Elastolin - Heer Soldat rückwärts fallend

7,5 cm, Zustand 2-.
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20,00

Elastolin - Heer Soldat rückwärts fallend

Elastolin-Soldatenfiguren: Die Geschichte der deutschen Massefiguren im Dritten Reich

Die vorliegende Elastolin-Figur eines rückwärts fallenden Heersoldaten repräsentiert ein faszinierendes Kapitel der deutschen Spielzeuggeschichte und militärischen Volkskultur. Die Firma Hausser, gegründet 1904 in Ludwigsburg, entwickelte mit Elastolin ein revolutionäres Material, das die Produktion von Spielzeugfiguren grundlegend veränderte.

Die Entstehung von Elastolin

Der Name Elastolin bezeichnete eine patentierte Masse aus Kasein, Kreide, Glyzerin, Leinöl und anderen Zusätzen, die elastisch, formbar und relativ bruchsicher war. Diese Innovation ermöglichte es der Firma O. & M. Hausser, detaillierte Figuren in Serie zu produzieren, die deutlich widerstandsfähiger waren als die traditionellen Bleisoldaten. Ab den 1920er Jahren eroberten diese Figuren den deutschen und internationalen Markt.

Die Größe von 7,5 cm entspricht der Standardgröße, die Hausser ab den 1930er Jahren für seine Massefiguren verwendete. Diese Normierung ermöglichte es Sammlern, ganze Armeen und Szenarien aufzubauen, die maßstabsgetreu zueinander passten.

Militärische Darstellungen im Nationalsozialismus

Während der Zeit des Nationalsozialismus (1933-1945) erlebte die Produktion militärischer Spielzeugfiguren einen erheblichen Aufschwung. Die Firma Hausser produzierte umfangreiche Serien von Wehrmacht-Soldaten in verschiedenen Posen und Uniformen. Diese Figuren dienten nicht nur der Unterhaltung, sondern auch der militärischen Erziehung der Jugend im Sinne der NS-Ideologie.

Die Darstellung eines rückwärts fallenden Soldaten ist besonders bemerkenswert, da sie eine Kampfszene darstellt. Solche Verwundeten- und Gefallenen-Figuren waren Teil umfassender Sets, die realistische Schlachtszenen nachbilden sollten. Dies stand im Kontrast zu idealisierteren Darstellungen und zeigte den Krieg mit seinen Schattenseiten, wenn auch in miniaturisierter Form.

Produktionstechniken und künstlerische Gestaltung

Die Herstellung erfolgte durch Formguss in mehrteiligen Metallformen. Nach dem Aushärten wurden die Figuren von Hand bemalt, wobei verschiedene Qualitätsstufen existierten. Die Uniformdetails der Heeresuniformen wurden mit bemerkenswerter Genauigkeit wiedergegeben, einschließlich Rangabzeichen, Ausrüstungsgegenständen und Waffendetails.

Die dynamische Pose des rückwärts Fallenden zeigt die künstlerische Qualität der Hausser-Modelleure. Solche Bewegungsdarstellungen erforderten ein tiefes Verständnis von Anatomie und Bewegungsabläufen. Die Figuren sollten sowohl spielbar als auch sammelwürdig sein.

Kriegsproduktion und Materialmangel

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs 1939 wurde die Spielzeugproduktion zunehmend eingeschränkt. Rohstoffe wurden für die Rüstungsindustrie benötigt, und viele Fabriken mussten auf Kriegsproduktion umstellen. Die Qualität der noch produzierten Elastolin-Figuren nahm ab, und die Bemalung wurde einfacher. Nach 1943 kam die zivile Spielzeugproduktion weitgehend zum Erliegen.

Sammlerwert und historische Bedeutung

Der angegebene Zustand 2- (nach der gängigen Bewertungsskala von 1 bis 6, wobei 1 der beste Zustand ist) deutet auf eine gut erhaltene Figur mit leichten Gebrauchsspuren hin. Original-Elastolin-Figuren aus der Vorkriegs- und Kriegszeit sind heute begehrte Sammlerobjekte. Ihr Wert wird durch Seltenheit, Erhaltungszustand und historische Bedeutung bestimmt.

Sammler schätzen diese Figuren nicht nur als Spielzeug, sondern als zeithistorische Dokumente, die Einblick in die militärische Kultur und Propaganda des Dritten Reiches geben. Sie dokumentieren, wie Krieg und Militär in der deutschen Gesellschaft der 1930er und 1940er Jahre dargestellt und vermittelt wurden.

Nachkriegszeit und Weiterproduktion

Nach dem Krieg nahm die Firma Hausser die Produktion wieder auf, stellte jedoch zunehmend auf Kunststofffiguren um. Die traditionelle Elastolin-Masse wurde bis in die 1980er Jahre verwendet, bevor die Produktion endgültig eingestellt wurde. Heute existiert die Marke als Lizenznehmer weiter.

Diese Figur eines fallenden Heersoldaten steht exemplarisch für eine Epoche der deutschen Spielzeuggeschichte, die untrennbar mit der dunkelsten Periode deutscher Geschichte verbunden ist. Sie ist zugleich Zeugnis handwerklicher Kunstfertigkeit und mahnendes Dokument einer Zeit, in der selbst Kinderspielzeug in den Dienst militaristischer Erziehung gestellt wurde.