung des Oberabschnitts, der im Mai 1938 in Oberabschnitt Donau umbenannt wurde; das Hauptquartier befand sich in Wien. Die österreichischen SS-Männer waren in der gleichen Weise organisiert wie die Allgemeine SS, operierten jedoch als Untergrundorganisation, insbesondere nach 1936, als die österreichische Regierung die SS für illegal erklärte. Nach dem Anschluss wurde die österreichische SS in den SS-Oberabschnitt Donau eingegliedert.

Ab 1939 wurde die schwarze Uniform zunehmend durch feldgraue Uniformen ersetzt, blieb jedoch für bestimmte zeremonielle Anlässe bis Kriegsende in Gebrauch. Das vorliegende Ensemble befindet sich laut Beschreibung in nahezu ungetragenem, neuwertigem Zustand und stammt direkt aus einem Wiener Privathaushalt, wobei es nie zuvor im Handel war.

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